Lot no. 702
Günter Fruhtrunk (1923 – München – 1982)
„Progressions. Jaune-Bleu-Noir“. 1963
Acryl und Tempera auf Spanplatte. 54 × 62 cm / 59 × 67 cm (inlusive Künstlerrahmen) ( 21 ¼ × 24 ⅜ in. / 23 ¼ × 26 ⅜ in. (inlusive Künstlerrahmen)). Rückseitig mit Richtungspfeil versehen, betitelt, datiert, bezeichnet und monogrammiert:„PROGRESSIONS. JAUNE-BLEU-NOIR“ 1963. 59/67=70. Ftk. Mit Etiketten der Galerien Denise René, Paris und Gimpel & Müller, Paris. Wendt 1963-01.
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Anfang der 60er-Jahre entwickelt Günter Fruhtrunk seinen eigenen Stil weiter, behutsam, konsequent und mit größter Beharrlichkeit. War sein Werk der 50er-Jahre noch dominiert von jenem Kampf mit dem „Taumel Nietzsches“, den Jean Arp bei ihm erkannte, und dem unbedingten Formwillen, so gewinnt Fruhtrunk in Werken wie in unserer „Progressions. Jaune-Bleu-Noir“ eine immer größere Kontrolle über sein abstraktes Formular. Es ist nicht das Schwarz, das er aus den organischen Formen der 50er-Jahre in eine straffe Lineatur überführt, auch findet er die schneidenden Diagonalstrukturen, die zu einer Hauptkonstante seines gesamten späteren Œuvres werden sollen.
Unser Bild verdichtet diesen Aufbruch. Es ist ohnehin so, dass die Kleinformate bei Fruhtrunk immer wie eine Essenz seines künstlerischen Programms wirken, als sei bei ihnen die existenzielle Spannung zwischen Leidenschaft und Kontrolle, zwischen Expression und Konstruktion durch die Verdichtung noch einmal aufgeladen. Das Gemälde lebt von dem scharfen optischen Widerstand zwischen dem Schwarz und dem Gelb, deren Ringen um die Hoheit. Es siegt, wie fast immer, das Schwarz, und das Gelb leuchtet dazwischen auf wie ein Echo einer fernen, anderen, besseren Welt. Alles bei Fruhtrunk entsteht aus dem Schwarz, diese Farbe ist das zentrale strukturierende Element seiner Kunst in all seinen Werkphasen. Fruhtrunk kann Schwarz als stumpfe Asche malen, die von verglühten Hoffnungen erzählt, aber auch als dunklen Lavastrom, der sich über seine Bilder ergießt und ein wenig aufblüht durch die schmalen bunten Streifen, die ihm Fruhtrunk an die Seite stellt. Es ist genau dieses zunächst kaum wahrnehmbare Blau neben dem Schwarz, das das ganze Bild in eine ungeheure Spannung versetzt. Er hat das Schwarz, das als Umrisslinie bei den deutschen Expressionisten und bei Beckmann Teil der Kunstgeschichte wurde, vollkommen verselbständigt. Das ist das, was Fruhtrunk selbst die „Immanenz aus Dunklem“ nennt.
Florian Illies
Günter Fruhtrunk (1923 – Munich – 1982)
„Progressions. Jaune-Bleu-Noir“. 1963
Acrylic and tempera on chipboard. 54 × 62 cm / 59 × 67 cm (inlusive artist's frame) ( 21 ¼ × 24 ⅜ in. / 23 ¼ × 26 ⅜ in. (inlusive artist's frame)). On the reverse with directional arrow, titled, dated, inscribed and monogrammed:„PROGRESSIONS. JAUNE-BLEU-NOIR“ 1963. 59/67=70. Ftk. With labels of the Galerien Denise René, Paris and Gimpel & Müller, Paris. Wendt 1963-01.
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Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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