Lot no. 45
Gerhard Marcks (Berlin 1889 – 1981 Burgbrohl/Eifel)
„Mänade“. 1939
Bronze mit schwarzbrauner Patina, auf Steinsockel montiert. Höhe (mit Sockel): 49,5 cm ( 19 ½ in.).
Rudloff 366.–
Einer von 2 Güssen. [3100]
Provenienz: Privatsammlung, Süddeutschland (vom Künstler erworben, seitdem im Familienbesitz)
Die Zeit, die Gerhard Marcks am Bauhaus verbrachte, wurde ihm während des Nationalsozialismus zum Verhängnis, ebenso wie sein Eintreten für jüdische Dozenten und Künstlerkollegen. Seine Werke wurden aus Sammlungen entfernt und entweder verkauft oder eingeschmolzen, er selbst erhielt ein Ausstellungsverbot. Die expressionistischen Arbeiten des Künstlers galten als „entartet“, immer wieder wurde ihm angedroht, seinen Künstlerberuf gar nicht mehr ausüben zu dürfen. In dieser Zeit der Übergriffe und Bedrohungen hielt Marcks an seinem Streben nach Maß und Wahrhaftigkeit in der Darstellung des Menschen fest. Eine Griechenlandreise im Jahr 1928 hatte ihm und seinem Werk neue Wege eröffnet. Die archaische griechische Plastik wurde für ihn von nun an zum Bezugspunkt seiner Skulpturen. Es war die reduzierte Formensprache und Einfachheit, die ihn faszinierte – und die den heutigen Betrachter zum ruhigen Studium seiner Figuren anregt.
Und es gab auch in den schweren Jahren Sammler, die die Würde und Anmut der Plastiken von Gerhard Marcks schätzten, ihn unterstützten und ihm dadurch sein künstlerisches Überleben sicherten. Von der „Mänade“ existieren nur zwei Güsse, unserer wurde direkt vom Künstler erworben und befindet sich seitdem in Familienbesitz. Die Mänaden sind treue Begleiterinnen des Gottes Dionysos. Seine Umzüge, die Dionysien, in römischer Zeit Bacchanalien genannt, waren rauschhafte Feste. Unsere Mänade ist gerade im Begriff, erschöpft zu Boden zu sinken. Mit einer Hand hält sie sich den geneigten Kopf. Besonders kunstvoll ist Marcks auch die Verbindung von Bronze und Sockel gelungen die Figur sitzt an drei unterschiedlich hohen Stellen auf dem Granitblock auf. Dies unterstreicht die lastende Schwere ihres ermatteten Körpers noch. Marcks stellt die Mänade in ihrer momentanen Verletzlichkeit ganz ungeschützt nackt dar, so wie das bei den Zügen des Dionysos üblich war. Dennoch ist sein Blick auf das mythische Wesen nicht entblößend, im Gegenteil: Es offenbart sich darin eine anrührende Menschlichkeit. OH
Gerhard Marcks (Berlin 1889 – 1981 Burgbrohl/Eifel)
„Mänade“. 1939
Bronze with black-brown patina, mounted on stone base. Height (with base): 49,5 cm ( 19 ½ in.).
Rudloff 366.–
One of 2 casts. [3100]
Provenienz: Private collection, southern Germany (acquired from the artist, thence by descent)
Pictures credits: Contact organization
Sculpture and bronzes
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