Lot no. 52
Fritz Winter (Altenbögge 1905 – 1976 Herrsching/Ammersee)
„Komposition 38 (Grün)“. 1938
Öl und Sand auf Leinwand. 100 × 140 cm ( 39 ⅜ × 55 ⅛ in.). Unten rechts monogrammiert und datiert: F.W. 38.
Lohberg 742.–
[3645]
Provenienz: Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (aus dem Nachlass des Künstlers erworben)
Fritz Winter ist ein eminenter Vertreter der deutschen Abstraktion nach 1945. Seine künstlerische Biografie begann aber nicht erst mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In den späten 1920er-Jahren nahm Winter ein Studium am Bauhaus in Dessau auf, absolvierte die Grundlehre bei Klee und besuchte die Klassen Kandinsky, Albers und Schlemmer. 1930 lernte er den Konstruktivisten Naum Gabo kennen und arbeitete für drei Monate in dessen Atelier in Berlin.
Das Gemälde „Komposition 38 (Grün)“ von 1938 gehört zum Frühwerk Winters, in dem er die Anregungen und Einflüsse seiner berühmten Lehrer auf eigenständige Weise fortführt. In seiner Abhandlung „Über das Geistige in der Kunst“ schrieb Kandinsky 1911 unter Punkt fünf über die Wirkung der Farbe: „Bei einer höheren Entwicklung des Menschen [...] bekommen Gegenstände und Wesen inneren Wert und schließlich inneren Klang.“ Etwas weiter unten schildert er die Empfindung einzelner Farbtöne: „Zinnoberrot zieht an und reizt, wie die Flamme, die vom Menschen immer begierig angesehen wird. Das grelle Zitronengelb tut dem Auge nach längerer Zeit weh, wie dem Ohr eine hochklingende Trompete“ (zit. nach: Harrison/Wood (Hg.): Kunsttheorie im 20. Jahrhundert, Ostfildern-Ruit 1998, S. 117).
Mit Sicherheit kannte Winter diesen Text. Mit seiner „Komposition 38 (Grün)“ fand er einen kongenialen Ausdruck dessen, was Kandinsky formulierte. In einem hochdifferenzierten Farbraum dominiert eine Abfolge von diagonalen Bewegungen das Bild. Diese Diagonalen hat Winter in einer Mischung aus Grau, Braun und Schwarz gemalt. Sie ergeben aufeinander zulaufende, manchmal leicht gebogene, aufstrebende Formen, in denen man einen Nachhall von Vorbildern aus der Natur erkennen kann – von Bergen, Wäldern oder den Linien einer Gebirgslandschaft. Der große Reiz dieses Gemäldes liegt jedoch darin, dass sich dies vielleicht auch ganz anders verhält. Dann wären die Diagonalen in ihrer Expressivität nichts anderes als Abbilder einer Dynamik als solcher. Ebenso reich an Möglichkeiten der Interpretation ist die farbliche Organisation von „Komposition 38 (Grün)“. Sie reicht von hellgrauen über blaue und blaugrüne Zonen bis zu Höhungen in Weiß, einem glimmenden, venezianischen Rot und Gelb. Auch dies sind Farben der Natur – Fritz Winter hat daraus beim Malen ihren Klang, ihre Seele destilliert.
UC
Fritz Winter (Altenbögge 1905 – 1976 Herrsching, Ammersee)
„Komposition 38 (Grün)“. 1938
Oil and sand on canvas. 100 × 140 cm ( 39 ⅜ × 55 ⅛ in.). Monogrammed and dated lower right: F.W. 38.
Lohberg 742.–
[3645]
Provenienz: Private collection, North Rhine-Westphalia (acquired from the estate of the artist)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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