Lot no. 44
Hann Trier (Düsseldorf-Kaiserswerth 1915 – 1999 Castiglione della Pescaia)
„NYMPHE ECHO“. 1964
Öl auf Leinwand. 195 x 129,5 cm ( 76 ¾ x 51 in.). Unten rechts signiert und datiert: hTrier 64. Rückseitig mit schwarzer Kreide signiert, datiert und betitelt: hTrier 1964 DIE NYMPHE ECHO. Auf dem Keilrahmen zwei Etiketten der Galerie Der Spiegel, Köln, sowie ein Etikett zur Ausstellung Kassel 1964 (s.u.).
Gerlach-Laxner 452.–
[3222]
Provenienz: Galerie Der Spiegel, Köln / Privatsammlung, Rheinland (seit Anfang der 1980er Jahre)
Ausstellung: III. documenta. Kassel, 1964, Bd. 1, S. 194, Kat.-Nr. Trier 4 / Hann Trier. Köln, Kunstverein, 1979, Kat.-Nr. 61
„Nymphe Echo“ ist ein Hauptwerk Hann Triers, nicht nur, weil es auf der legendären documenta von 1964 ausgestellt war, sondern vor allem, weil hier Dynamik auf so überzeugende Weise Form wird und Triers doppelhändige Malweise sich so souverän zu einer einheitlichen, kraftvollen Komposition verdichtet. Es ist, als schaue man von oben auf zwei Wellen, die in der Mitte des Bildes zusammenstoßen, sich dort auftürmen zu hellen und braunen Schaumkronen. Und genau aus diesem energiegeladenen Zusammentreffen der beiden Bildhälften baut Trier seinen Turm zur Feier der informellen und abstrakten Malerei. So kraftvoll malen die rechte Hand und die linke Hand hier gegeneinander an, daß das ganze Gebilde unten und oben etwas aus dem Lot gerät, doch es verliert seine Mitte nicht, und es ist gerade dieser Schwung innerhalb der Mittelachse, der den ganzen Bildraum elekrisiert und in Spannung hält.
Im Dezember 1963 informierte der documenta-Rat Hann Trier darüber, daß beschlossen worden sei, eine Anzahl seiner Ölbilder anläßlich der dritten documenta (27. Juni – 5. Oktober 1964) auszustellen. Zuvor waren Werke von Hann Trier bereits 1955 und 1959 auf der documenta I und II gezeigt worden. Mit der Auswahl der Gemälde für die dritte documenta war Alfred Hentzen beauftragt. Gleichzeitig beschloß der Arbeitsausschuß für die Sonderausstellung „Handzeichnungen“, mehrere Zeichnungen von Hann Trier zu zeigen. Ihre Auswahl wurde seinem Bruder Eduard Trier übertragen, der nach Vorschlägen des Künstlers eine Gruppe von fünf Zeichnungen aus der Zeit von 1951 bis 1963 zusammenstellte.
Hann Trier, der seinen farbigen Bildern lieber einen Namen als eine Nummer gegeben hat, verweist mit dem Titel „Nymphe Echo“ auf Ovids „Metamorphosen“. Die Nymphe hatte die Göttin Juno durch unentwegtes Reden von einem Ehebruch ihres Gatten Zeus abgelenkt. Aus Rache nahm daraufhin die Göttin Juno der Nymphe die Sprache, so daß sie nur noch wenige zuvor gehörte Worte anderer nachsprechen konnte. Trotz der vielen inhaltsschweren Titel war es nie die Intention von Hann Trier, „daß der Betrachter hingeht, den Titel liest und dann das Bild verhört, ob es dem Titel gerecht wird. Ich will nur sagen, was mich geleitet hat, was mir durch den Kopf ging oder wie es mir selbst hinterher manchmal vorkam.“ Mit beiden Händen gleichzeitig malend, entstand der für sein Werk gestische Aufbau der Bilder in einer tänzerischen Choreographie beider Arme – phasenweise sich abstoßend, doch am Ende souverän ineinanderfließend. (AGT)
Hann Trier (Düsseldorf-Kaiserswerth 1915 – 1999 Castiglione della Pescaia)
„NYMPHE ECHO“. 1964
Oil on canvas. 195 x 129,5 cm ( 76 ¾ x 51 in.). Signed and dated lower right: hTrier 64. Signed, dated and titled in black chalk on the reverse: hTrier 1964 DIE NYMPHE ECHO. On the stretcher two labels of the Galerie der Spiegel, Cologne, and a label of the exhibition in Kassel, 1964 (see below).
Gerlach-Laxner 452.–
[3222]
Provenienz: Galerie der Spiegel, Cologne / private collection, Rhineland (since in the early 1980s)
Ausstellung: III. documenta. Kassel, 1964, vol. 1, p. 194, cat. no. Trier 4 / Hann Trier. Cologne, Kunstverein, 1979, cat. no. 61
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