Lot no. 455
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin)
Rote Häuser. 1922
Aquarell über Kohle auf Papier. 48,2 × 64 cm ( 19 × 25 ¼ in.). Unten links mit Bleistift signiert und datiert: HMPechstein 1922.
Farben etwas geblichen, Randmängel. [3550]
Provenienz: Privatsammlung, Hessen
Rote Häuser: Ihre Dächer und Wände tragen nicht irgendein Rot. Im Gegenteil: Sie tragen die Bildkonstruktion, denn das Aquarell wurde geformt aus dem berühmten „Brücke-Rot“. Dieser Ton begleitete Max Pechstein durch Jahre und Jahrzehnte – ebenso Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff. Eine bestimmte Farbe, bildbeherrschend. Dazu ein sattes, dunkles Blau im Giebel. So wollte es der Maler. Uninteressant, ob die Dächer und Wände wirklich diese Farben trugen. Es ging nicht um exakte, identische Wiedergabe, ums „Abmalen“. „Nachahmung ist keine Kunst“, hatte Herwarth Walden geschrieben. Pechsteins künstlerisches Schaffen ereignete sich als freie Neuschöpfung aus der gestalterischen Kraft der Farbe. „Wir erkannten als Wichtigstes die Farbe. Wir malten also rote, grüne und blaue Bilder.“
Zwischen Juli und September 1922 arbeitete Max Pechstein im Fischerort Leba an der pommerschen Ostseeküste. Der endlose Strand und der unerreichbare Horizont von ungeheurer Weite befeuerten sein Empfinden für Freiheit. Sie befeuerten auch seine Arbeitswut. Immer zur Hand: Skizzenbücher. In ihnen begann der schöpferische Prozess. Im nächsten Schritt entstanden sparsame Pinselzeichnungen und Aquarelle. Sie entfalteten eine bildmäßige Wirkung von feiner Transparenz und schwebender Leichtigkeit. Die Farben fließen nicht ineinander wie bei Emil Nolde. Sie liegen leicht auf in großen Flächen. Darum geht es Pechstein: Die leidenschaftliche Gebärde des Expressionisten konzentriert sich nicht auf die Details eines genau ausgearbeiteten Sujets. Sein Gesetz war ein anderes: Alles für die Farbe, alles aus der Farbe.
Das Sprengel Museum Hannover besitzt ein Gemälde von Max Pechstein („Rote Häuser“, 1923, 70,5 × 95,4 cm), in dem jene beiden Häuser – rotes Dach, blauer Giebel – wie-derkehren; ein Werk, bestimmt von Flächen in herrlichem „Brücke-Rot“, sattem Blau und lichtem Grün.
Gerd Presler
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin)
Rote Häuser. 1922
Watercolour over charcoal on paper. 48,2 × 64 cm ( 19 × 25 ¼ in.). Signed and dated in pencil lower left: HMPechstein 1922.
Colours somewhat faded, imperfections in the margin. [3550]
Provenienz: Private collection, Hesse
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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