Lot no. 251 - a
Hermann Stenner Christuskopf. Verso Damenbildnis (Studie in Blau) Jeweils Öl auf Leinwand. 64,5 x 46,8 cm. Gerahmt. Nicht signiert. - Auf neueren Keilrahmen aufgespannt; stellenweise mit leichterem Craquelé. Hülsewig-Johnen/Reipschläger 148 bzw. 175 Provenienz Aus dem Nachlass des Künstlers, Erich Stenner, Bielefeld; Westdeutsche Privatsammlung (seit ca. 1970er Jahre), Familienbesitz Ausstellungen Bielefeld 1956 (Städtisches Kunsthaus Bielefeld), Kat. Nr. 188 bzw. 250; Bielefeld/ Albstadt/ Sindelfingen 1991 (Kunsthalle Bielefeld/ Städitsche Galerie Albstadt/ Galerie der Stadt Sindelfingen), Hermann Stenner 1891-1914, Kat. Nr. 35 mit Farbabb.; Bielefeld 2003 (Kunsthalle Bielefeld), Hermann Stenner: Gemälde 1909-1914, Kat. Nr. 148 bzw. 175, jeweils mit Farbabb.; Achberg 2007 (Schloss Achberg), Hermann Stenner 1891-1914, Von Bielefeld nach Meersburg - Ein Maler an der Schwelle zur Moderne, Kat. Nr. 147 bzw. 149, jeweils mit Farbabb. Literatur Hans Georg Gmelin, Hermann Stenner 1891 - 1914, München 1975, Werkkatalog S. 146, G150 bzw. S. 148, G173 (Bilderliste Hans Hildebrandt, Stuttgart 1918, Maschinenschrift, Nr. 145); Hans-Michael Herzog, Farbigkeit im Spannungsfeld von Komposition und Intuition. Zum Malerischen Werk von Hermann Stenner, in: Ausst. Kat. Hermann Stenner, Kunsthalle Bielefeld 1991, S. 20, 22 sowie S. 93 mit ganzseitiger Farbabb. (Christuskopf) Bereits 1913, im Alter von 22 Jahren, kann Hermann Stenner bemerkenswerte Erfolge verzeichnen, es ergeben sich für ihn in diesem Jahr zahlreiche Ausstellungsmöglichkeiten. 1913 eröffnet Oskar Schlemmer in Stuttgart eine kleine Avantgarde-Galerie, die Eröffnungsausstellung zeigt einzig Werke von Schlemmer, Stenner und Willi Baumeister. Darüber hinaus beteiligt er sich an der „Juryfreien Kunstschau“ in Berlin und kann in München im „Neuen Kunstsalon“ von Max Dietzel ausstellen, außerdem nimmt er an Ausstellungen in Halle, Essen und Bielefeld teil. Ein Jahr zuvor, 1912, entsteht mit dem „Heiligen Antonius“ das erste religiöse Bild Stenners. Es steht am Beginn einer Reihe von Gemälden mit christlichem Inhalt, im Laufe derer sich Stenner immer mehr in die Thematik hineinversetzt und einen individuellen, expressiven Stil findet. Die bildliche Auseinandersetzung mit religiösen Themen gipfelt 1914 in seiner Beteiligung an den Wandbildern für die Kölner Werkbundausstellung, die er zusammen mit Schlemmer und Baumeister ausführt, und die das Leben der Heiligen Ursula zum Thema haben. 1913 ist für Stenner ein Schaffensjahr, das von heftiger Bildrhythmik und intensiver Farbigkeit mit starken tonalen Kontrasten geprägt ist. Diese Charakteristika kulminieren in dem hier vorgestellten „Christuskopf“. Das Werk zeigt höchste Expressivität, die in blau und schwarz ausgeführte Halbfigur des Schmerzensmannes verdeutlicht sein Leiden auf das Innigste. Das frontal in die Bildmitte gesetzte Gesicht hat etwas Maskenhaftes, die Augen liegen in tiefen Höhlen - tatsächlich ist Stenner fasziniert von Masken und übernimmt eine maskenhafte Abstrahierung und farbliche Verfremdung von Gesichtern auch in einigen seiner Porträts, etwa in den im gleichen Jahr entstandenen Gemälden „Grüne Frau mit gelbem Hut“ und „Frau mit Masken“. In starkem Farbkontrast zu der Figur Christi steht die sein Haupt umgebende Gloriole in Gelb und Orange, die den Umraum zu einem leuchtenden Grün aufhellt. Von gänzlich anderem Charakter zeigt sich das ein Jahr später entstandene „Damenbildnis“ auf der Leinwandrückseite, es gehört zu den letzten Gemälden Stenners. Bei der Porträtierten handelt es sich um Clara Bischoff, die Freundin des Malers. Die 21-jährige Tänzerin ist in mehreren Werken dieser Zeit verewigt. „Das ätherische ‚Damenbildnis (Studie in Blau)', für das auch Clara Modell stand, malte er auf die Rückseite des im Vorjahr entstandenen Gemäldes ‚Christuskopf', das mit seiner ungewöhnlichen Blautonigkeit und holzschnitthaften Leidensmimik zu den expressivsten Werken des Künstlers gehört. Doch das Gegenteil geschieht bei dem rückseitigen Frauenkopf, den er ikonenhaft in eine irreale Sphäre des Erscheinungshaften entrückt und von ziehenden Wolken überschatten lässt, so dass er mit dem durchsichtigen Blau des Äthers eins zu werden scheint.