Lot no. 61
Fred Thieler (1916 Königsberg – 1999 Berlin )
„Take five“. 1962
Mischtechnik auf Leinwand. 190 × 260 cm ( 74 ¾ × 102 ⅜ in.). Am rechten Rand unterhalb der Mitte signiert und datiert: F Thieler 62.
Melchior 6/98.–
[3434]
Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Fred Thieler. Die Bilder der letzten Jahre. Hagen, Karl Ernst Osthaus-Museum, 1963, Kat.-Nr. 16 / Professor Fred Thieler, Berlin. Ölgemälde, Collagen, Graphiken. Witten, Märkisches Museum, 1965 / Kat.-Nr. 16 / Fred Thieler. Bilder, Grafik. Bonn, Galerie Marianne Henneman, 1976 / Fred Thieler. Witten, Märkisches Museum, 1979, ohne Nr., Abb. / Große Kunstausstellung München 1993. München, Haus der Kunst, 1993, Kat.-Nr. 20 / „abstrakt“. Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Deutscher Künstlerbund im Albertinum, 1993, ohne Nr., Abb. S. 86
Literatur und Abbildung: Manfred de la Motte (Hrsg.): Fred Thieler 2. Galerie Marianne Hennemann [=Katalogreihe Nr. 24], Bonn 1980, Abb. S. 65
„Take Five“ – diesem eingängigen Jazz-Stück von Paul Desmond und seiner Band, das 1959 veröffentlicht wurde und schon bald zum absoluten Evergreen avancierte, konnte man in den frühen 1960er Jahren nicht entgehen. Paul Desmond komponierte das Stück im 5/4-Takt, wohl einem der herausforderndsten Rhythmen der Musik überhaupt – sowohl für den Performer als auch für das Publikum. In dem Bewußtsein, wie leicht der Zuhörer sich in dem Fünfer-Rhythmus verlieren kann, spielte der Pianist Dave Brubeck eine durchgehend konstante Grundfigur, während sich Drummer und Saxophonist von der Strenge des Taktes lösten und überraschende und komplexe Gegenmuster entwickelten. Jedes Instrument behielt seine eigene klare Stimme und spielte doch sehr harmonisch mit den anderen zusammen.
So herausfordernd wie dieser Song ist auch das gleichnamige Bild Fred Thielers aus dem Jahre 1962. Es ist der Inbegriff der „peinture pure“, der absolut gegenstandslosen Malerei, in der die reine Farbe die Hauptrolle spielt. Rot, Schwarz und Weiß kontrastieren stark und greifen dennoch ineinander – so wie Klavier, Saxophon, Drums und Baß in Desmonds Musikstück. Es entsteht eine Explosion der Farben, wie sie bei anderen deutschen Malern dieser Zeit nur selten zu sehen ist.
Fred Thieler hatte die Jahre von 1951 bis 1953 in Paris verbracht und war dort wichtigen Vertretern der École de Paris wie Pierre Soulages, Serge Poliakoff und Hans Hartung begegnet. Zugleich wurden in der jungen Bundesrepublik in großen Wanderausstellungen bedeutende Werke des amerikanischen Abstrakten Expressionismus gezeigt. Thieler sah die „Drip Paintings“ von Jackon Pollock, die ihm neue Impulse für seine Bilderfindungen gaben: Er stellte seine Leinwand nicht senkrecht auf die Staffelei, sondern legte sie auf die Erde und bearbeitete sie in der Waagerechten – so entstanden Farbentfaltungen von zeitloser Präsenz. NB
Fred Thieler (1916 Kaliningrad – 1999 Berlin )
„Take five“. 1962
Mixed media on canvas. 190 × 260 cm ( 74 ¾ × 102 ⅜ in.). Signed and dated in the right margin below the centre: F Thieler 62.
Melchior 6/98.–
[3434]
Provenienz: Private collection, northern Germany
Ausstellung: Fred Thieler. Die Bilder der letzten Jahre. Hagen, Karl Ernst Osthaus-Museum, 1963, cat. no. 16 / Professor Fred Thieler, Berlin. Ölgemälde, Collagen, Graphiken. Witten, Märkisches Museum, 1965 / cat. no. 16 / Fred Thieler. Bilder, Grafik. Bonn, Galerie Marianne Henneman, 1976 / Fred Thieler. Witten, Märkisches Museum, 1979, no number, ill. / Große Kunstausstellung München 1993. Munich, Haus der Kunst, 1993, cat. no. 20 / „abstrakt“. Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Deutscher Künstlerbund im Albertinum, 1993, no number, ill. p. 86
Literatur und Abbildung: Manfred de la Motte (ed.): Fred Thieler 2. Galerie Marianne Hennemann [=catalogue series no. 24], Bonn 1980, ill. p. 65
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