Lot no. 16
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin)
„EIN GRAUER MORGEN“. 1940
Öl auf Leinwand. 79,5 x 100,5 cm ( 31 ¼ x 39 ⅝ in.). Unten rechts signiert (ligiert) und datiert: HMPechstein 1940. Rückseitig in Schwarz betitelt, signiert und bezeichnet: Ein grauer Morgen HMPechstein Berlin W. 62. Kurfürstenstr. 126.
Nicht bei Soika. – Mit einem kunsthistorischen Gutachten von Prof. Dr. Aya Soika, Berlin, vom 8. April 2015.–
[3474]
Provenienz: Privatsammlung, Berlin (bis 1995) / Privatsammlung, Deutschland (durch Erbschaft vom Vorbesitzer)
Nach der bewegten „Brücke“-Zeit in Dresden und Berlin entdeckte Max Pechstein zu Beginn der 1920er Jahre die Abgeschiedenheit der pommerschen Landschaft für sich. Vor allemdie Gegend rund um den Garder See faszinierte ihn. Immer wieder fuhr er für Monate an die Ostsee. Ab 1939 zog er sich ganz dorthin zurück und blieb im Badeort Leba. Hier konnte er sich seiner Kunst widmen, ohne Nachstellungen durch die Nationalsozialisten befürchten zu müssen. Als das Gemälde „Ein grauer Morgen“ entstand, war der Zweite Weltkrieg bereits in vollem Gange. Doch auf den ersten Blick deutet nichts in diesem Bild darauf hin. Pechstein scheint beim Malen buchstäblich in die Natur eingetaucht zu sein. Seine Staffelei hat der Künstler direkt ans Ufer gestellt, so daß das Schilf im Vordergrund ihn nahezu umschließt, wie wenn er darin Schutz suchte.
Virtuos hat Max Pechstein die frühmorgendliche Stimmung eingefangen. In der rechten oberen Ecke der Leinwand lassen die ersten Sonnenstrahlen die Wolken am Himmel erstrahlen. Über dem Rest liegt noch das verblassende Blau der Nacht. Dennoch ist das Gemälde von einer eigentümlichen Spannung durchdrungen. Sie ergibt sich vor allem durch die unterschiedliche malerische Behandlung der einzelnen Bereiche. Im Lauf der Jahre hatte sich Pechstein zunehmend von seinen expressionistischen Anfängen entfernt. Beim „Grauen Morgen“ scheint er noch einmal darauf zurückzugreifen. Spitzen Stacheln gleich, mit scharfen Widerhaken bewehrt, ragen die Schilfrohre fast bedrohlich aus dem Wasser. Sie stehen damit in einem deutlichen Kontrast zum Sfumato des Mittel- und Hintergrundes – als wollte der Künstler dadurch zum Ausdruck bringen, daß auch hier, am vermeintlich friedlichen Garder See, die Idylle brüchig geworden ist. (UC)
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin)
„EIN GRAUER MORGEN“. 1940
Oil on canvas. 79,5 x 100,5 cm ( 31 ¼ x 39 ⅝ in.). Signed (joined) and dated lower right: HMPechstein 1940. Titled, signed and inscribed in black on the reverse: Ein grauer Morgen HMPechstein Berlin W. 62. Kurfürstenstr. 126.
Not in the catalogue raisonné by Soika. With an art-historical certificate by Prof. Dr. Aya Soika, Berlin, dated 8 April 2015.–
[3474]
Provenienz: Private collection, Berlin (until 1995) / private collection, Germany (by descent from previous owner)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale