Lot no. 40
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin) „Schloss am Gebirgssee“. 1925 Öl auf Leinwand. Doubliert. 80,5 × 100 cm ( 31 ¾ × 39 ⅜ in.). Unten rechts datiert und signiert: 1925 HMPechstein. Soika 1925/9.– [3597] Provenienz: Ismar Littmann, Breslau (1930, Sammlungs-Liste Nr. 259) / Hugo Gouthier de Oliveira Gondim, Rom (bis 1961) / Robert-Alexander Bohnke, Tübingen (1961 bei Ketterer erworben) / Privatsammlung, Baden-Württemberg (um 1968/69 von Bohnke erworben, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Die Kunst unserer Zeit. Wien, Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst in Wien, im Künstlerhaus, 1930, Abt. 5, Nr. 41 („Genfer Seelandschaft“) / Kunst des 20. Jahrhunderts aus Tübinger Privatbesitz. Tübingen, Kunstverein, 1962, Kat.-Nr. 39 Literatur und Abbildung: 36. Auktion: Moderne Kunst, 1. Teil. Stuttgart, Stuttgarter Kunstkabinett R. N. Ketterer, 3./4.5.1961, Kat.-Nr. 387, Abb. Tf. 205 Eine eigentümliche Stimmung liegt über dem Genfer See. Tief stehende Wolken hängen zwischen den Bergen fest, doch an manchen Stellen bricht die Sonne durch, um ihr Licht in die Landschaft zu werfen wie die Scheinwerfer einer Theaterbühne. Diese Mischung aus nebligem Dunst und gläserner Klarheit ist ein Wetterphänomen, das man dort auch heute noch regelmäßig beobachten kann – und Max Pechstein hat es auf diesem Gemälde in meisterhafter Weise festgehalten. Grün, Violett, Türkis und Weiß sind in der Komposition die vorherrschenden Farben. Sie erzeugen eine Atmosphäre, die bleiern, irgendwie nervös, fast fiebrig wirkt, wie kurz vor einem Gewitter, das dann doch nicht niedergeht. Und gleichzeitig blickt der Betrachter mit Pechsteins Augen weit nach Süden, vom Ufer des Sees bis zu dem eindrucksvollen, schneebedeckten Gipfel des Le Catogne oberhalb von Martigny. Bei dem im Titel erwähnten „Schloss am Gebirgssee“ handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um das Schloss Chillon bei Montreux. In den Zwanzigerjahren machte Max Pechstein auf seinen Reisen nach Italien immer wieder Station am Genfer See, oft für mehrere Wochen am Stück. 1919 hatte der Künstler in Berlin den Arzt Walter Minnich aus Montreux kennengelernt, der die folgenden Jahre zu einem Förderer und Freund werden sollte. Minnich erwarb eine Vielzahl von Arbeiten Pechsteins und nahm auch sonst regen Anteil an der Entwicklung des Malers. Und Pechstein und seine zweite Ehefrau Marta schienen sich ihrerseits ausgesprochen wohlzufühlen in der Gesellschaft der Minnichs. An einen Freund, den Kunsthändler Eduard Plietsch aus Berlin, schreibt der Künstler Anfang 1925: „Einmal waren wir auf einem Kostümball, ich ging als Streichholzschachtel und Dr. Minnich als der Raucher, wir erhielten den 1. Preis für Originalität.“ Einer Mitteilung des Sohnes Max Pechstein jr. verdanken wir die Information, dass Marta bei der Gelegenheit als Streichholz auftrat – „Pechstein hatte ihr einen roten Kopf gemacht“ (zit. nach: Leonie von Rüxleben: Lebensdaten 1881–1955, in: Magdalena M. Moeller (Hg.): Max Pechstein. Sein malerisches Werk, München 1996, S. 23). Pechstein, der damals während der Wirtschaftskrise und Inflation offenbar häufig innere Kämpfe ausfocht und heftig um die für das Malen nötige Konzentration rang, fand bei den Minnichs die Ruhe, um etliche Bilder zu malen. Sieben Gemälde gelangten 1937 als Schenkung Walter und Alice Minnich an das Kunstmuseum Luzern. UC Das Gemälde wird im Einvernehmen mit den Erben nach Ismar Littmann angeboten. Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin) „Schloss am Gebirgssee“. 1925 Oil on canvas. Relined. 80,5 × 100 cm ( 31 ¾ × 39 ⅜ in.). Dated and signed lower right: 1925 HMPechstein. Soika 1925/9.– [3597] Provenienz: Ismar Littmann, Wrocław (1930, Collection list no. 259) / Hugo Gouthier de Oliveira Gondim, Rome (until 1961) / Robert-Alexander Bohnke, Tübingen (acquired in 1961 at Ketterer) / Private Collection, Baden-Wuerttemberg (acquired circa 1968/69 from Bohnke, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Die Kunst unserer Zeit. Vienna, Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst in Wien, im Künstlerhaus, 1930, Section 5, no. 41 („Genfer Seelandschaft“) / Kunst des 20. Jahrhunderts aus Tübinger Privatbesitz. Tübingen, Kunstverein, 1962, cat. no. 39 Literatur und Abbildung: 36th Auction: Moderne Kunst, 1st part. Stuttgart, Stuttgarter Kunstkabinett R. N. Ketterer, 3./4.5.1961, cat. no. 387, illustration pl. 205 The painting will be offered with the consent of the heirs of Ismar Littmann.
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10719 Berlin - Germany
11/29/2018
Offered by Grisebach
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