Lot no. 3012
Jan Frans van Bloemen (genannt „Orizzonte“) (Antwerpen 1662 – 1749 Rom)
ARKADISCHE LANDSCHAFT MIT RÖMISCHEN MONUMENTEN. Um 1730
Öl auf Leinwand. Staffagefiguren wohl von Placido Costanzi (1702–1759). 93,5 x 131 cm ( 36 ¾ x 51 ⅝ in.). Rückseitig auf dem Keilrahmen: 207297/I.
WV Busiri Vici 1968, Nr. 239.–
Doubliert. [3001]
Provenienz: 1940 Galerie Sanct Lucas, Wien / 1941 Sammlung Kurt Rohde, Berlin / Sammlung Elisabeth Rohde, Berlin
Quelle Sammlung Rohde-Hinze: Quittung Galerie Sanct Lucas - Carl Herzig & Co, Wien, 15. Oktober 1941, 3.000 RM / Lagerbuch Nr. 217 (1941)
Literatur und Abbildung: Auktionskatalog: Gemälde alter und neuerer Meister, Dorotheum, Wien, 4. Juli 1940, Los 25, Tafel 4 (als Holländischer Romanist, Zuschlag 900 RM) / Andrea Busiri Vici: Orizzonte. Jan Frans van Bloemen. E l’origine del paesaggio romano settecentesco, Œuvre-Katalog, Rom 1974, Kat.-Nr. 200, Abb. 239, S. 211
Rom war seit der Renaissance der Sehnsuchtsort der Nordeuropäer. Den Holländer Frans van Bloemen zog die Stadt am Tiber so sehr in ihren Bann, daß er nach seiner ersten Reise hierhin, 1685, sogar Römer wurde und die Stadt nie mehr verließ. Mehr noch: Die Landschaften der Stadt wurden sein wichtigstes Sujet. Deren blautönige Hintergründe brachten dem Maler das Epitheton „Orizzonte“ ein.
Seine Bilder, die in der Via Babuino entstanden, erreichten schnell die Aristokratie der Stadt. Neben den Colonna, Doria Pamphilj, Pallavicini, Borghese und Corsini arbeitete „Orizzonte“ aber auch für die englischen „artisti-ciceroni-antiquari“ Mariette und Crozat, die die Fürsten des Nordens und wohlhabenden Reisenden der Grand Tour mit römischen Veduten und sogenannten Capricci ausstatteten.
Ganz im Sinne dieses lustvollen Regelverstoßes (capriccio: ital. für Laune), kombinierte van Bloemen auch in unserem Bild eine Campania-Landschaft mit einer Kirche Roms. Er reduzierte auf das Wahrscheinliche: So führt die Brücke scheinbar zur Kirche und dem Campanile von S. Giorgio al Velabro, einer Kirche, die im wirklichen Rom im Straßengewirr des Marktviertels steht. Wie eine Festung ragen im Mittelgrund das Colosseum und am Horizont die Türme der Villa Medici hervor.
Die Bauten der Ewigen Stadt fanden unidealisiert in der ideal enthobenen Landschaft Platz und sollten erkannt werden: Denn „dergleichen Erfindungen gehören nur für scharfsinnige Köpfe (ingenio) / welche ihre Freude haben / wann sie alle Schwierigkeiten heben / und mehr denn einen gemeinen Verstand zeigen können“, so Andrea Pozzo (1642–1709).
Auf die Leinwand brachte „Orizzonte“ neben all dem Gegenständlichen seine unverwechselbare Lichtstimmung, was die Künstler Roms schon immer bewegt hatte: vor dem blautönigen Himmel, wo die sich auflösende Hitze die Luft zum Flirren bringt, taucht der Maler Stadt und Staffage in das orange Abendrot, das die Lokalfarben durchdringt und in ersten Schattentönen die Nacht erahnen läßt. Hier steht van Bloemen ganz in der Tradition Nicolas Poussins (1594–1665).
Trotz all des Beobachteten ist auch unsere Landschaft Phantasiewelt, ein arkadisches Capriccio, wie es Francesco Algarotti beschrieb: „ein neues Genre der Malerei [...], das darin besteht, einen Ort nach der Natur zu wählen, um ihn dann mit schönen Bauten auszustatten, die von hier oder von da genommen oder einfach ideal, der Phantasie entsprungen sind. Auf diese Weise werden Kunst und Natur vereint, und man könnte miteinander verkuppeln, was das eine mehr an Studium, ausgesucht Verfeinertem, das andere mehr an Einfachheit besitzt“ (1759 an Prospero Pesci). (SK)
In einer Kopie eines venezianischen Rahmens des 18. Jahrhunderts (106 x 144 cm).
Jan Frans van Bloemen (known as „Orizzonte“) (Antwerp 1662 – 1749 Rome)
ARCADIAN LANDSCAPE WITH ROMAN MONUMENTS. Circa 1730
Oil on canvas. Figures presumably by Placido Costanzi (1702–1759). 93,5 x 131 cm ( 36 ¾ x 51 ⅝ in.). On the reverse on the stretcher: 207297/I.
Catalogue raisonné: Busiri Vici 1968, no. 239.–
Relined. [3001]
Provenienz: 1940 Galerie Sanct Lucas, Vienna / 1941 collection Kurt Rohde, Berlin / collection Elisabeth Rohde, Berlin.
Source, collection Rohde-Hinze: Receipt Galerie Sanct Lucas - Carl Herzig & Co, Vienna, 15 October 1941, 3.000 RM / book inventory no. 217 (1941)
Literatur und Abbildung: Auction catalogue: Gemälde alter und neuerer Meister, Dorotheum, Vienna, 4 July 1940, lot 25, plate 4 (as Holländischer Romanist, hammer price 900 RM) / Andrea Busiri Vici: Orizzonte. Jan Frans van Bloemen. E l’origine del paesaggio romano settecentesco, catalogue raisonné, Rome 1974, cat. no. 200, ill. 239, p. 211
In a copy of an 18th century Venetian frame (106 x 144 cm).
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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