Lot no. 286
Franz von Stuck (Tettenweis 1863 – 1928 München)
„MEERWEIBCHEN“. 1891
Öl auf Holz. 28,2 x 82,3 cm ( 11 ⅛ x 32 ⅜ in.). Unten rechts signiert: FRANZ STUCK. Auf dem Schmuckrahmen ein Etikett der Galerie Arnold, Dresden.
Voss 38/45.–
[3044]
Provenienz: Adolf Rothermundt, Dresden (1924) / Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Große Berliner Kunst-Ausstellung. Berlin, Landes-Ausstellungsgebäude, 1893, Kat.-Nr. 1503
Literatur und Abbildung: Otto Julius Biermann: Franz Stuck. Über hundert Reproductionen nach Gemälden und plastischen Werken, Handzeichnungen und Studien. München, Münchener Kunst- und Verlags-Anstalt E. Albert, 1893, S. 63, Abb. Tf. 31 / Gustav Fritsch: Unsere Körperform im Lichte der modernen Kunst. Berlin, Habel, 1893, S. 25 f. / Anna Spier: Franz Stuck. In: Westermanns Illustrierte deutsche Monatshefte, 76. Band, 1894, S. 559 / Franz Hermann Meissner: Franz Stuck. Berlin und Leipzig, Schuster & Loeffler, 1899 (Das Künstlerbuch, Bd. III), S. 67 / Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. 4 Bände. Dritter, unveränderter Nachdruck, Hofheim am Taunus, H. Schmidt & C. Günther, 1979 (zuerst Fr. v. Boetticher's Verlag, Dresden 1891–1901), hier Zweiter Band (Zweite Hälfte), S. 859, Nr. 28 / Fritz von Ostini (Vorwort): Franz von Stuck. Das Gesamtwerk. München 1909, S. 47 / Fritz von Ostini (Einleitung): Franz von Stuck. Acht farbige Wiedergaben seiner Werke. Leipzig, E. A. Seemann, o. J. (1920), S. 7 / Otto Julius Bierbaum: Franz von Stuck. Bielefeld und Leipzig, Velhagen & Klasing, 4. Aufl. 1924 (=Künstler-Monographien, Bd. XLII), S. 57, Abb. 35, S. 32 / Ulrich Thieme und Felix Becker (Hrsg): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 Bände. Leipzig, Verlag E. A. Seemann, 1907–1950, hier Band XXXII (1938), S. 232
Hellweiß glänzen die Zähne des Jünglings, der mit einem strahlenden Lächeln bäuchlings am Strand liegt, sein nackter Körper von blau-violetten Schattierungen umspielt. Zärtlich streckt er seine Arme nach einem Meerweibchen aus, das auf dünne, spitze Fingerchen gestützt im seichten Wasser ruht. Die Augen des Jünglings sind, von der Sonne geblendet, fast geschlossen. Ihre großen, grünen Augen hingegen sind weit aufgerissen und funkeln gelb, obwohl ihr Gesicht von ihrem eigenen Schatten vollständig verdunkelt wird. Ihr Körper ist weiß wie der Sand, die langen roten Haare umspielen ihre kleinen Brüste, frech lugt eine Brustwarze hervor. Anders als in der Variation dieses Gemäldes von 1913 ist hier der aus dem Wasser ragende Po des Meerweibchens mit den schimmernden Schuppen des zweigeteilten Fischschwanzes besetzt, bleibt der Hintergrund fast abstrakt. Der Künstler verzichtet gänzlich auf historischen oder mythologischen Kontext. Was genau die Szene darstellt bleibt unklar, moralische Schlussfolgerungen werden nicht zugelassen. Ob es sich um Verliebtheit, Begehren, Verführung oder Verzweiflung handelt, ist ungewiss.
Der Malerfürst Franz von Stuck war in den 1880er Jahren zunächst Schüler, dann Nachfolger Wilhelm Lindenschmits als Lehrer an der Münchner Akademie. Diesem frühen Werk jedoch merkt man bereits an, dass der Künstler mehr Inspiration in den Fantasiewelten Böcklins fand und Gleichgesinnte in Klinger und Thoma sah. Obwohl Stuck in dieser Zeit auch Landschaften malte, kristallisiert sich seine Vorliebe für Kentauren, Faunen und andere fabelhafte Wesen heraus. Erste Versionen seines berühmten Motivs Die Sünde entstanden bereits 1891, dem Jahr der großen Berliner Kunstausstellung, auf der Stuck vertreten war. (MZ)
Franz von Stuck (Tettenweis 1863 – 1928 Munich)
„MEERWEIBCHEN“. 1891
Oil on panel. 28,2 x 82,3 cm ( 11 ⅛ x 32 ⅜ in.). Signed lower right: FRANZ STUCK. On the decorative frame a label of the Galerie Arnold, Dresden.
Voss 38/45.–
[3044]
Provenienz: Adolf Rothermundt, Dresden (1924) / private collection, northern Germany
Ausstellung: Große Berliner Kunst-Ausstellung. Berlin, Landes-Ausstellungsgebäude, 1893, cat. no. 1503
Literatur und Abbildung: Otto Julius Biermann: Franz Stuck. Über hundert Reproductionen nach Gemälden und plastischen Werken, Handzeichnungen und Studien. Munich, Münchener Kunst- und Verlags-Anstalt E. Albert, 1893, p. 63, ill. pl. 31 / Gustav Fritsch: Unsere Körperform im Lichte der modernen Kunst. Berlin, Habel, 1893, p. 25 f. / Anna Spier: Franz Stuck. In: Westermanns Illustrierte deutsche Monatshefte, vol. 76, 1894, p. 559 / Franz Hermann Meissner: Franz Stuck. Berlin and Leipzig, Schuster & Loeffler, 1899 (Das Künstlerbuch, vol. III), p. 67 / Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. 4 volumes. Third, unchanged reprinting, Hofheim am Taunus, H. Schmidt & C. Günther, 1979 (initially Fr. v. Boetticher's Verlag, Dresden 1891–1901), here second volume (second half), p. 859, no. 28 / Fritz von Ostini (foreword): Franz von Stuck. Das Gesamtwerk. Munich 1909, p. 47 / Fritz von Ostini (introduction): Franz von Stuck. Acht farbige Wiedergaben seiner Werke. Leipzig, E. A. Seemann, no year (1920), p. 7 / Otto Julius Bierbaum: Franz von Stuck. Bielefeld and Leipzig, Velhagen & Klasing, 4th edition. 1924 (=Künstler-Monographien, vol. XLII), p. 57, ill. 35, p. 32 / Ulrich Thieme and Felix Becker (eds): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 volumes. Leipzig, Verlag E. A. Seemann, 1907–1950, here volume XXXII (1938), p. 232
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