Lot no. 47
Hans Uhlmann (1900 – Berlin – 1975)
„Fetisch“. 1963
Chrom-Nickel-Stahl, zweifarbig. 64,5 × 54 × 32 cm ( 25 ⅜ × 21 ¼ × 12 ⅝ in.). Auf der Standfläche monogrammiert und datiert: U 63.
Lehmann-Brockhaus 205.–
Unikat. [3245]
Provenienz: Privatsammlung, Brandenburg
Über Jahrhunderte wirkten Skulpturen vornehmlich durch ihren Realismus, ihr Volumen und ihre Masse. Mit der Moderne kamen dann ganz neue Mittel ins Spiel. An die Stelle der Masse trat die Bewegung. Und die abstrakte Plastik bildete nun auf einmal Raumgefüge, die neben ihren Volumina auch Leerstellen aufwiesen. Bisher verborgene Kräfte wurden sichtbar. All diese Neuerungen treffen in besonderem Maße auf die Arbeiten von Uhlmann zu. Am Beginn seines künstlerischen Weges entstanden Plastiken, die der Künstler aus Draht formte. Leicht und schwerelos, stellten sie oft Vögel dar. Tänzerische Spiralen und dynamische Formationen, die an explodierende Sterne erinnern, folgten. Später kamen die Faltungen dazu: zeichenhafte Gebilde, die den Stadtraum besetzen, wie etwa Uhlmanns Arbeit vor der Deutschen Oper an der Bismarckstraße in Berlin-Charlottenburg.
1955 schuf Uhlmann das erste Werk aus dem „Fetisch“- Komplex. Er wählte diesen Titel, so sagte er einmal, „meist für symmetrisch gebaute Plastiken von gewisser Starrheit“ (zit. nach: Ausst.-Kat. Hans Uhlmann. Akademie der Künste, Berlin 1968, S. 63). Wie zutreffend diese Beschreibung ist, zeigt unsere Arbeit. Die Symmetrie verleiht der Skulptur große Festigkeit, dynamisch gesehen, gibt es für sie anscheinend nur eine Richtung, nämlich die frontal zum Betrachter hin. Auf ihrem kräftigen, achen Sockel trägt eine nach vorn geneigte Stütze eine Art rechteckigen Kasten mit derselben Neigung.
Von der Seite allerdings zeigt sich eine Gegenbewegung, welche in einer horizontalen Platte ausläuft. So wird der Betrachter von der Skulptur geradezu magisch angezogen. Ein ovaler Einschub im kasten- oder kopfartigen Teil der Arbeit, in dem man einen Mund oder ein Auge erkennen könnte, bannt seinen Blick. Das signalhafte Rot verstärkt diese Wirkung noch. Hans Uhlmann war von Haus aus Ingenieur, deshalb mag der kalte Stahl auf den ersten Blick technisch nüchtern erscheinen. Doch dann wird man einer entscheidenden Verwandlung gewahr: Etwas Wesenhaftes dringt zu uns herüber aus einer Welt, die jenseits der Realität existiert. OH
Hans Uhlmann (1900 – Berlin – 1975)
„Fetisch“. 1963
Chrome-nickel-steel, two-coloured. 64,5 × 54 × 32 cm ( 25 ⅜ × 21 ¼ × 12 ⅝ in.). Monogrammed and dated on the platform: U 63.
Lehmann-Brockhaus 205.–
Unique work. [3245]
Provenienz: Private Collection, Brandenburg
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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