Lot no. 327
Friedrich Vordemberge-Gildewart (Osnabrück 1899 – 1962 Ulm)
„COMPOSITION NO. 216“. 1961/62
Öl auf Leinwand. 50 x 60,5 cm ( 19 ⅝ x 23 ⅞ in.). Auf dem Keilrahmen stempelsigniert und mit Kugelschreiber in Rot betitelt und datiert: vordemberge gildewart K no 216 / 1961-62. Auf dem Rahmen rückseitig Etiketten der Ausstellungen Bottrop und Zürich, jeweils 1980 (s.u.), und der Galerie Annely Juda, London. Auf dem Keilrahmen Etiketten der Ausstellungen Mannheim 1970, Mailand 1972, Turin und Basel, jeweils 1973, Köln 1975 und Köln 1975/76 (s.u.).
Helms/Valstar-Verhoff K216.–
[3334]
Provenienz: Ilse Vordemberge-Leda, Rapperswil / Annely Juda Fine Arts, London
Ausstellung: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Rapperswil, Galerie 58, 1966 / Friedrich Vordemberge-Gildewart – Camille Graeser – Franz Danksin. Basel, Kunstverein in der Kunsthalle, 1967 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. St. Gallen, Galerie im Erker, 1970 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Mannheim, Kunsthalle, 1970, Kat.-Nr. 66, Abb. / Vordemberge-Gildewart. Collagen – Zeichnungen. Bremen, Kunsthalle, 1972 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Mailand, Galerie Milano, 1972 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Livorno, Galleria Peccolo, 1973 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Genua, Galleria Pourquoi pas?, 1973 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Turin, Galleria Martano Due, 1973 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Basel, Galerie Liatowitsch, 1973 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Bilder und Collagen. Werke 1924-1962. Zürich, Galerie Renée Ziegler, 1974/75 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Ulm, Ulmer Museum, 1975 / Vordemberge-Gildewart. Münster, Westfälisches Museum für Kunst und Kulturgeschichte, 1975 / die abstrakten hannover. buchheister-domela-jahns-nitzschke-schwitters-vordemberge-gildewart. Köln, Galerie Bargera, 1975, Kat.-Nr. 79 / Friedrich Vordemberge-Gildewart – Adolf Fleischmann. Köln, Galerie Reckermann, 1975/76 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Osnabrück, Kulturgeschichtliches Museum, 1979 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Bottrop, Quadrat Moderne Galerie und Hannover, Kunstmuseum mit Sammlung Sprengel, 1980, Kat.-Nr. 76 / Friedrich Vordemberge-Gildewart 1899-1962. Zürich, Galerie Schlégl, 1980 / Friedrich Vordemberge-Gildewart 1899-1962. Gemälde, Collagen, Werkskizzen, Bauplastik, Typographie. Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, 1985, Kat.-Nr. 65, ganzs. Farbabb. 113, S. 127 / Gottfried Honegger HOMO PICTOR G.H. Gottfried Honegger zum 70. Geburtstag. Stuttgart, Galerie Beatrix Wilhelm, 1987 / Die konkrete Zeit. Gegenstände eines Jahrhunderts. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1996 / Stiftung – ganz konkret 1988-1998. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1998/99 / Friedrich Vordemberge-Gildewart zum 100. Geburtstag. Ulm, Ulmer Museum, 1999/2000, Kat.-Nr. K 216, Abb. S. 64
Literatur und Abbildung: Hans L.C. Jaffé: Vordemberge-Gildewart. Mensch und Werk. Verlag M. DuMont Schauberg, Köln 1971, Abb. Nr. 221, S. 109
Friedrich Vordemberge-Gildewart, 1899 in Osnabrück geboren, hat mit nur 222 Werken ein überschaubares bildnerisches Œuvre hinterlassen. Dennoch sind seine zunächst als „Konstruktionen“ später als „Kompositionen“ bezeichneten Bildwerke in zahlreichen internationalen Sammlungen und Museen vertreten. Sein künstlerisches Schaffen umfaßt auch Typografie, Möbelbau, Architektur und Bühnengestaltung, wobei sich – wie auch bei anderen konkret-konstruktiven Pionieren jener Zeit wie El Lissitzky, Max Bill oder Anton Stankowski – zahlreiche Querverbindungen zwischen den Gebieten finden lassen. Nach einer Tischlerlehre studierte er ab 1919 an der Technischen Hochschule in Hannover Architektur, Bildhauerei und Malerei. Sein frühes Schaffen lässt sich an einer Schnittstelle von russisch geprägtem Konstruktivismus und der durch Theo van Doesburg angeführten holländischen De-Stijl-Bewegung verorten. Der Künstler ließ sich jedoch nie durch irgendwelche dogmatischen Prinzipien der verschiedenen Gruppierungen einschränken, sondern entwickelte seine Bildideen individuell oder in anderen Zusammenhängen – u.a. in Gruppen wie „Gruppe K“ bzw. die „abstrakten hannover“ und „abstraction création“ – stetig weiter.
Obwohl Vordemberge-Gildewart, dessen Werke während des NS-Regimes als „entartet“ verfemt waren, über die Schweiz nach Amsterdam emigrieren musste, bleibt sein Schaffen auch in diesen Jahren von einer optimistischen Lebenseinstellung durchdrungen. In seinen Arbeiten entfaltet sich nicht nur der klare, auf die reine, elementare Gestaltung fokussierte Geist, sondern auch eine poetische und utopische Weltsicht. Seine konkret-konstruktiven Gemälde sind daher „immer auch Orte der Imagination“ geblieben, an denen Sinnlichkeit und Illusion spürbar sind. Im Jahr 1954 folgte der Ruf an die Ulmer Hochschule für Gestaltung, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1962 den Studiengang Visuelle Kommunikation leitete. Entstanden in den ersten Ulmer Jahren nur sehr wenige Arbeiten, so fand Vordemberge-Gildewart erst in seinen letzten beiden Lebensjahren wieder zu einem aktiveren Kunstschaffen.
