Lot no. 179
Fritz von Uhde (Wolkenburg 1848 – 1911 München) Holländische Nähstube. 1882 Öl auf Leinwand. Doubliert. 101,5 × 136,5 cm ( 40 × 53 ¾ in.). Oben rechts signiert: F Uhde. [3244] Provenienz: Privatsammlung, England (1886) / L. Christ Delmonico, New York (1893) / Museum of Fine Arts, Saint Louis (erworben 1894, wohl bis 1982) / Privatsammlung, Deutschland Ausstellung: Catalogue illustré du Salon. Quatrième année. Paris, Salon, 1882, Kat.-Nr. 2557 (betitelt „Les couturières“) / Katalog der [...] Kunstausstellung. Dresden, Königliche Akademie der bildenden Künste, 1889, 6. Auflage, Kat.-Nr. 372 (betitelt „Näherinnen“) / Catalogue. Loan Exhibition. New York, Fine Arts Society Building, 1893, S. 49 (Paintings. Modern Masters), Kat.-Nr. 127 (betitelt „Sewing-Bee in Holland“) / Loan Collection. Foreign Masterpieces owned in the United States. Chicago, World's Columbian Exposition, 1893, Kat.-Nr. 119 / Official catalogue. Part X. Art Galleries and Annexes. Department K. Fine Arts, Painting, Sculpture, Architecture, Decoration. Chicago, World's Columbian Exposition, 1893, Kat.-Nr. 2985 / Eleventh Annual Exhibition. Catalogue of the Art Department, Illustrated. Saint Louis, Saint Louis Exposition and Music Hall Association, 1894, Kat.-Nr. 467, Abb. S. 20 / Official Catalogue of Exhibitors. St. Louis, Universal Exposition, 1904, S. 70, Nr. 18 Literatur und Abbildung: F(ranz) Reber: Fritz von Uhde. In: Die Kunst für Alle, Jg. 1, 1885/86, H. 16, 15.5.1886, S. 219-223, hier S. 220 / Amedée Pigeon: Le mouvement des arts en Allemagne. In: Gazette des Beaux-Arts, Bd. 37, 1888, S. 251-259, hier S. 258 / N. N.: Die akademische Ausstellung zu Dresden. In: Die Kunst für Alle, Jg. 5, 1889/90, H. 2, 15.10.1889, S. 26-28, hier S. 26 / Otto Julius Bierbaum: Fritz von Uhde. München, E. Albert & Co., 1893, S. 35 u. 74 / P. Hann: New-Yorker Kunstbericht. In: Die Kunst für Alle, Jg., 1892/93, H. 17, 1.6.1893, S. 260-262, hier S. 262 / Richard Muther: Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert. 3 Bände. München, G. Hirth's Kunstverlag, 1893/94, hier Bd. 3, S. 637 / Brockhaus Konversationslexikon. Leipzig/Berlin/Wien, F. A. Brockhaus, 14. Auflage 1894-1896, hier Bd.16, S. 40 (unter „Uhde“) / Antoine de La Mazelière: La peinture allemande au XIXe siècle. Paris, Plon-Nourrit et Cie., 1900, S. 329 / Franz Hermann Meissner: Fritz von Uhde. Berlin/Leipzig, Schuster & Löffler, 3. Aufl. 1900, S. 41-42, Abb. S. 21 / Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. 4 Bände. Dritter, unveränderter Nachdruck, Hofheim am Taunus, H. Schmidt & C. Günther, 1979 (zuerst Fr. v. Boetticher's Verlag, Dresden 1891–1901), hier 2. Band (Zweite Hälfte), S. 907, Nr. 8 / Fritz von Ostini: Uhde. Bielefeld/Leipzig, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902 (= Künstler-Monographien, hrsg. v. H. Knackfuß, Bd. LXI), S. 25-26 / Official Illustrations of Selected Works in the Various National Sections of the Department of Art. St. Louis, Universal Exposition, Art Palace, 1904, doppelseitige Abb. vor S. 31 / Anton Springer u. Max Osborn: Handbuch der Kunstgeschichte. V. Das 19. Jahrhundert. Leipzig, Verlag von E. A. Seemann, 3. Aufl. 1906, S. 321 (Abb. von Uhdes Federzeichnung seines Gemäldes) / Hans Rosenhagen (Hg.): Uhde, des Meisters Gemälde in 285 Abbildungen. Stuttgart und Leipzig, Deutsche Verlags-Anstalt, 1908 (= Klassiker der Kunst, Zwölfter Band), Abb. S. 35 / Philip Skrainka: St. Louis: Its History and Ideals. St. Louis 1910, S. 90 u. 98 / Richard Hamann: Die deutsche Malerei im 19. Jahrhundert. Leipzig u. Berlin, Verlag von B. G. Teubner, 1914, S. 322 / Catalogue of Paintings. Saint Louis, City Art Museum, 1915, S. XI, Abb. S. 172, S. 195, Nr. U I, u. S. 228 / Wilhelm Waetzoldt: Deutsche Malerei seit 1870. Leipzig, Verlag von Quelle & Meyer, 1918, S. 9 / Richard Hamann: Die deutsche Malerei vom Rokoko bis zum Expressionismus. Leipzig u. Berlin, Verlag von B. G. Teubner, 1925, S. 415 / Ulrich Thieme und Felix Becker (Hrsg): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 Bde. Leipzig, Verlag E. A. Seemann, 1907–1950, hier Bd. 33, 1939, S. 546 / Anne Mochon: Fritz von Uhde and plein-air painting in Munich, 1880–1900. New Haven, Yale University, Phil. Diss., 1973, S. 57 / Ludger Alscher u.a. (Hg.): Lexikon der Kunst. 