Lot no. 353
Giambattista Tiepolo und Werkstatt (Venedig 1696 – 1770 Madrid) ERSTER BOZZETTO ZUM FRESKO „GROSSMUT DES SCIPIO“ FÜR DIE VILLA CORDELLINA IN MONTECCHIO MAGGIORE. 1743 Öl auf Leinwand, mit Baumwolle alt doubliert. 68 x 45 cm ( 26 ¾ x 17 ¾ in.). Auf zeitgenössischem Keilrahmen Wachssiegel mit Wappen und Freiherrenkrone (Wappen unleserlich). Einige Stellen der Malerei berieben. [3017] Provenienz: 1970er Jahre Flohmarkt, Teltow / Privatsammlung, Brandenburg Und wo blieb der Hund? – Heiter und in luftigem Strich und doch sorgsam in die Mitte komponiert, empfängt uns der kleine Scho.hund auf dem Gemälde, das im Sommer 1743 in der Werkstatt Giambattista Tiepolos entstand. Als Bozzetto, die erste Fassung für ein großes Fresko, sollte es Kompositions- und Farbstudie sein und schlußendlich den Auftraggeber überzeugen. Denn nicht nur für seinen Stadtpalast in Vicenza, sondern auch für seine Villa in Montecchio Maggiore hatte der Rechtsanwalt Carlo Cordellina den Jungstar der venezianischen Rokokomalerei mit Wandbildern beauftragt. Seiner Profession gemäß, bestimmte Cordellina zwei narrative Bildgegenstände, worin Staatsoberhäupter Milde gegenüber ausländischen Gefangenen walten lassen: zum einen „Alexander, der den besiegten Darius mit seiner Familie“ empfing, zum anderen die „Enthaltsamkeit des siegreichen Scipio“. Letzterer ließ ein ihm nach gewonnener Schlacht versprochenes M.dchen ziehen, denn er hatte gehört, daß es vermählt sei. Unser Hündchen wählte Tiepolo zum zentralen Zeugen dieser Erzählung, die er vor gewaltigem Torbogen und an den Thronstufen des Siegreichen in Szene setzte. Tiepolos Ölstudie dazu ist seit langem im Stockholmer Nationalmuseum zu sehen (siehe Abbildung); nun kommt unsere zweite, frühere Bozzetti Variante für die Cordellina-Fresken hinzu. In beiden Hochformaten derselben Größe bereitet der Meister die Szene vor, lößt den Torbogen jeweils tiefer oder weiter, die Treppen in Varianten und das gaffende Volk in differenzierenden Abstufungen erscheinen. Klar zeichnen sich aber die Bildaufteilung und Kompositionslinien der Freskoschöpfung ab, denn hier gab es beim routinierten Tiepolo keine Frage. Klares und in seinem Werk immer Wiederkehrendes, wie die Balluster der Architektur, wurden in unserem Gemälde auf rotem Grund einfach weggelassen oder summarisch angelegt. Wichtiger erschienen Drapierung der Stoffe, Blickbeziehung der Akteure und die Klärung der Palette. Teilweise pastos zeigt sich der offene und rasant-gekonnte Strich des Künstlers, wenngleich die für Tiepolo typischen umrißartigen Konturen und Lichtreflexe nur partiell in unserem Bild auftauchen. Dies läßt vermuten, da. der Meister das Bild mit Werkstattanteilen entstehen ließ. Vielleicht war unser Bozzetto eine Schülerlektion der Werkstatt, in der damals bereits Tiepolos Sohn Giovanni Domenico (1727-1804) arbeitete. In jedem Falle überzeugten die Skizzen und Bozzetti des Meisters den Auftraggeber. Im November 1743 waren die Fresken auf großen Wänden der Sala in der Cordellina-Villa angelegt und weitgehend vollendet. Unser Hündchen jedoch hatte es nicht auf dieses Fresko geschafft, leer blieb im Großformat der Platz, der auf den nun zwei bekannten Ölstudien heiterer Hingucker der pathetischen Szenerie war. (SK) Vergleichsbild (zweiter Bozzetto): „Großmut des Scipio“, 60 x 44 cm, Stockholm, Nationalmuseum, Inv.-Nr. NM191 (in: Filippo Pedrocco: Tiepolo, 2002 New York / Mailand, Kat.-Nr. 167)@ Wir danken für wertvolle Hinweise Dr. Andreas Schumacher, Bayerische Staatsgemäldesammlung, München. Giambattista Tiepolo and workshop (Venice 1696 – 1770 Madrid) FIRST SKETCH FOR THE FRESCO „THE CONTINENCE OF SCIPIO“ FOR THE VILLA CORDELLINA IN MONTECCHIO MAGGIORE. 1743 Oil on canvas, relined with cotton (historical). 68 x 45 cm ( 26 ¾ x 17 ¾ in.). On the contemporary stretcher a wax signet with coat of arms and Baron's crown (coat of arms illegible). Some areas of the painting with scuff marks. [3017] Provenienz: 1970s flea market, Teltow / private collection, Brandenburg Comparable image (second sketch): "The Continence of Scipio“, 60 x 44 cm, Stockholm, National Museum, inv. no. NM191 (in: Filippo Pedrocco: Tiepolo, 2002 New York / Milan, cat. no. 167). We would like to thank Dr. Andreas Schumacher, of the Bavarian Staatsgemäldesammlung, Munich, for the valuable information provided
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Drawings, watercolours and pastels
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Catalog
Orangerie. Objets Choisies
10719 Berlin - Germany
11/27/2014
Offered by Grisebach
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