Lot no. 184
Henri Matisse (Le Cateau-Cambrésis 1869 – 1954 Nizza) „La Persane“. 1929 Bleistift auf Papier. 56,3 × 37,5 cm ( 22 ⅛ × 14 ¾ in.). Unten rechts signiert: Henri - Matisse. Die Zeichnung ist im Archiv des Künstlers registriert unter der Nr. U II4. Mit einer Bestätigung von Wanda de Guébriant, Issy-les-Moulineaux, vom 7. Februar 2004.– [3411] Provenienz: Marguerite Duthuit, Tochter des Künstlers, Paris (Geschenk des Vaters) / Privatsammlung (bis um 2000) / Privatsammlung (bis 2010) Literatur und Abbildung: Auktion 10007: Impressionist & Modern Art, Sotheby’s, London, 23. Juni 2010, Kat.-Nr. 293 / Florian Illies: Eine Sammlung als Lebenswerk. In: Grisebach – Das Journal, Ausgabe 7/2017, S. 40, Abbildung S. 41 1906 besuchte Matisse erstmals Algerien, sechs Jahre später bereiste er Marokko. Die Eindrücke dieser Reisen blieben wach und tauchten noch Jahre später in seinen Zeichnungen und Bildern mit orientalischen Motiven auf. 1921 übersiedelte Matisse nach Nizza. In den folgenden Jahren zeichnete und malte er eine so große Anzahl von „Odalisken“, dass zeitgenössische Kritiker von einer „population odalisque“ zu sprechen begannen. Berühmt geworden sind seine verschiedenen Modelle, die er in einem neuen dekorativen Malstil in seinem Atelier darstellte. Die Werke tragen zwar meist Bezeichnungen, die sie als Marokkanerin, Algerierin oder, wie in der vorliegenden Zeichnung, als Perserin ausweisen. Aber wir wissen mittlerweile, dass die abgebildeten Modelle keine Orientalinnen waren, sondern Laurette, Antoinette oder Henriette hießen und die Kostüme und Staffage aus dem Atelierfundus von Matisse stammten. Der Orient, der in den Zeichnungen, Lithografien und Gemälden dieser Zeit heraufbeschworen wurde, war eine von Matisse in Nizza gestaltete, erträumte und imaginierte Welt. Die Faszination, die von der Persönlichkeit des jeweiligen Modells ausging, bestimmte die Komposition und die künstlerische Gestaltung. Matisse schuf seinen Modellen eine Bühne, auf der sie sich ungekünstelt in der Rolle einer Orientalin zeigen konnten. Die Begegnung mit Henriette Darricarrère 1927 regte ihn zu einer neuen Reihe von Werken an, die er jeweils „Persane“, Perserin, nannte. In einer Lithografie aus diesem Jahr sitzt die junge Frau in persischer Tracht auf einem marokkanischen Stuhl und blickt den Betrachter geheimnisvoll und verführerisch an. Sie ist in ein durchsichtiges Gewand mit langem Schleier gehüllt, das ihre Brust weitgehend freilässt. Eine Tätowierung auf Brust und Stirn erhöht den fremdländischen Reiz. Die Darstellung dieser Lithografie ist gegenüber den virtuosen, ganz auf einen fließenden Umriss konzentrierten Aktzeichnungen früherer Jahre auffallend realistisch, ein Umstand, der bereits von Kritikern in der Zeit der Entstehung des Blattes angemerkt wurde. Im Umkreis dieser exemplarischen Darstellung einer „Persane“ ist auch die Zeichnung von 1929 aus der Sammlung Schultz anzusiedeln. Offenbar ist das gleiche Modell zu sehen, das auch hier den Betrachter versonnen anblickt. Ihr orientalisches Gewand mit einer Schließe unter der Brust, der Stuhl, auf dem sie sitzt, und sogar die Tätowierung auf der Brust erscheinen in fast identischer Form. Anders sind jedoch die freizügigere Pose und ein kurzer Schleier, der ihr Gesicht umrahmt. Eine Eigenart des Blattes ist zudem sein charakteristischer Zeichenstil. Nicht in einer eindeutigen Linie, sondern in vielen zarten, immer wieder neu ansetzenden Strichen sucht der Zeichner die Kontur des Modells zu bestimmen. Matisse bekannte selbst, dass er in seinen Zeichnungen von Orientalinnen und Odalisken, und damit auch für die „Persane“ von 1929, alles Anekdotische ablehnte. Stattdessen wolle er sein Modell in einer Atmosphäre vollkommener Entspannung abbilden. Zugleich versuche er, die Spannung und das Wechselspiel einzufangen, das sich beim Prozess des Zeichnens zwischen Künstler und Modell entfalte. Barbara Gaehtgens, Berlin Henri Matisse (Le Cateau-Cambrésis 1869 – 1954 Nice) „La Persane“. 1929 Pencil on paper. 56,3 × 37,5 cm ( 22 ⅛ × 14 ¾ in.). Signed lower right: Henri - Matisse. The drawing is registered in the archive of the artist as number U II4. Accompanied by a confirmation from Wanda de Guébriant, Issy-les-Moulineaux, dated 7 February 2004.– [3411] Provenienz: Marguerite Duthuit, daughter of the artist, Paris (gift from her father) / Private Collection (until circa 2000) / Private Collection (until 2010) Literatur und Abbildung: Auction 10007: Impressionist & Modern Art, Sotheby’s, London, 23 June 2010, cat. no. 293 / Florian Illies: Eine Sammlung als Lebenswerk. In: Grisebach – Das Journal, Edition 7/2017, p. 40, Illustration p. 41
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Drawings, watercolours and pastels
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10/26/2018
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