Lot no. 48
Georges Rouault (1871 Paris – 1958 Paris)
„Nus décoratifs (Caryatides)“. 1929
Ölfarbe (mit Terpentin verdünnt), Gouache und Pastell auf Papier, fest auf Unterlagekarton montiert. 28,1 × 22,5 cm ( 11 ⅛ × 8 ⅞ in.). Unten in der Mitte mit Feder in Schwarz signiert und datiert: G Rouault 1929.
Rouault 1001. Mit einer zusätzlichen Bestätigung (in Kopie) der Tochter Isabelle Rouault, Paris.–
Einzelne kleine Farbverluste, etwas wellig. [3316]
Provenienz: Privatsammlung, Europa
Die fast skulpturale Tektonik des Bildaufbaus und eine Farbigkeit, die oft ins Düstere und dunkel Verwaschene reicht, sind immer wiederkehrende Stilmerkmale der Malerei von Georges Rouault. Das gilt auch für seine Gouache „Nus Décoratifs“ aus dem Jahr 1929. Sowohl die reizende, tänzerische Komposition, als auch die tatsächliche Ausführung, bei der der Künstler Teile des Blattes bewußt nicht vollendete, weisen alle Anzeichen der spontanen, rasch aufs Papier geworfenen Idee auf. Gleichzeitig strahlt das Werk die für Rouaults eindrucksvollste Arbeiten typische Schwere und existenzielle Bedeutsamkeit aus. Die beiden Figuren, die in ihrem grazilen Körperschwung an die ‚Schönen Madonnen‘ der Spätgotik erinnern, haben auf der einen Seite etwas bezauberndes jugendlich Verspieltes. Auf der anderen Seite könnten sie auch aus Stein gehauen sein, so massiv und dominant ist ihre Präsenz. Zu dem Eindruck trägt auch der wie glimmende, von innen heraus leuchtende Farbklang aus sattem Gelb und kräftigem Blau seinen Teil bei. In diesem Kontrast halten sich die dynamische Erscheinung der Körper und die abendliche Ruhe des Hintergrundes so lange die Waage, bis das eine das andere aufhebt und das Ganze in einen quasi spirituellen Schwebezustand versetzt.
In der französischen Kunst des 20. Jahrhunderts nimmt Georges Rouault eine Sonderstellung ein. Im Jahr 1903 zählte er neben Malern wie Paul Cézanne, Auguste Renoir, Édouard Vuillard und Odilon Redon zu den Mitbegründern der progressiven Société du Salon d'Automne. Eine Zeit lang gehörte er zum Kreis der Fauves um Henri Matisse und André Derain. Doch bald schon entwickelte er eine eigene, unverwechselbare Form des Expressionismus und widmete sich, selbst tief katholisch, auch verstärkt christlichen Thematiken. Während seiner letzten Jahre entstanden Gemälde, die zeitgenössische Kritiker dem damals aufkommenden Tachismus zuordneten. Bei den „Nus Décoratifs“ finden sich bereits Anklänge daran, gerade in Rouaults Behandlung der malerischen Oberflächen. (UC)
Georges Rouault (1871 Paris – 1958 Paris)
„Nus décoratifs (Caryatides)“. 1929
Oil paint (thinned with turpentine), gouache and pastel on paper, firmly mounted on support cardboard. 28,1 × 22,5 cm ( 11 ⅛ × 8 ⅞ in.). Signed and dated in pen and black ink in the lower centre: G Rouault 1929.
Rouault 1001. Accompanied by a supplementary confirmation (in copy) by the artist's daughter Isabelle Rouault, Paris.–
Isolated minor paint losses, somewhat undulating. [3316]
Provenienz: Private collection, Europe
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale