Lot no. 43
Jeanne Mammen (1890 – Berlin – 1976) „Nächtliche Kudamm-Bank“. Um 1929 Aquarell, Tuschpinsel und Bleistift auf Bütten, auf Karton aufgezogen. 43,4 × 36,5 cm ( 17 ⅛ × 14 ⅜ in.). Oben rechts signiert: J. Mammen. Auf der Rückpappe Etiketten zur Ausstellung Berlin 1979, Emden 1991 und Bremen 2008 (s. u.). Döpping /Klünner A 325.– [3427] Provenienz: Galerie Brockstedt, Hamburg / Privatsammlung, Berlin Ausstellung: Jeanne Mammen. Aquarelle Paris, Brüssel vor 1915, Berlin 20er-Jahre, Hamburg, Galerie Brockstedt, 1971, Kat. -Nr. 79 / Jeanne Mammen/Hans Thiemann. Berlin, Staatliche Kunsthalle, 1979, Kat.-Nr. 4 (betitelt: Ku'damm-Bank) / Jeanne Mammen - Köpfe und Szenen 1920-1933. Emden, Kunsthalle Stiftung Henri Nannen; Leverkusen, Städtisches Museum, Schloß Morsbroich; Hannover, Wilhelm-Busch-­Museum; Saarbrücken, Saarland Museum, Gelsen­kirchen, Städtisches Museum, 1991/92, Kat.-Nr. 42 / Jeanne Mammen 1890-1976. Berlin, Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur; Ulm, Ulmer Museum; Cottbus, Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus, Museum für zeitgenössische Kunst, Fotografie und Plakat, 1997/98, Kat.-Nr. 94 / Jeanne Mammen – Nur ein Paar Augen sein. Bremen, Ludwig Roselius ­Museum, 2008 Literatur und Abbildung: Ulk 39, 1929, 58. Jg., Farbabb. o.S. (unter dem Titel: Zeitgemäß) Die Malerin und Zeichnerin Jeanne Mammen (1890-1976) ist als Chronistin des Berliner Lebens wohlbekannt. Mit ihren Aquarellen und Zeichnungen hat sie einen unverwechselbaren Beitrag zur Großstadtkunst jener schillernden und von sozialen Gegensätzen geprägten Dekade geleistet. Straßenlaternen und Schaufenster beleuchten den dunklen Großstadtboulevard. Drei modisch gekleidete Frauen sitzen nebeneinander im Licht. Die beiden jüngeren scheinen sich zu kennen, eine wendet sich im Gespräch der anderen zu. Mit ihren Schlitzaugen und Stupsnasen, ihren leichten, kurzen Kleidern und seidenbestrumpften Beinen gehören sie zum Typus der „kunstseidenen Mädchen“, denen Irmgard Keun 1930 ein literarisches Denkmal setzte. Sie haben sich auf der Bank so breit gemacht, dass die Dritte sich gerade noch dazuquetschen kann. Bildet ihr fülliger, matronenhafter Typus einen starken Kontrast zu den beiden Girls, so kann sie durchaus modisch mithalten, indem sie eine eng anliegende Kappe mit kleiner Feder auf dem Kopf trägt und auf ihrem Schoß ein winziges Hündchen hält, kaum größer als ihre handtellergroße Tasche. Sie sitzt still da, aber ihr Blick aus halb geschlossenen, leicht verdrehten Augen offenbart, dass sie hört, was neben ihr getuschelt wird. Mit wenigen Strichen und äußerst sparsamer Farbigkeit schafft Mammen Atmosphäre. Sie nutzt die Valeurs der schwarzgrauen Aquarellfarbe, kontrastiert sie mit dem hellen Papiergrund und setzt mit Rot für Haar und Fell Akzente. Schmeichelnd umreißt ihr Stift die schlanken Körper, duftigen Kleider, die schönen Beine. Spröde und spitz hingegen wird er, wenn die Zeichnerin Gehässigkeit, Klatschsucht oder den vergeblichen Versuch, mittels modischer Accessoires, wie Hut und Schoßhund, auf „mondän“ zu machen, aufs Korn nimmt. Jeanne Mammen schuf Arbeiten wie diese für sati­rische Zeitschriften und illustrierte Beilagen von Tages­zeitungen. Allerdings gingen im Zeitungsdruck die delikate Farbigkeit und die differenzierte Form, die ihre Aquarelle auszeichnen, meistens verloren. Das Aquarell erschien im September 1929 ganzseitig im „Ulk“, der Beilage des „Berliner Tageblatts“, versehen mit einem tagespolitischen Witz: Unter dem Titel „Zeitgemäß“ war zu lesen: „Wat sagste, Frieda is aus Lüneburg? Na, auf die Bombe sollte die Polizei auch mal ‘ne Pupille werfen!“ Eine Anspielung auf das Bomben­attentat, das norddeutsche Bauernverbände am 1. September 1929 auf den Reichstag verübt hatten. Annelie Lütgens Jeanne Mammen (1890 – Berlin – 1976) „Nächtliche Kudamm-Bank“. Circa 1929 Watercolour, brush and India ink and pencil on laid paper, laid down on cardboard. 43,4 × 36,5 cm ( 17 ⅛ × 14 ⅜ in.). Signed upper right: J. Mammen. On the cardboard backing labels of the exhibition Berlin 1979, Emden 1991 and Bremen 2008 (see above). Döpping /Klünner A 325.– [3427] Provenienz: Galerie Brockstedt, Hamburg / Privatsammlung, Berlin Ausstellung: Jeanne Mammen. Aquarelle Paris, Brüssel vor 1915, Berlin 20er-Jahre, Hamburg, Galerie Brockstedt, 1971, cat. no. 79 / Jeanne Mammen/Hans Thiemann. Berlin, Staatliche Kunsthalle, 1979, cat. no. 4 (titled: Ku'damm-Bank) / Jeanne Mammen - Köpfe und Szenen 1920-1933. Emden, Kunsthalle Stiftung Henri Nannen; Leverkusen, Städtisches Museum, Schloß Morsbroich; Hannover, Wilhelm-Busch-­Museum; Saarbrücken, Saarland Museum, Gelsen­kirchen, Städtisches Museum, 1991/92, cat. no. 42 / Jeanne Mammen 1890-1976. Berlin, Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur; Ulm, Ulmer Museum; Cottbus, Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus, Museum für zeitgenössische Kunst, Fotografie und Plakat, 1997/98, cat. no. 94 / Jeanne Mammen – Nur ein Paar Augen sein. Bremen, Ludwig Roselius ­Museum, 2008 Literatur und Abbildung: Ulk 39, 1929, 58. vol., colour ill. no page numbers (under the title: Zeitgemäß)
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Drawings, watercolours and pastels
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Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
12/01/2016
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