Lot no. 60
Horst Antes (Heppenheim 1936 – lebt in Karlsruhe und Castellina/Chianti)
„Figur mit 2 Mündern“. 1970-72
Aquatec auf Leinwand. 130,5 × 100,5 cm ( 51 ⅜ × 39 ⅝ in.). Rückseitig betitelt, bezeichnet, datiert und signiert: Figur mit 2 Mündern Aquatec 1970–72 Antes.
Mehlstäubler 1972-5.–
[3542]
Provenienz: Galerie Lutze, Friedrichshafen / Galerie Schlichtenmaier, Grafenau / Privatsammlung, Sachsen
Ausstellung: Horst Antes, Metallplastiken. Darmstadt, Kunstverein, in der Kunsthalle am Steubenplatz, 1976 / Bilder, Plastiken, Zeichnungen aus oberschwäbischem Besitz. Ravensburg, Städtische Galerie im Alten Theater, 1978 / Horst Antes. Bilder, Aquarelle, Zeichnungen 1960–1979. Friedrichshafen, Galerie Bernd Lutze, 1980 / Horst Antes. Dreiundfünfzig Bilder – Dreiunddreißig Sammler aus Süddeutschland. Villingen-Schwenningen, Städtische Galerie, und Bad Säckingen, Kunstverein Hochrhein, 1987, Kat.-Nr. 23, Farbabb. eines früheren Zustands in Komplementärfarben / Horst Antes. Arbeiten von 1958–2000. Grafenau, Galerie Schlichtenmaier, 2000, Kat.-Nr. 8, ganzseitige Farbabb. S. 15 / Stuttgart, Galerie Schlichtenmaier, 2005 / 60 Jahre, 60 Werke. Kunst aus der Bundesrepublik Deutschland 1949–2009. Berlin, Martin-Gropius-Bau, 2009, S. 146, Farbabb. S. 134 u. 330, ganzseitige Farbabb. S. 147
Als Horst Antes die „Figur mit 2 Mündern“ malt, ist der 35-Jährige auf einem frühen Höhepunkt seiner Laufbahn angelangt. Zweimal schon war er zur documenta nach Kassel eingeladen, 1964 und 1968. Ein drittes Mal sollte anlässlich der documenta VI im Jahr 1977 folgen. Dazu kamen internationale Anerkennung und Erfolge wie der Preis für Malerei, den Antes 1966 auf der Biennale von Venedig erhalten hatte. Wie man an unserem Bild eindrucksvoll sehen kann, schöpft er in diesen Jahren künstlerisch aus dem Vollen. Die „Figur mit 2 Mündern“ weist all jene Merkmale auf, deretwegen man ihn so hoch schätzt. Die Körperlichkeit seines Kopffüßlers ist von nahezu haptischer sinnlicher Qualität. Wulste, Rundungen, zwei Hände und – wie der Titel nahelegt – zwei Profile erkennt man dort und auch ein männliches Geschlechtsteil. Alles ist prall an dieser Figur, von Leben und Energie durchpulst. Das große Auge, das den Betrachter direkt ins Visier nimmt, wirkt wie ausgeschnitten und nachträglich wieder eingesetzt. Es schaut einen an wie das eines Elefanten oder eines Wals, ein unmissverständliches, aber rätselhaftes Lebenszeichen aus einer anderen Daseinswelt.
Das Kolorit, das Antes der „Figur mit 2 Mündern“ gegeben hat, unterstützt und fördert den Eindruck des Vitalen im Bild. Obwohl die Palette eher zurückgenommen und auf wenige Töne – Ocker, Gelb, Blau und das Beige im Hintergrund – beschränkt ist, leuchten die Farben frisch und unverbraucht, als hätte der Maler sie gerade erst aufgetragen. An seinen „Kopffüßlern“ arbeitete der in Heppenheim in Südhessen geborene Künstler ab dem Beginn der 1960er-Jahre. Er war damit, beeinflusst durch Willem de Kooning, einer der ersten Maler, die gegen die bis dahin vorherrschende Abstraktion des Informel opponierten und mit gegenständlichen, wiedererkennbaren Motiven reagierten. Der Maler und Kunstkritiker Hans Platschek fand dafür später den Begriff der „Neuen Figuration“. Wie alle von Antes' Kopffüßlern, diesen gedrungenen Profilfiguren ohne Hals und Oberkörper, ist auch die „Figur mit 2 Mündern“ Porträt, Symbol und Zeichen zugleich. Und es ist deswegen auch nicht zufällig, dass diese im Lauf der Jahre immer stärkere Parallelen zur Pop-Art aufwiesen. Bei dem gebürtigen Hamburger Richard Lindner, der 1940 in die USA emigrierte, ist eine ganz ähnliche Annäherung zu beobachten.
Es gehört zu Antes' Virtuosität, dass er das vermeintliche Schema seiner Kopffüßler-Form auch hier durchbricht und psychologisch fein differenziert auflädt. Die „Figur mit 2 Mündern“ scheint auf jeden Fall über ein bemerkenswertes Spektrum an Charaktereigenschaften zu verfügen. Während der eine Mund redet, grinst der andere – ein bei Antes eher seltener humoristischer Moment, der einem diesen Riesen ausgesprochen sympathisch macht, wie er da in bestem Einvernehmen mit sich selbst barfuß durch die grüne Hügellandschaft streift. UC
Horst Antes (Heppenheim 1936 – lives in Karlsruhe and Castellina, Chianti)
„Figur mit 2 Mündern“. 1970-72
Aquatec on canvas. 130,5 × 100,5 cm ( 51 ⅜ × 39 ⅝ in.). On the reverse titled, inscribed, dated and signed: Figur mit 2 Mündern Aquatec 1970–72 Antes.
Mehlstäubler 1972-5.–
[3542]
Provenienz: Galerie Lutze, Friedrichshafen / Galerie Schlichtenmaier, Grafenau / private collection, Saxony
Ausstellung: Horst Antes, Metallplastiken. Darmstadt, Kunstverein, in der Kunsthalle am Steubenplatz, 1976 / Bilder, Plastiken, Zeichnungen aus oberschwäbischem Besitz. Ravensburg, Städtische Galerie im Alten Theater, 1978 / Horst Antes. Bilder, Aquarelle, Zeichnungen 1960–1979. Friedrichshafen, Galerie Bernd Lutze, 1980 / Horst Antes. Dreiundfünfzig Bilder – Dreiunddreißig Sammler aus Süddeutschland. Villingen-Schwenningen, Städtische Galerie, and Bad Säckingen, Kunstverein Hochrhein, 1987, cat. no. 23, colour ill. of an earlier state in complimentary colours / Horst Antes. Arbeiten von 1958–2000. Grafenau, Galerie Schlichtenmaier, 2000, cat. no.8, full-page colour ill. p. 15 / Stuttgart, Galerie Schlichtenmaier, 2005 / 60 Jahre, 60 Werke. Kunst aus der Bundesrepublik Deutschland 1949–2009. Berlin, Martin-Gropius-Bau, 2009, p. 146, colour ill. p. 134 and 330, full-page colour ill. p. 147
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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