“ (Karin von Maur, in: Ausst. Kat. Schloss Achberg 2007, op. cit., S. 116). Hermann Stenner Christuskopf. Verso Damenbildnis (Studie in Blau) Oil on canvas, each. 64,5 x 46,8 cm. Framed. Unsigned. - Mounted on newer stretcher; with sliight craqueleur at places. Hülsewig-Johnen/Reipschläger 148 resp. 175 Provenance From the artist's estate, Erich Stenner, Bielefeld; West German private collection (approx. since 1970s), familiy possession Exhibitions Bielefeld 1956 (Städtisches Kunsthaus Bielefeld), cat. no. 188 resp. 250; Bielefeld/ Albstadt/ Sindelfingen 1991 (Kunsthalle Bielefeld/ Städitsche Galerie Albstadt/ Galerie der Stadt Sindelfingen), Hermann Stenner 1891-1914, cat. no. 35 with colour illus.; Bielefeld 2003 (Kunsthalle Bielefeld), Hermann Stenner: Gemälde 1909-1914, cat. no. 148 resp. 175, each with colour illus.; Achberg 2007 (Schloss Achberg), Hermann Stenner 1891-1914, Von Bielefeld nach Meersburg - Ein Maler an der Schwelle zur Moderne, cat. no. 147 resp. 149, each with colour illus. Literature Hans Georg Gmelin, Hermann Stenner 1891 - 1914, Munich 1975, Werkkatalog p. 146, G150 resp. p. 148, G173 (Picture list Hans Hildebrandt, Stuttgart 1918, typoscript, no. 145); Hans-Michael Herzog, Farbigkeit im Spannungsfeld von Komposition und Intuition. Zum Malerischen Werk von Hermann Stenner, in: exhib. cat. Hermann Stenner, Kunsthalle Bielefeld 1991, p. 20, 22 and p. 93 with full-page colour illus. (Christuskopf) In 1913, at the age of 22, Hermann Stenner was already registering remarkable successes, and that year brought him numerous opportunities to exhibit his work. Oskar Schlemmer opened a little avant-garde gallery in Stuttgart in 1913: the opening exhibition exclusively presented works by Schlemmer, Stenner and Willi Baumeister. He additionally participated in the “Juryfreie Kunstschau” in Berlin and was able to exhibit his work in Munich at Max Dietzel's “Neuer Kunstsalon”; his work was also included in exhibitions in Halle, Essen and Bielefeld. One year earlier, in 1912, Stenner had created his first religious painting: “Heiliger Antonius”. It stood at the beginning of a group of paintings featuring Christian content, in the course of which Stenner projected himself ever more strongly into his subject matter and found his way to an individual, expressive style. His pictorial engagement with religious themes reached a peak in 1914 with his contribution to the wall paintings for Cologne's Werkbund exhibition, which he carried out together with Schlemmer and Baumeister and whose theme was the life of Saint Ursula. In Stenner's oeuvre, the year 1913 is defined by forceful pictorial rhythms and intense colour schemes featuring strong tonal contrasts. These characteristics culminated in the “Christuskopf” presented here. This work displays an extreme expressiveness: the half-length figure of the Man of Sorrows realised in blue and black conveys his passion in the most intimate manner. The face situated frontally in the centre of the painting has a mask-like quality, the eyes lie within deep cavities - Stenner was, in fact, fascinated by masks and he also adopted a mask-like abstraction and chromatic denaturalisation of the faces in a few of his portraits, for example, in the paintings “Grüne Frau mit gelbem Hut” and “Frau mit Masken” created in the same year. The aureole in yellow and orange, which surrounds the head of Christ and brightens the surrounding space into a glowing green, contrasts strongly with the colours in the figure o
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Drawings, watercolours and pastels
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Modern Art
50667 Köln - Germany
06/01/2018
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