Lot no. 352
Friedl Dicker-Brandeis und Franz Singer (Wien 1898 – 1944 Auschwitz / Wien 1896 – 1954 Berlin) „Der Kaufmann von Venedig – die Truppe“ – Plakat zur Aufführung im Lustspielhaus Berlin. 1923 Lithografie auf Papier – Hersteller: Nauck & Hartmann, Berlin. 68 × 93 cm ( 26 ¾ × 36 ⅝ in.). Restaurierungen. [3231] Provenienz: Privatsammlung, New York (bis 2011) / Galerie Ulrich Fiedler, Berlin / Privatsammlung, Berlin Ausstellung: Bauhaus 99. 99 Jahre Bauhaus, 99 Bauhausarbeiten. Berlin, Galerie Derda Berlin, 2018, Kat.-Nr. 14, S. 28f., Abb. S. 29 Literatur und Abbildung: Auktion 2246: Modernist Posters. New York, Swann Galleries, 5.5.2011, Kat.-Nr. 15 / Christian Maryška: Ein bisher unbekanntes Plakat von Friedl Dicker und Franz Singer? (www.austrianposters.at/2011/05/30/ein-bisher-unbekanntes-plakat-von-friedl-dicker-und-franz-singer), 30.5.2011 Die Wienerin Friedl Dicker und der ebenfalls aus Wien stammende Franz Singer gehören zu einer Gruppe von Bauhaus-Studierenden, die nach dem Besuch der privaten Kunstschule von Johannes Itten in Wien ihrem Lehrer ans neu gegründete Bauhaus nach Weimar folgten. Dort nahmen sie an Ittens legendärem Vorkurs teil, der später von László Moholy-Nagy bzw. Josef Albers fortgeführt wurde. Singer suchte gleichzeitig Anschluss an den von Theo van Doesburg in Weimar in seinen De Stijl-Kursen propagierten Konstruktivismus und vereinte so in seiner Person die widerstreitenden Strömungen, die für die Frühphase des Bauhauses charakteristisch waren, als die Kunstschule um ihre Ausrichtung rang. Noch als Friedl Dicker und Franz Singer am Bauhaus in Weimar studierten, kam es 1921 zu einer ersten engeren Zusammenarbeit mit dem seinerseits aus Wien stammenden, seit 1918 in Dresden, dann in Berlin tätigen Schriftsteller und Theaterregisseur Berthold Viertel. 1923 gründete Viertel nach dem Vorbild des Moskauer Künstlertheaters das Theaterensemble „Die Truppe“. Als Bühnenbildner waren hier Friedrich Kiesler und George Grosz sowie das Künstlerduo Dicker und Singer vom Bauhaus engagiert. In der Sammlung der Universität für angewandte Kunst in Wien haben sich Kostümentwürfe für den 1923 von Viertels Ensemble aufgeführten „Kaufmann von Venedig“ erhalten. Das von Friedl Dicker und Franz Singer für die Aufführung im privaten Berliner Lustspielhaus an der südlichen Friedrichstraße entworfene, bis vor Kurzem nicht bekannte Theaterplakat korrespondiert in seiner konstruktiven Bildsprache mit roten und schwarzen Elementen auffallend mit den zehn Tafeln, die 1921 am Weimarer Bauhaus als Auszug aus dem Almanach „Utopia“ in den „Analysen Alter Meister“ von Itten veröffentlicht worden waren. Friedl Dicker hatte mit ihren Entwürfen der zehn Tafeln maßgeblichen Anteil an der Entstehung dieser Ikone der Anfangsphase des Weimarer Bauhauses. Zur Zeit der Entstehung des Plakats, Mitte 1923, gründeten Dicker und Singer in Berlin-Friedenau in der Fehlerstraße 1, dort, wo sich kurz zuvor noch das Atelier Wilhelm Lehmbrucks befunden hatte, die Werkstätten Bildender Kunst. Aus Weimar hatten sie ihren Freund Umbo (Otto Umbehr) im Schlepptau, der die Werkstatt auch als Schlafstätte nutzte und so etwas wie das Faktotum des Kollektivs war. Umbo leistete dort wie schon zuvor in Weimar Handlangerdienste, bevor er später zum Weltfotografen avancierte. Auch über Umbo gab es dabei Bezüge zur Berliner Theaterwelt: Sein Lieblingsmotiv, die bildschöne Ruth Landshoff, Nichte des Verlegers Samuel Fischer, mag Umbo im Umfeld des Lustspielhauses kennengelernt haben. Sie war dort Schauspielerin, gehörte aber auch zum Ensemble von Max Reinhardt. TD Friedl Dicker-Brandeis and Franz Singer (Vienna 1898 – 1944 Auschwitz / Vienna 1896 – 1954 Berlin) „Der Kaufmann von Venedig – die Truppe“ – Poster for play at Lustspielhaus Berlin. 1923 Lithograph on paper – manufacturer: Nauck & Hartmann, Berlin. 68 × 93 cm ( 26 ¾ × 36 ⅝ in.). Repairs. [3231] Provenienz: Private Collection, New York (until 2011) / Galerie Ulrich Fiedler, Berlin / Private Collection, Berlin Ausstellung: Bauhaus 99. 99 Jahre Bauhaus, 99 Bauhausarbeiten. Berlin, Galerie Derda Berlin, 2018, cat. no. 14, p. 28f., ill. p. 29 Literatur und Abbildung: Auktion 2246: Modernist Posters. New York, Swann Galleries, 5.5.2011, cat. no. 15 / Christian Maryška: Ein bisher unbekanntes Plakat von Friedl Dicker und Franz Singer? (www.austrianposters.at/2011/05/30/ein-bisher-unbekanntes-plakat-von-friedl-dicker-und-franz-singer), 30.5.2011
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