Lot no. 24
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin)
Sitzender weiblicher Akt. Um 1920
Aquarell auf Papier. 58,7 × 49 cm ( 23 ⅛ × 19 ¼ in.). Unten mittig mit Bleistift signiert: HMPechstein.
[3024]
Provenienz: Galerie Klihm, München / Privatsammlung, Luxemburg (1953 in der Galerie Klihm erworben, seitdem in Familienbesitz)
Die Jahre nach 1910 verliefen für Max Pechstein recht turbulent: 1911 heirateten er und Charlotte („Lotte“) Kaprolat, die er als Modell des Bildhauers Georg Kolbe in Berlin kennengelernt hatte. Aus der Ehe ging 1913 Sohn Frank hervor. Als der Maler im Jahr 1912 einmal aus dem Gruppenverband der Künstlergemeinschaft „Brücke“ ausscheren wollte und an einer Ausstellung der von dieser geächteten Berliner Secession teilnahm, wurde er kurzerhand ausgeschlossen.
Pechstein, des Großstadttrubels und der Querelen mit den Malerkollegen überdrüssig, beschloss, für unbestimmte Zeit in die Südsee auszuwandern, wie vor ihm Paul Gauguin und Emil Nolde. Der damals 32-Jährige erhielt von seinem Galeristen einen Vorschuss in Höhe von 10.000 Mark und reiste Mitte Mai 1914 ab. Ziel war die Inselgruppe Palau, die „Gefilde der Seligen“, wie Pechstein sie bezeichnete, das „Südseeparadies“ und „Land meiner Sehnsucht“. (Zit. nach: Max Pechstein: Erinnerungen. München, 2. Aufl. 1963, S. 59 u. 64.) Vier Monate später erfuhr dieses Idyll ein jähes Ende. Das entlegene Palau wird vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs eingeholt, als die Japaner Mitte August 1914 die Inselgruppe besetzen und Pechstein wenig später zur Abreise gezwungen wird. Bei der überstürzten Rückfahrt gehen fast alle Bilder verloren, die er hier gemalt hatte - und der Maler stellte nüchtern fest: „Im Oktober [1914] ist mein Traum ausgeträumt.“ (Ebda., S. 97)
Unser Aquarell entstand einige Jahre nach Pechsteins Südseeaufenthalt, dessen Ereignisse und Begegnungen ihn zeit seines Lebens intensiv und nachhaltig begleiteten. Ab 1919 verbrachte der Maler die Sommermonate immer wieder in der Künstlerkolonie Nidden auf der Kurischen Nehrung. Dort könnte das Aquarell „Sitzender weiblicher Akt“ entstanden sein. Sein Modell hält den linken Arm auf das rechte Knie gestützt, den Blick nachdenklich in die Ferne gerichtet. Dabei hat Pechstein all sein malerisches Können auf das ebenmäßige, ausdrucksstarke Antlitz der Dargestellten konzentriert. Der Körper und vor allem der Hintergrund werden doch eher summarisch erfasst. Dieser, kaltfarbig, diffus und durch heftige Pinselstriche aufgewühlt, steht in auffallendem Gegensatz zu der ganz in sich gekehrten Frauenfigur. Möglicherweise ist dies auch ein Hinweis auf Pechsteins eigene Gemütsverfassung. In Erinnerung an das bittere Scheitern des idealen Lebensentwurfs von Max Pechstein im Jahr 1914 wäre eine solche Interpretation nicht abwegig. Doch am Ende muss die Deutung des „Sitzenden weiblichen Aktes“ offen bleiben. AF
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin)
Sitzender weiblicher Akt. Circa 1920
Watercolour on paper. 58,7 × 49 cm ( 23 ⅛ × 19 ¼ in.). Signed in pencil in the lower centre: HMPechstein.
[3024]
Provenienz: Galerie Klihm, Munich / Private collection, Luxembourg (acquired in 1953 at Galerie Klihm, thence by descent to the present owner)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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