Lot no. 295
H.A.P Grieshaber Die Lorelei. Die Legion. CCA. Aus: Der Rhein 6 Original-Holzschnitte auf festem handgeschöpften Papier. Von 294 x 117 cm bis 300 x 117,5 cm (von 311 x 126,5 cm bis 330,5 x 126 cm). 4 Blätter signiert. Jeweils mit der fortlaufenden Blattnummer '6' bis '11' bezeichnet. Einer von nur 2 Abzügen. 6 der insgesamt 11 Blätter umfassenden Folge "Der Rhein", jeweils 2 Blätter ergeben ein Motiv. Gedruckt von Gerhard Köhler, Kartung b. Karlsruhe. Die Druckstöcke sind als Holzstockwand im Raucherfoyer der Bonner Oper ausgestellt. - Etwas unregelmäßig minimal gebräunt, teils im oberen Bereich etwas fleckig. Fürst 64/111, 112, 113 Provenienz Direkt vom Künstler erworben, seitdem Privatbesitz Norddeutschland Literatur HAP Grieshaber. Der Rhein, mit Texten von Heinrich Böll u. Albrecht Fabri, hrsg. v. Galerie Der Spiegel, Köln 1965; Karl-Heinz Kukla/Horst Zimmermann, HAP Grieshaber. Holzschnitte, Ausst. Kat. Zentrum für Kunstausstellungen der DDR, Kunsthalle Rostock, Berlin 1977, S. 147, Nr. 600-602; Willem Sandberg/Margot Fürst, Grieshaber. Der betroffene Zeitgenosse, Stuttgart 1978, S. 299, mit Abb. der Drucke in der Kunsthalle Hamburg; Ursel und Jürgen Zänker, Kunst und Altertum am Rhein. Bauen im Bonner Raum 49-69. Führer des Rheinischen Landesmuseums in Bonn, hrsg. vom Landschaftsverband Rheinland, S. 170; Thomas Kliemann, Zeitlos schön, in: Bonner General-Anzeiger vom 4.5.2015; Stadttheater, in der Reihe: Architekturführer der Werkstatt Baukultur Bonn, Bd. 3, Bonn 2015, S. 32 ff. HAP Grieshaber steht für den Inbegriff des Holzschnitts, auch wenn er immer wieder mal in die scheinbar einfachere Technik der Aquarell- und Ölmalerei flieht, Bühnenbilder und Kostüme kreiert oder sich etwa auf der documenta III mit seinen Holzstöcken als Bildhauer in Szene setzt. Der Holzschneider Grieshaber entwickelt den Holzschnitt - das Medium der Moderne seit den Expressionisten der „Brücke“ - nicht einfach weiter, sondern er experimentiert mit Flächen überspannenden Zeichnungen von phantastischer Dichte auf monumentalen Papiergrößen wie mit dieser Serie und stellt den Holzschnitt auf die Höhe der Malerei. Von der kompletten Serie „Der Rhein“ existieren laut Werkverzeichnis nur zwei Abzüge dieser sechsteiligen Wandarbeit, drei Meter hoch und über dreizehn Meter lang, zusammengesetzt aus fünf Holzstöcken mit jeweils zwei Elementen und einem einzelnen Abschnitt. Wegen des übergroßen Formats kommt keine Druckerpresse zum Einsatz; das Papier wird über den eingeschwärzten Holzstock gelegt und mit Falzbein und Löffeln durchgerieben. „Ich sollte einen Wandteppich [für das Bonner Stadttheater, heutige Oper] entwerfen. Aber ich wollte keinen Wandteppich. In diesem Fall fand ich, sei er - im Rauch des Foyers - nicht unbedingt das Richtige. Zudem hatte ich schon gleich eine andere Idee. Und ich war froh, daß sie akzeptiert wurde. Da floß der Rhein. Dicht an seinem Ufer steht der Bau. Und ich dachte, ich mach etwas mit Bohlen. Mit schweren massiven Bohlen“, so der Künstler in einem Gespräch mit Maria Wetzel (zit. nach den „Brusberg Dokumenten“, Nr. 34, Berlin 1994, S. 27.). Grieshaber entwickelt eine Holzstockwand aus Redwoodholz, in deren Oberfläche er die Motive schneidet und den Verlauf des Rheins von seiner Quelle vorbei an Landschaften und Städten bis zum Meer erzählt und dabei Märchen, Mythen und Legenden verbildlicht (s. Vergleichsabb.). Kein anderer deutscher Fluss war Gegenstand so vieler Gedichte und Lieder wie der Rhein, etwa der sagenumwobene Nibelungenschatz Rheingold oder das Gedicht „Die Loreley“ von Clemens Brentano, das gleichnamige Gedicht von Heinrich Heine oder die Hymne an den Rhein von Friedrich Hölderlin und schließlich „Das versunkene Schloss“ von Friedrich Schlegel. Und nicht erst mit den Freiheitskriegen gegen Napoleon bekommen die Hymnen, Lieder und Gedichte einen politischen, nationalen Akzent. Grieshaber „pickt“ sich gewissermaßen für sich geeignete Themen heraus, beginnt seine kraftvolle Setzung mit der Personifizierung der Quelle, widmet sich dem Weinbau und den Fährdiensten, kann nicht umhin, sich dem Schieferfelsen Loreley und den sich darum rankenden Geschichten zu widmen, um schließlich der alten Römerstadt Köln zu huldigen. Grieshaber zeichnet seine Erzählung augenfällig detailliert und gräbt mit den Holschnittwerkzeugen im Gegensatz zu seinen sonst üblichen, großflächigen Gesten feine, nahezu Düreresque Linien in die Oberfläche des Holzes und schildert die Ereignisse unter und über dem Wasserspiegel. Eine komplexe, erzählerisch vielschichtige Betrachtung des Rheins entsteht, ein Thema, das Jahre später, 1982, Anselm Kiefer ebenfalls in großformatigen Holzschnitten gestalten wird, aber zu einem ganz anderen Ergebnis kommt, um seine Sicht auf den mythen- und geschichtsbeladenen Strom zu erzählen. Eine komplette Holzschnittfolge von Grieshabers „Rhein“ befindet sich in der Hamburger Kunsthalle, drei Episoden aus der monumentalen Folge eines weiteren Exemplars, direkt vom Künstler erworben, liegen nun hier vor. H.A.P Grieshaber Die Lorelei. Die Legion. CCA. Aus: Der Rhein 6 woodcuts on firm hand-made paper. From 294 x 117 cm to 300 x 117.5 cm (from 311 x 126.5 cm to 330.5 x 126 cm). 4 sheets signed. Each inscribed with consecutive sheet numbers '6' to '11'. One of only 2 proofs. 6 of the series "Der Rhein" comprising a total of 11 sheets, 2 sheets each make up one motif. Printed by Gerhard Köhler, Kartung near Karlsruhe. The printing blocks are exhibited as a woodblock mural in the smoker's foyer of the Bonn opera house. - Slightly irregularly minimally browned, partially stained in upper area. Fürst 64/111, 112, 113 Provenance Acquired directly from the artist; in private possession since, North Germany Literature HAP Grieshaber. Der Rhein, mit Texten von Heinrich Böll u. Albrecht Fabri, ed. by Galerie Der Spiegel, Cologne 1965; Karl-Heinz Kukla/Horst Zimmermann, HAP Grieshaber. Holzschnitte, exhib. cat. Zentrum für Kunstausstellungen der DDR, Kunsthalle Rostock, Berlin 1977, P. 147, no. 600-602; Willem Sandberg/Margot Fürst, Grieshaber. Der betroffene Zeitgenosse, Stuttgart 1978, p. 299, with illus. of the prints at Kunsthalle Hamburg; Ursel und Jürgen Zänker, Kunst und Altertum am Rhein. Bauen im Bonner Raum 49-69. Führer des Rheinischen Landesmuseums in Bonn, ed. by Landschaftsverband Rheinland, p. 170; Thomas Kliemann, Zeitlos schön, in: Bonner General-Anzeiger dated 4 May 2015; Stadttheater, in the series: Architekturführer der Werkstatt Baukultur Bonn, vol. 3, Bonn 2015, p. 32 ff. The name of HAP Grieshaber stands for the epitome of the woodcut, even if he did occasionally flee to the seemingly simpler techniques of watercolour and oil painting, creating stage sets and costumes, or using his wood blocks to present himself as a sculptor at documenta III, for example. The woodcutter Grieshaber did not just continue to develop the woodcut, the medium of modern art since the Expressionists of the “Brücke” group; instead, he used series like the one here to experiment with fantastically dense drawings on monumental sheets of paper that cover entire surfaces, elevating the woodcut to the level of painting. According to the catalogue of the artist's work, only two impressions exist of the complete series of “Der Rhein”, a six-part wall piece that is three metres tall and over thirteen metres long and is assembled out of five wood blocks, each featuring two elements and a single section. Because of the oversized format, no printing press was used: the paper was laid on top of the inked wood block, and bone folders and spoons were used to rub it through by hand. “I was supposed to design a tapestry
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05/31/2019
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