Lot no. 8
Franz Nölken (Hamburg 1884 – 1918 bei La Capelle) „In der Tür stehender weiblicher Akt“. 1911 Öl auf Leinwand. 101 × 76 cm ( 39 ¾ × 29 ⅞ in.). Unten links signiert und datiert: Nölken 1911. Auf dem Keilrahmen oben ein Etikett der Ausstellung Berlin 1987 (s.u.). Meyer 161.– Retuschen. [3216] Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland Ausstellung: Franz Nölken, 1884–1918. Ein Künstler der „Brücke“. Berlin, Brücke-Museum, 1987, Abbildung Tafel 13 Es war Alfred Lichtwark, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, der den jungen Franz Nölken ermutigte, die Schule zu verlassen und sich ganz auf seine künstlerische Ausbildung zu konzentrieren. Und Lichtwark empfahl ihm dafür auch nicht den Besuch einer staatlichen Akademie, sondern die private Kunstschule des Malers Arthur Siebelist. Siebelist war bekannt als Anhänger der Freilichtmalerei und zählte damit im konservativen Deutschland zur absoluten Avantgarde. Nach den Anregungen von Lichtwark und Siebelist schuf Nölken 1904 sein Gemälde „Am Brunnen“. Das Werk des damals 20-Jährigen hängt heute in der Hamburger Kunsthalle, wo es beredt Auskunft gibt über das enorme Talent, das Franz Nölken bereits in jungen Jahren zu Gebote stand. Unser Gemälde „In der Tür stehender weiblicher Akt“ entstand sieben Jahre später. Zu dieser Zeit wurde Nölken als Mitglied der Dresdner Brücke geführt, und er war auch schon zum ersten Mal in Paris gewesen. Dort muss ihn die Kunst der Fauves besonders fasziniert haben. Zumindest zeigt sein stehender Akt in Farbigkeit und Komposition deutliche Anklänge an die Malerei von Henri Matisse und André Derain. Der beherrschende Farbdreiklang in Nölkens Werk ist Hellblau, Ocker und Rot. Die drei Farben dominieren den Raum, man findet sie aber vor allem in der Figur der im Türrahmen stehenden jungen Frau, die dort im Begriff ist, sich das lange dunkle Haar zu kämmen. Diese an sich sehr ungewöhnliche Szene hat der Künstler mit aufreizender Beiläufigkeit festgehalten. Die Nacktheit der jungen Frau wirkt nicht exponiert, sondern auf eigentümliche Weise vollkommen natürlich. Es drängt sich fast der Eindruck auf, Nölken sei es dabei weniger um das Motiv als vielmehr um das überaus delikate Kolorit gegangen - eine Eigenart, die man im frühen 20. Jahrhundert auch an der Malerei der Fauves beobachten kann. Im Hintergrund erkennt man überdies eine zweite junge Frau, auch sie ist gerade nackt bei ihrer Morgentoilette. Diese Situation hat der wie Franz Marc oder August Macke viel zu früh verstorbene Nölken unmöglich in Hamburg erlebt. Wir sehen auf diesem Bild deshalb nicht nur zwei unbekleidete Frauen in einer farblich höchst interessanten Umgebung. Wir sehen das, was Franz Nölken sah, als er mit Mitte zwanzig seiner Sehnsucht nachgab: die Stadt und den Traum Paris. UC Franz Nölken (Hamburg 1884 – 1918 near La Capelle) „In der Tür stehender weiblicher Akt“. 1911 Oil on canvas. 101 × 76 cm ( 39 ¾ × 29 ⅞ in.). Signed and dated lower left: Nölken 1911. On the upper stretcher bar a label of the exhibition Berlin 1987 (see below). Meyer 161.– Retouchings. [3216] Provenienz: Private collection, northern Germany Ausstellung: Franz Nölken, 1884–1918. Ein Künstler der „Brücke“. Berlin, Brücke-Museum, 1987, ill. p. 13
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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Oeuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
06/01/2017
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0