Lot no. 717
Giacomo Caneva, um 1813 Padua – 1865/90 Rom Italienischer Vedutist, der sich später der Fotografie zuwandte. Der Maler ist einer der seltenen Künstlerpersönlichkeiten, die an der Wende zwischen Malerei und Fotografie im 19. Jahrhundert stehen. Zunächst an der Biblioteca dell‘Accademia di Belle Arti di Venezia ausgebildet, spezialisiert auf Perspektive und Ornamentenwurf, widmete er sich anschließend der Gattung der Landschaft sowie der Vedute. Als jüngerer Akademiekollege des Ippolito Caffi (1809-1866) strebte auch Caneva eine neuere modernere Auffassung der Architekurmalerei an, mehr oder weniger auch beeinflusst von Caffi. So standen seine früheren Werke durchaus noch in der Tradition eines Bernardo Bellotto (1721-1780), 1840 jedoch entschied er sich den bisher gegangenen Weg zu verlassen. Er zog nach Rom, um die archäologischen Stätten zu studieren, nicht zuletzt beeinflusst von den dort wirkenden unterschiedlichsten Künstlergruppen und Kultureinflüssen. Vor allem aber lernte er dort die damals gerade durch englische und französische Archäologen ausgegrabenen Städte kennen, die sogleich von verschiedenen Fotografengruppen dokumentiert wurden. Das berühmte Caffè Greco in der Via Condotti war schließlich der Zusammenkunftsort dieser frühen Fotografen, denen Caneva sich alsbald anschloss, als sich die Gruppe „Scuola Romana di Fotografia“ bezeichnete. Das Gründungsdatum 1848 war auch für Caneva ein Wendepunkt in seinem Schaffen. Von nun an hatte er einen völlig neuartigen, eben fotografischen Blick auf architektonischen Städten und Denkmäler. Sodann entstanden eine Reihe von meist kleinerformatigen Veduten, einige davon für den Architekten Giuseppe Jappelli (1783-1852) geschaffen, die sich heute in den Museen Civici sowie Eremitani in Padua befinden. So bediente er sich von nun an einer neuen Technik, der sogenannten Kalotypie, ein von William Henry Fox Talbot (1800-1877) erfundenes Aufnahmeverfahren der Fotografie. Das 1855 veröffentlichte Werk „Della fotografia, trattato pratico di Giacomo Caneva, pittore prospettico“ machte Caneva letztendlich berühmt. PIAZZA SAN MARCO IN VENEDIG MIT BASILIKA UND UHRTURM Öl auf Kupfer. 59,5 x 87 cm. Links unten signiert. Die Venedigvedute zeigt den Blick auf die Piazza San Marco gegen die Nordseite hin mit dem Uhrenturm, eingefasst durch die angrenzenden Bauten mit rundbogigem Galeriedurchgang. Rechts, vom Westlicht beleuchtet, die Fassade der Markuskirche, links die Loggetta des Architekten Jacopo Sansovino. Der Platz locker bestückt durch Figurenstaffage, meist in Gruppen zusammengestellt, darunter Männer im Gespräch, aus dem Dom heraustretende, lang gekleidete Damen oder auch eine Mutter mit Kind. Auffallend ist hier bereits die Vorliebe für eine exakte perspektivische Darstellung, die ganz dem realistischen, dem Blick des Fotografen gemäße Auffassung entspricht. Links unten im Bild die ebenso originelle, aber für den Maler typische figurale Signatur, in Form eines laufenden Hündchens, was im übertragenen Sinne dem Namen des Malers entspricht (Caneva = Cane va = ein gehender Hund). Provenienz: San Marco Casa d‘aste, Importanti dipinti e disegni di antichi maestri, Venedig Juli 2006. (1222161) (11) Giacomo Caneva, ca. 1813 Padua – 1865/90 Rome Italian veduta painter who also turned to photography later in his career. He trained initially at the Biblioteca dell‘Accademia di Belle Arti in Venice, specialised in perspective and ornament design and then concentrated on landscape and veduta painting. 1848 was a turning point for Caneva‘s œuvre. From then on, he had a completely new, photographic approach to the towns‘ architecture and monuments. PIAZZA SAN MARCO IN VENICE WITH BASILICA AND CLOCK TOWER Oil on copper. 59.5 x 87 cm. Signed lower left. Provenance: San Marco, Casa d‘aste, Importanti dipinti di antichi maestri, Venice July 2006.
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Old paintings
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Catalog
04/02/2020
Offered by Hampel Fine Art Auctions
0049-89-28804-0