Lot no. 269
Gabriel von Max (Prag 1840 – 1915 München)
„SCHLAFEN GEHN!“. Nach 1900
Öl auf Leinwand. 57 x 43 cm ( 22 ½ x 16 ⅞ in.). Unten rechts signiert : G v Max. Oben links (nachträglich) betitelt: Schlafen gehn!.
[3054]
Provenienz: Privatsammlung, New York / Privatsammlung, Bayern (1977 erworben, seitdem in Familienbesitz)
Literatur und Abbildung: Sale 3939: 19th Century European Paintings. New York, Sotheby Parke Bernet, 14.1.1977, Kat.-Nr. 89, m. Abbildung
Ausgesprochen intim wirkt dieses Gemälde einer jungen Frau, die verträumt ins Leere blickt. Über ihr Nachthemd hat sie lediglich ein blaues Fransentuch gelegt, ihr Haarknoten hat sich gelöst, der Lippenstift ist verschmiert. Behutsam hält sie ihren Schützling im Arm, der sich an ihre Brust klammert, ein kleines Äffchen, das ebenfalls in die Ferne starrt. Neben dem Tier erscheint die Dame blass, fast geisterhaft; grau-grüne Schatten bedecken ihre Haut. Langsam wird dem Betrachter bewußt, daß die rechte Hand der jungen Frau viel zierlicher ist, als die Linke, daß die langen Finger und Fingernägel mehr denen des Affen ähneln, es eine Affenhand ist, die auf den feinen Härchen des Affenfelles ruht. Der dunkle, unruhige Hintergrund untermalt das Aufkommen einer unheimlichen Stimmung, die den ersten, süßlichen Eindruck verzerrt. Anrührende, oft idealisierte Darstellungen zum Thema Mutterliebe waren im späten neunzehnten Jahrhundert äußerst beliebt. Auch Gabriel von Max schätzte die damit verbundene Möglichkeit, Seelenzustände auszudrücken. Schon früh hatte er begonnen, ein Interesse für Psychologie und Anthropologie zu entwickeln; ihn selbst hatten nach dem Tod des Vaters Geistererscheinungen und Suizidgedanken gequält. Später erforschte er als Ehrenmitglied der Münchner Gesellschaft für wissenschaftliche Psychologie wissenschaftliche Grundlagen der Geisterbeschwörung.
Nach dem Studium an der Prager Akademie hatte sich Gabriel von Max mit einem Stipendium in Wien aufgehalten, der Stadt, die im Begriff war, zu einer der wichtigsten Metropolen der Avantgarde aufzusteigen. Hier verbrachte er mehr Zeit mit anatomischen Studien im Krankenhaus und der Pathologie als an der Kunstakademie. Er begann bereits in den 1860er Jahren, eine wissenschaftlichen Sammlung aufzubauen, die zum Zeitpunkt seines Todes über 60.000 Objekte umfaßte und die er durch seine Malerei finanzierte. Von Max setzte sich intensiv mit Charles Darwin und dessen Lehre vom Ursprung des Menschen auseinander. Bis zum Zeitpunkt seiner ersten Ehe 1873 mit Emma Kitzing, der Mutter seiner drei Kinder, hielt sich der Künstler zeitweise bis zu 14 Affen, danach beschränkte er sich auf weniger Tiere, die ab den 1870er Jahren zu seinen bevorzugten und legendären Motiven wurden. Sein erstes Affenpärchen taufte er Adam und Eva. Genauestens dokumentierte er Aussehen und Verhaltensweisen seiner Affen. Wenn sie starben, rasierte, sezierte, fotografierte und zeichnete er sie. Die Affen in von Max’ Bildern verkörpern somit seine Hinwendung zu wissenschaftlichen Interessen; sie sind akademische Studienobjekte und geliebte Haustiere, die man traditionell mit dem Herrchen porträtierte, zugleich. In Werken wie dem berühmten Affen als Kunstrichter der Neuen Pinakothek in München stellt er Affen dar, als seien sie Menschen, gar Kunstrichter. Er bezieht sich auf eine seit der Antike bestehende Tradition der Affendarstellung, deren satirischer Charakter im neunzehnten Jahrhundert besondere Ausprägung fand. Dem Mädchenportrait mit Affen jedoch fehlt jeder humorvolle Anklang, vielmehr strahlt es eine seltsame Form der Erotik aus. (MZ)
Gabriel von Max (Prague 1840 – 1915 Munich)
„SCHLAFEN GEHN!“. After 1900
Oil on canvas. 57 x 43 cm ( 22 ½ x 16 ⅞ in.). Signed lower right: G v Max. Titled upper left (at a later date): Schlafen gehn!.
[3054]
Provenienz: Private collection, New York / private collection, Bavaria (acquired 1977, thence by descent to the present owner)
Literatur und Abbildung: Sale 3939: 19th Century European Paintings. New York, Sotheby Parke Bernet, 14.1.1977, cat. no. 89, ill.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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