5 Bde. Leipzig, VEB E. A. Seemann, 1968-1978, hier Bd. V, 1978, S. 298 / Versteigerungskatalog. Detroit, DuMouchelles, 21.5.1982, Kat.-Nr. 1 / Bettina Brand: Fritz von Uhde. Das religiöse Werk zwischen künstlerischer Intention und Öffentlichkeit. Heidelberg 1983 (= Heidelberg, Univ., Phil. Diss., 1978), S. 6, 29 u. S. 232, Anm. 60 / Albert Peter Bräuer: Fritz von Uhde. Dresden, VEB Verlag der Kunst, 1985, S. 7 / Ausst.-Kat.: Fritz von Uhde. Vom Realismus zum Impressionismus. Bremen, Kunsthalle; Leipzig, Museum der bildenden Künste, und München, Neue Pinakothek, 1998/99, S. 78, unter Kat.-Nr. 8 erwähnt und abgebildet (nicht ausgestellt), u. S. 192 / E. Bénézit u.a.: Dictionary of Artists. 14 Bde. Paris, Editions Gründ, 2006, hier Bd. 13, S. 1330 Fritz von Uhdes Näherinnen und die Suche nach Spiritualität im Alltäglichen Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, in Zeiten der aufblühenden Industrie, wurden in Europa Stimmen gegen die Macht der Maschine und die serielle Massenproduktion laut. Die damit einhergehende Rückbesinnung auf die Qualitäten des Handwerks spiegelte sich auch in der Motivwahl vieler Gemälde. Insbesondere das Motiv der Näherin fand vor diesem Hintergrund Verbreitung. Künstler wie Vincent van Gogh, Édouard Vuillard, Max Liebermann und eben Fritz von Uhde widmeten sich diesem beliebten Sujet. Zeitgleich hatte die Genremalerei, die im 17. Jahrhundert in den Niederlanden ihre erste Blüte erlebte, ein Revival. So erlangten die Inszenierung des Alltags sowie die Bedeutung von Textilien und Licht mit den Freilichtmalern im 19. Jahrhundert eine erhöhte Aufmerksamkeit und neue Erscheinungsform. In dem Gemälde „Holländische Nähstube“ aus dem Jahr 1882 von Fritz von Uhde verschmelzen ein Genre und ein Interieur mit dem Motiv der Näherin. In stille Arbeit versunken, sitzen im Vordergrund des Ölgemäldes vier Frauen, die nähen, um einen Tisch in einer lichtdurchfluteten Stube. Eine blickt von der Arbeit auf und wendet sich einer stehenden Frau zu, die vom linken Bildrand angeschnitten ist. Rechts im Bild öffnet sich der Blick auf ein Nebenzimmer, in dem eine weitere Näherin – umgeben von weißen Textilien – am Tisch sitzt. Das Auge des Betrachters ertastet die einzelnen Elemente des Bildes: die Figuren, den Krug auf dem Wandschrank mit seinen Lichtreflexen, den Vogelkäfig, die Blumenarrangements, die Katze, die Schuhe und die weißen Stoffmassen. Die Komposition wirkt wie ein Stillleben, in dem jedes Element seinen Platz hat und doch in der Gesamtheit zu verschwinden scheint. So wie sich auch das Individuum in der Gemeinschaft der kollektiven Arbeit verliert. Wer näht, schafft etwas Neues oder repariert etwas Altes, in diesem Sinne kann Nähen auch sinnbildlich für ein Streben nach Ganzheit und Heilung gesehen werden. Das Bild von Uhde zielt zudem auf koloristische Werte. Das durch das Fenster scheinende Sonnenlicht erleuchtet nicht nur den Innenraum und wirft Lichtstreifen an die Wand, sondern lässt auch die weißen, durch den Raum verteilten Wäschestücke hell aufschimmern. Das Fenster gewährt zudem einen Blick in die Natur und verbindet somit die Außen- mit der Innenwelt. Uhde, der heute für seine Szenen des „gewöhnlichen“ Lebens, religiöse Themen und Kinderporträts bekannt ist, kam über Umwege zur Malerei. Nach einem ersten Lehrjahr an der Akademie in Dresden schlug er eine zehnjährige Offizierslaufbahn beim Mi
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