Lot no. 986
Gerhard Richter (1932 Dresden – lebt in Köln) „Abdallah“ (917-48). 2010 Lack hinter Glas. Im Künstlerrahmen. 18,2 × 16,3 cm (31,2 × 31,2 cm) ( 7 ⅛ × 6 ⅜ in. (12 ¼ × 12 ¼ in.)). Auf der Rahmenrückseite mit Filzstift in Schwarz mit der Werknummer versehen, signiert und datiert: 917 - 48 Richter 2010. Richter 917-48.– [3340] Provenienz: Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen Seit Jahren führt Gerhard Richter die Liste der weltweit teuersten Künstler an. Mittlerweile ist er 83 Jahre alt, sein Œuvre umfaßt an die tausend Werke und wächst weiter, jeden Tag. Aufsehen erregte der Künstler schon früh, als er nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik an der Düsseldorfer Akademie den Kapitalistischen Realismus erfand, die einzige Antwort auf eine zwischen Informel und neuem Kunstbegriff changierende Szene. Immer wieder hat Richter im Laufe seines Schaffens die Stile gewechselt, neue Wege beschritten, etwa Zeitungsphotos gemalt und monochromen Bildern ungegenständliche, vielfarbige Riesenformate gegenübergestellt. Neben traditionellen Landschaftsmotiven und Blumenstücken, gemalt nach selbst aufgenommenen Photos, stehen ‚Historienbilder’ wie die Serie zum 18. Oktober 1977 (WVZ 671), „September 2005“ (WVZ 891-5) oder die jüngst in Dresden ausgestellten Übermalungen von Aufnahmen aus Birkenau (WVZ 937–1-4). Vom Schrecken dieser historischen Schauplätze ist hier nichts zu sehen, sondern eine großartige Peinture in vielen Schichten, aufgetragen mit schwungvollem Gestus und vielfach nachbearbeitet, bannt den Blick. Im Atelier sind in der Regel mehrere Werke zur gleichen Zeit in Arbeit wie auch der Film „Gerhard Richter. Painter“ von 2011 gezeigt hat. Sie verändern sie sich durch fortwährende Überarbeitung, manchmal täglich, und oft verkehrt sich ihre Aussage ins Gegenteil. Der Anschein der Vollendung wird beim nächsten Manöver wieder ausgelöscht, nein, ersetzt durch ein neues Moment des Perfekten, das unter dem nächsten prüfenden Blick wieder modifiziert werden wird. Richters Lackbilder, oft in Serien mit märchenhaften Namen, markieren einen neuen Ansatz des Künstlers im Umgang mit Zufall und Kontrolle: Farben werden auf Plexiglasplatten gegossen. Der Einsatz des Rakels und die Bewegung der Platte bringen die Farben in Fluß und lassen sie sich mehr und mehr mischen. Irgendwann stoppt der Künstler diesen Prozeß und legt eine Glasplatte auf die Farben. Diese ‚fixiert’ den Moment der Bildwerdung – geheimnisvolle Farbstrukturen werden sichtbar. „Wie die Muster von Steinen oder anderen Naturphänomenen erscheinen die mäandrierenden Linien und blasenförmig sich ausbreitenden Formen nicht gemacht, sondern gegeben, also von absoluter Fremdheit; die Möglichkeiten ihrer Kombination sind unerschöpflich. Dazu kommt die Indirektheit der Erscheinung. Hinter der Glasfläche erhalten die Lacke eine unberührbare Objektivität, ähnlich der eines Fotoabzugs, der nicht die Taktilität einer Zeichnung oder eines Gemäldes besitzt; es gibt hier keine Tiefe, nur überpräsente, vermeintliche Nähe.“ (Dieter Schwarz: Glas Streifen Glas. Neue Werke von Gerhard Richter 2010 – 2013, In: Ausst.-Kat. Gerhard Richter: Streifen & Glas, Dresden Staatliche Kunstsammlungen Galerie Neue Meister, Kunstmuseum Winterthur, 2013/14, S. 32) EO Gerhard Richter (1932 Dresden – lives in Cologne) „Abdallah“ (917-48). 2010 Lacquer behind glass. In artist's frame. 18,2 × 16,3 cm (31,2 × 31,2 cm) ( 7 ⅛ × 6 ⅜ in. (12 ¼ × 12 ¼ in.)). Signed, dated and inscribed with the work number in black felt-tip pen on the reverse of the frame: 917 - 48 Richter 2010. Richter 917-48.– [3340] Provenienz: Private collection, North Rhine-Westphalia
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art Contemporain
10719 Berlin - Germany
11/27/2015
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0