Lot no. 51
Hans Uhlmann (1900 Berlin – 1975 Berlin)
„Kopf“. 1936
Eisenblech, verzinnt. 30,5 × 31 × 20,2 cm ( 12 × 12 ¼ × 8 in.).
Lehmann-Brockhaus 6.–
Unikat. [3017]
Provenienz: Galerie Gerd Rosen, Berlin / Privatsammlung, Berlin
Ausstellung: Hans Uhlmann. Berlin, Galerie Gerd Rosen, 1947 [=Der Künstlerkreis der Galerie Rosen], ohne Nr., Abbildung auf dem Umschlag / Abbilder – Leitbilder. Berliner Skulpturen von Schadow bis heute. Berlin, Neuer Berliner Kunstverein in der Orangerie des Charlottenburger Schlosses, 1978, Kat.-Nr. 126 mit Abb. / Grisebach. Das Journal. Heft 5, Berlin 2015, S. 46/47 m. Abb
„Die Lotleine in der Hand, mit Augen, so genau wie ein Lineal, in einem Geiste, so gespannt wie ein Zirkel“, heißt es in dem „Realistischen Manifest“ der Brüder Naum Gabo und Nicolas Pevsner von 1920, „konstruieren wir unser Werk wie das Universum das seine, wie der Ingenieur seine Brücken, wie der Mathematiker seine Formel der Planetenbahnen.“ Überzeugt, daß „jedes Ding sein eigenes Wesensbild“ habe, lehnten Gabo und Pevsner bis dahin gängige Kategorien der Bildhauerei wie Volumen, Umrißlinie und Farbgebung strikt ab. Stattdessen postulierten sie „ein neues Element“ in der bildenden Kunst: „die kinetischen Rhythmen, als Grundformen unserer Wahrnehmung der realen Zeit“. Dem hier formulierten Ideal des Künstlers als hypersensiblem Techniker entsprach der Berliner Hans Uhlmann bis in die Details seiner Biographie: Bevor er sich der Kunst zuwandte, hatte er an der Technischen Hochschule Charlottenburg (der heutigen Technischen Universität) ein Studium als Maschinenbauer absolviert. 1933 wurde Uhlmann von der Gestapo festgenommen und für anderthalb Jahre inhaftiert, weil er kritische Flugblätter verteilt hatte.
Nach seiner Entlassung aus der Haft schuf er im Verborgenen Skulpturen nach Zeichnungen, die er im Gefängnis angefertigt hatte, darunter auch diesen konstruktivistischen „Kopf“ aus verzinntem Eisenblech von 1936. Dabei kam es Uhlmann darauf an, die künstlerischen Mittel extrem zu reduzieren. Es ist faszinierend zu beobachten, wie dieser „Kopf“ genau genommen nur aus wenigen Flächen und einigen Verbindungsstegen besteht. Daß dieses minimalistische Arrangement zu einer anschaulichen Form wird, liegt an der exakten Positionierung der Flächen und Stege, aber auch am Spiel von Licht und Schatten. Mit diesem Meisterwerk entsprach Uhlmann, der nach dem Zweiten Weltkrieg die verdiente Anerkennung als einer der bedeutenden europäischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts erfuhr, einem weiteren Postulat des Konstruktivismus. „Wir behaupten“, schrieben Gabo und Pevsner im „Realistischen Manifest“, „daß die Tönung einer Substanz, das heißt ihr lichtabsorbierender stofflicher Körper, ihre einzige malerische Qualität ist.“ UC
Hans Uhlmann (1900 Berlin – 1975 Berlin)
„Kopf“. 1936
Iron sheet, tin-plated. 30,5 × 31 × 20,2 cm ( 12 × 12 ¼ × 8 in.).
Lehmann-Brockhaus 6.–
Unique work. [3017]
Provenienz: Galerie Gerd Rosen, Berlin / private collection, Berlin
Ausstellung: Hans Uhlmann. Berlin, Galerie Gerd Rosen, 1947 [=Der Künstlerkreis der Galerie Rosen], no number, ill. on the cover / Abbilder – Leitbilder. Berliner Skulpturen von Schadow bis heute. Berlin, Neuer Berliner Kunstverein in der Orangerie des Charlottenburger Schlosses, 1978, cat. no. 126 with ill. / Grisebach. Das Journal. Issue 5, Berlin 2015, p. 46/47 with illustration
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