Lot no. 19
Georg Kolbe (1877 Waldheim/Sachsen – 1947 Berlin)
„Badende“. 1921
Bronze mit dunkelbrauner Patina. Höhe: 71 cm ( 28 in.). Rückseitig auf dem Sockel rechts neben dem rechten Fuß monogrammiert (ligiert): GK. Darunter der Gießerstempel: H.NOACK BERLIN FRIEDENAU.
Vgl. Berger 40.–
Einer von 3 oder 4 Güssen zu Lebzeiten des Künstlers (Modell nicht erhalten). [3376]
Provenienz: Privatsammlung
Um 1910 stellte ein Kritiker mit Bewunderung fest, daß es in der Plastik ja wieder das Motiv des ruhig stehenden Menschen mit herabhängenden Armen gebe. Zuvor waren die Allegorien und Personifikationen damit beschäftigt, Attribute in ihren Händen zu halten und zu präsentieren. Diese Besinnung auf den – meist nackten – Menschen, war für die Zeitgenossen Georg Kolbes das größte Verdienst der gegenwärtigen Plastik. Es ging einher mit einer Tendenz zur Abstraktion, die dem heutigen Betrachter geringfügig erscheint, damals aber ein bedeutender Schritt weg vom Naturalismus gewesen war.
Doch Kolbe ging noch einen Schritt weiter. In Ablehnung akademischer Traditionen wollte er nicht die über-lieferten Schemata und Haltungsposen bedienen. Einen Impuls für neue Ausdrucksformen gab ihm immer wieder der Tanz. Sergei Diaghilevs „Ballets Russes“ gaben 1912 ein Gastspiel in Berlin. Die Anregungen hieraus gipfelten in
Kolbes berühmter „Tänzerin“ und dem „Tänzer“, einem Portrait des Ballets-Russes-Stars Vaslav Nijinsky. Weit ausgreifende Bewegungen und pulsierende Energie kennzeichnen diese Arbeiten. In den 1920er Jahren waren die expressiven Gesten einer Charlotte Bara oder Gret Palucca Vorbild für neue Werke. In dieses Umfeld ist auch unsere Arbeit eingebettet.
Entstanden 1921, ist die Formensprache kubisch stilisiert. Klare Volumen werden aneinandergesetzt, die Übergänge der Einzelformen sind deutlich erkennbar. Die
Haltung der Figur ist ungewöhnlich komplex: Kniend auf einem Bein, wird das andere nach außen gedreht, aber unter das andere Knie geführt. Während der rechte Arm hinter den Kopf gelegt ist, ruht der andere Arm auf dem linken Bein. Beide Hände sind nach außen abgewinkelt und die Handflächen geöffnet. Ein Tuch, das vom erhobenen Arm herabfließt und locker über das linke Bein gelegt wird, beruhigt die auseinanderstrebenden Körperachsen. Trotz der expressiven Gestik zeugt der gesenkte Kopf von innerer Spannung. Es scheint, als erschauerte die Frau beim Eintauchen des Fußes in das Wasser. Unter der bronzenen Haut strömen Energien durch den Körper. OH
Georg Kolbe (1877 Waldheim, Saxony – 1947 Berlin)
„Badende“. 1921
Bronze with dark brown patina. Height: 71 cm ( 28 in.). Monogrammed (joined) on the reverse of the base, to the right near the right foot: GK. Below this the foundry mark: H.NOACK BERLIN FRIEDENAU.
See Berger 40.–
One of 3 or 4 casts made during the artist's lifetime (the model has not survived). [3376]
Provenienz: Private collection
Pictures credits: Contact organization
Sculpture and bronzes
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