Lot no. 105
Heinrich Reinhold (Gera 1788 – 1825 Rom) Die Myrafälle bei Muggendorf. 1817 Aquarell, Deckweiß, Pinsel und Feder in Schwarz sowie Bleistift auf Papier. 33,7 × 25,1 cm ( 13 ¼ × 9 ⅞ in.). Oben links bezeichnet und datiert: Muckendorf den 17 August 1817. Oben rechts beschriftet: graue/bl. Schatten. Rückseitig unten rechts von dem Bruder Friedrich Philipp Reinhold mit Bleistift bestätigt: Von Heinrich Reinhold. F. Reinhold. Rückseitig Fragment einer Landschaftsskizze in Bleistift. [3288] Provenienz: Ehemals Sammlung Eugen Roth, München Die Meisterschaft Heinrich Reinholds zeigt sich nicht erst in seinen italienischen Ölstudien von Anfang der 1820er-Jahre, die bis heute als zentrale Marksteine des Genres gelten. Die singuläre Stellung Reinholds in der deutschen Kunst der Frühromantik wird in gleichem Maße durch Zeichnungen und Aquarelle aus seiner Zeit in Wien und Rom unterstrichen. Nach einer Ausstellung in seiner Geburtsstadt Gera vor drei Jahrzehnten wird sein Gesamtwerk im Herbst 2018 in einer großen Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle und der Klassik Stiftung Weimar endlich grundsätzlich gewürdigt werden. Hinrich Sieveking hat unser Blatt eindeutig der Sommerreise 1817 zuordnen können, die Reinhold gemeinsam mit Johann Christoph Erhard und Ernst Welker zu den Myrafällen bei Muckendorf (heute Muggendorf) unternahm, wie wir aus Aloys Apells Erhard-Monographie von 1866 wissen. Innovativ ist von Anfang Reinholds Blick auf die Natur und die Wahl seiner Ausschnitte, die den Bildraum auf neue Weise dynamisieren. Unser Aquarell eines dem Betrachter entgegenfließenden Wasserfalls ist dafür ein sprechendes Beispiel. In den subtilen Abstufungen des Gesteins in unzähligen Braun- und Grautönen wird Reinholds Pionierstellung deutlich, mit der es ihm gelang, die Lichtwerte und die Verschattungen des Landschaftsraums kristallin klar und doch atmosphärisch warm zu erfassen. Es gelingt Reinhold, das Fließende des Wassers so sensibel wiederzugeben, wie das Stoische des Gesteins. Genau dieses seltene Nebeneinander ganz unterschiedlicher Talente ist es, was unser Aquarell über die Kunst ihrer Zeit hinaushebt: Neben der verblüffenden Perspektive und der Radikalität der Komposition lebt das Blatt zudem von der perfekt erfassten Botanik und Geologie dieses Wasserfalls in einem Alpental. Man kann nicht nur jede Pflanze exakt bestimmen, sondern auch jede Gesteinsart, man sieht, wo das Wasser die Steine benetzt hat und wo es der Schatten ist, der sie in ein etwas dunkleres Grau taucht. Das ist von einer Auffassungsgabe und Umsetzungsfertigkeit, die deutlich machen, warum Heinrich Reinhold die deutsche Kunst im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts so maßgeblich beeinflusst hat. 1814 war Reinhold nach einem Parisaufenthalt nach Wien zurückgekehrt, wo er im Kreise von Friedrich Olivier, Julius Schnorr von Carolsfeld und Joseph Anton Koch verkehrte. Gemeinsam mit seinem Bruder und den Malern Ernst Welker, Johann Adam Klein und Johann Christoph Erhard unternahm er Studienreisen in die Schneeberggegend, das Salzkammergut sowie das Berchtesgadener Land. Auf der erstgenannten dieser Reisen ist unser Aquarell entstanden. Nach seinem frühen Tod in Rom wurde Reinholds Nachlass aufgeteilt, sein Bruder Friedrich hat viele seiner wichtigsten Werke noch einmal bestätigt, so auch unser Aquarell. Es war eines der Hauptwerke in der Sammlung von Eugen Roth, der Anfang des 20. Jahrhunderts in München aufgebauten, herausragenden Sammlung deutscher Zeichenkunst der Romantik. FI Wir danken Dr. Hinrich Sieveking, München, für die freundliche Bestätigung der Authentizität des Aquarells und für Hinweise zur Datierung und Lokalisierung. Heinrich Reinhold (Gera 1788 – 1825 Rome) Die Myrafälle bei Muggendorf. 1817 Watercolour, opaque white, brush and pen in black ink as well as pencil on paper. 33,7 × 25,1 cm ( 13 ¼ × 9 ⅞ in.). Inscribed and dated upper left: Muckendorf den 17 August 1817. Inscribed upper right: graue/bl. Schatten. Confirmed in pencil on the reverse lower right by the artist's brother Friedrich Philipp Reinhold: Von Heinrich Reinhold. F. Reinhold. A fragment of a sketch of a landscape in pencil on the reverse. [3288] Provenienz: Formerly Collection of Eugen Roth, Munich We would like to thank Dr. Hinrich Sieveking, Munich, for kindly confirming the authenticity of the watercolour and for kindly providing additional information regarding date and placement
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
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19th Century Art
10719 Berlin - Germany
05/30/2018
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0