Lot no. 25
Heinrich Campendonk (Krefeld 1889 – 1957 Amsterdam) „SINDELSDORF“. 1913 Gouache auf Papier, auf Karton aufgezogen. 48,5 x 42,4 cm ( 19 ⅛ x 16 ¾ in.). Rückseitig ein Etikett der Kunstausstellung Der Sturm, Berlin, mit Feder in Tinte bezeichnet: Campendonk Seeshaupt O.[ber] B[a]y[ern] Sindelsdorf. Firmenich 395.– Stellenweise Bereibungen mit Farbverlusten. [3504] Provenienz: Privatsammlung, Deutschland (1919 von der Kunstausstellung Der Sturm erworben, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Der Sturm, Berlin, 1919 (lt. Firmenich) Das Jahr 1913 kennt kein Tempolimit: Mit einer ungeheuren Geschwindigkeit rauscht die Moderne voran. In Heinrich Campendonks furioser Gouache steckt die ganze Atemlosigkeit dieses besonderen Jahres. Es ist für ihn selbst das Jahr, das ihn mit den Teilnahmen am „Ersten Deutschen Herbstsalon“ in Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm“ und der Bonner Ausstellung der „Rheinischen Expressionisten“ in der ersten Reihe der zeitgenössischen deutschen Künstler etabliert. Und zugleich das Jahr, in dem er seine charakteristische Bildsprache erstmals vollständig ausformuliert. Von Oberbayern aus eroberte sich Campendonk auf seinen Leinwänden und Blättern künstlerisch die ganze Welt – und doch steht er noch mit beiden Beinen auf dem Boden, wie der Kirchturm in der rechten Bildmitte dokumentiert. Es handelt sich ganz offenkundig um St. Johannisrain in der Nähe von Sindelsdorf, wo sich der Künstler niedergelassen hatte. Die Silhouette der Bayrischen Alpen im Hintergrund jedoch versetzt Campendonk in eine eigenwillige Dynamik, wie Wellen türmen sich die Bergspitzen hier auf, als blase ein gewaltiger Sturm. Links jagen schon die Blitze herab und die Tiere, die wirken wie Kreaturen aus dem Stall von Campendonks Sindelsdorfer Malerfreund Franz Marc, stürmen davon in Richtung eines sich biegenden Baumes, der am linken Bildrand emporragt. Schlangenlinien und Quadrate werden verschliffen, die Farben hart und doch subtil nebeneinandergesetzt, so daß eine größtmögliche Dynamik entsteht. Es ist eine helle Aufregung, in die der Künstler die Welt versetzt sieht und für die er in unserer bildmäßigen Gouache eine schlüssige Bildsprache gefunden hat. (FI) Heinrich Campendonk (Krefeld 1889 – 1957 Amsterdam) „SINDELSDORF“. 1913 Gouache on paper, laid down on cardboard. 48,5 x 42,4 cm ( 19 ⅛ x 16 ¾ in.). On the reverse a label of the art exhibition, Der Sturm, Berlin, inscribed in pen and ink: Campendonk Seeshaupt O.[ber] B[a]y[ern] Sindelsdorf. Firmenich 395.– In places scuff marks with paint losses. [3504] Provenienz: Private collection, Germany (acquired in 1919 at the art exhibition, Der Sturm, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Der Sturm, Berlin, 1919 (lt. Firmenich)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
11/27/2014
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0