Lot no. 489
Fritz Behn (Klein Grabow 1878 – 1970) Schreitende Impala-Gazelle. Um 1932 Bronze mit grünlicher Patina. 131,5 × 182 × 46 cm ( 51 ¾ × 71 ⅝ × 18 ⅛ in.). Hinten rechts auf der Plinthe signiert: FRITZ BEHN. An der hinteren Schmalseite der Plinthe mit dem Gießerstempel: GUSS v. A. BRAND-STETTER MÜNCHEN. Guss vor 1945. Zwei restaurierte Fehlstellen, Witterungsspuren. [3504] Provenienz: Privatsammlung, Polen „Afrika ist vielleicht das Land der Bildhauer“, schwärmte Fritz Behn nach der Rückkehr von seinen Expeditionen durch Ostafrika. „Ich halte – nicht nur wirtschaftlich – auch vom rein künstlerischen Gesichtspunkt aus unsere Kolonien für eine ungeheure Fundgrube für die bildende Kunst, in gewisser Beziehung sogar für einen Jungbrunnen unserer Kunst.“ 1907/08 und 1909/10 hatte Behn zwei mehrmonatige Reisen durch die Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ (heute Tansania, Ruanda und Burundi) unternommen, die einen nachhaltigen Eindruck auf sein weiteres Schaffen als Bildhauer machten. „Die Er ndungskraft der Natur geht ins Phantastische!“, notiert er in seinem 1917 publizierten Buch „,Haizuru...`. Ein Bildhauer in Afrika.“ Darin berichtet er von den Tieren, die in freier Wildbahn leben und nicht wie in Europa hinter Gittern im Zoo. Von dem auf den Reisen erlegten Großwild fertigte er neben anatomischen Zeichnungen auch Gipsabgüsse an, die er mit nach Hause brachte und in seinem Münchner Ate- lier aufstellte. Zahlreiche Groß- und Kleinplastiken von Löwen, Leoparden, Antilopen, Büffeln, Nashörnern und Elefanten zeugen von seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit der Fauna Afrikas. In Afrika – und später in den Alpen – hoffte Behn auf die erlösende Rückkehr zum Ursprünglichen. Wie manch anderer zivilisationskritischer Künstler der frühen Moderne hegte Behn eine ausgesprochene Vorliebe für das Tier. Das Animalische ist ihm eine Referenz an das verlorene Para- dies, eine Metapher für unverfälschte Instinkthaftigkeit, wel- che er in Europa mit seiner dekadenten „Überzivilisation“ verloren glaubte. Die „Schreitende Impala-Gazelle“ dürfte unmittelbar nach der dritten großen Reise entstanden sein, die Behn zur Jahreswende 1931/32 nach Ostafrika führte. Körper, Hals und Kopf der Antilope bilden eine in den Raum vorstoßende Vertikale, getragen und bekrönt von den ligranen Läufen und Hörnern. Das Werk demonstriert das Bestreben des Künstlers, ein neues Ausdrucksreservoir zu entwickeln, hin zu einer formreduzierten und – durch Glättung der Ober ä- che – leicht abstrahierten Figürlichkeit. Es zeigt aber auch dessen künstlerisches Credo, an der Natur und ihrem Formen- repertoire festzuhalten. Die Tierwelt ist ihm nie nur ein be- liebiger Ausdrucksträger für Formenexperimente gewesen. Er meint stets das Wesenhafte der Kreatur, ohne seine Tier- porträts auf ein naturkundliches Phänomen reduzieren zu wollen. So ist der Gazelle die Anspannung anzumerken, muss sie doch als Beutetier stets auf der Hut vor Raubkatzen sein. Ein zweiter Guss der „Schreitenden Impala-Gazelle“ steht in Lübeck am Holstentorplatz. Fritz Behn gehört zu jener Riege von Bildhauern, die der autonomen Tierplastik zum Durchbruch verhalfen. Mit seinen aus dem Geist des Exotismus entstandenen Werken ist Behn zu den wichtigsten Animaliers des 20. Jahrhunderts zu zählen. Dr. Joachim Zeller Wir danken Dr. Joachim Zeller, Berlin, für freundliche Hinweise. Fritz Behn (Klein Grabow 1878 – 1970) Schreitende Impala-Gazelle. Circa 1932 Bronze with greenish patina. 131,5 × 182 × 46 cm ( 51 ¾ × 71 ⅝ × 18 ⅛ in.). Signed on the back of the plinth on the right: FRITZ BEHN. On the rear short side of the plinth with the foundry mark: GUSS v. A. BRAND-STETTER Munich. Cast before 1945. Two repaired losses, traces of weathering. [3504] Provenienz: Private collection, Poland We would like to thank Dr. Joachim Zeller, Berlin, for kindly providing additional information.
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Sculpture and bronzes
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Art Moderne
10719 Berlin - Germany
12/01/2017
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