Die bereits in zahlreichen Museen ausgestellte „Composition Nr. 216“ wird durch ein Intervall von drei breiten, weißen Streifen bestimmt, das durch unregelmäßige farbige Streifen unterbrochen wird. In diesem Werk ist Vordemberge-Gildewart der Überwindung von „konkreter und abstrakter Kunst“ und der von ihm angestrebten „absoluten“ Malerei ganz nah: „der betrachter sieht gruppen und gruppierungen, die wechselseitig korrespondieren, nach einem klaren und neuen gesetz in funktion treten. das alles, innerhalb der fläche, die immer und immer wieder respektiert wird, zu einem asymmetrischen gleichgewicht zusammenfließend. er wird erleben, durch eine farbe festgehalten zu werden, quasi als ruheplatz, um nun so ,vorbereitet' und durch die richtung eines farbwertes geführt, den ganzen ablauf in all seinen feinheiten und seiner prägnanz erleben zu können. was der choreografie oft vorschwebt, das gelingt hier endlich. und es ist ein seltsames, dass ein problem, die ,zeit', das bisher ausschließlich der musik und dem tanz zugeschrieben wurde, nun auch innerhalb der ,fläche‘ glücklich und zur höchsten entfaltung entwickelt wird. wie die töne nur der ballast der melodischen linie sind, ihr bedeutungsvollster inhalt aber das unhörbare ist, so wird in den werken der absoluten kunst auf etwas hingewiesen, was über das rein optische hinausgeht.“ (Friedrich Vordemberge-Gildewart, in: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Retrospektive, Ausst.-Kat., Wiesbaden 1997, S. 280)
Friedrich Vordemberge-Gildewart (Osnabrück 1899 – 1962 Ulm)
„COMPOSITION NO. 216“. 1961/62
Oil on canvas. 50 x 60,5 cm ( 19 ⅝ x 23 ⅞ in.). On the stretcher with the stamped signature, and titled and dated in red ballpoint pen: vordemberge gildewart K no 216 / 1961-62. On the frame on the reverse labels of the exhibitions in Bottrop and Zurich, both 1980 (see below), and of Galerie Annely Juda, London. On the stretcher labels of the exhibitions in Mannheim 1970, Milan 1972, Torino and Basel, both 1973, Cologne 1975 and Cologne 1975/76 (see below).
Helms/Valstar-Verhoff K216.–
[3334]
Provenienz: Ilse Vordemberge-Leda, Rapperswil / Annely Juda Fine Arts, London
Ausstellung: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Rapperswil, Galerie 58, 1966 / Friedrich Vordemberge-Gildewart – Camille Graeser – Franz Danksin. Basel, Kunstverein in der Kunsthalle, 1967 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. St. Gallen, Galerie im Erker, 1970 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Mannheim, Kunsthalle, 1970, cat. no. 66, illl. / Vordemberge-Gildewart. Collagen – Zeichnungen. Bremen, Kunsthalle, 1972 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Mailand, Galerie Milano, 1972 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Livorno, Galleria Peccolo, 1973 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Genua, Galleria Pourquoi pas?, 1973 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Turin, Galleria Martano Due, 1973 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Basel, Galerie Liatowitsch, 1973 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Bilder und Collagen. Werke 1924-1962. Zürich, Galerie Renée Ziegler, 1974/75 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Ulm, Ulmer Museum, 1975 / Vordemberge-Gildewart. Münster, Westfälisches Museum für Kunst und Kulturgeschichte, 1975 / die abstrakten hannover. buchheister-domela-jahns-nitzschke-schwitters-vordemberge-gildewart. Köln, Galerie Bargera, 1975, cat. no. 79 / Friedrich Vordemberge-Gildewart – Adolf Fleischmann. Köln, Galerie Reckermann, 1975/76 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Osnabrück, Kulturgeschichtliches Museum, 1979 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Bottrop, Quadrat Moderne Galerie und Hannover, Kunstmuseum mit Sammlung Sprengel, 1980, cat. no. 76 / Friedrich Vordemberge-Gildewart 1899-1962. Zürich, Galerie Schlégl, 1980 / Friedrich Vordemberge-Gildewart 1899-1962. Gemälde, Collagen, Werkskizzen, Bauplastik, Typographie. Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, 1985, cat. no. 65, full-page colour ill. 113, p. 127 / Gottfried Honegger HOMO PICTOR G.H. Gottfried Honegger zum 70. Geburtstag. Stuttgart, Galerie Beatrix Wilhelm, 1987 / Die konkrete Zeit. Gegenstände eines Jahrhunderts. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1996 / Stiftung – ganz konkret 1988-1998. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1998/99 / Friedrich Vordemberge-Gildewart zum 100. Geburtstag. Ulm, Ulmer Museum, 1999/2000, cat. no. K 216, ill. p. 64
Literatur und Abbildung: Hans L.C. Jaffé: Vordemberge-Gildewart. Mensch und Werk. Verlag M. DuMont Schauberg, Cologne 1971, ill. no. 221, p. 109
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale