Lot no. 129
Johan Christian Clausen Dahl (1788 Bergen – 1857 Dresden)
Rückenfigurstudie (Portrait des Kronprinzen Christian Frederik von Dänemark in Neapel?). 1821
Öl auf Papier auf Karton. 20 × 16 cm ( 7 ⅞ × 6 ¼ in.). Unten rechts signiert und datiert: Dahl d. 20. Jan. 1821. Rückseitig vom Sohn Siegwald Dahl mit Feder in Braun beschriftet.
Bang 292.–
[3442]
Provenienz: Nachlaß des Künstlers / Siegwald Dahl, Dresden / D. Hildisch, Oslo (um 1900, danach in Familienbesitz) / Le Claire Kunst, Hamburg (bis 2009) / Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Minneutstilling. J. C. Dahl 1788–1857. Kopenhagen, Blomqvist Kunsthandel, 1926, Kat.-Nr. 5 / J. C. Dahl&apos s Verk. Oslo, Kunstnernes Hus, 1937, Kat.-Nr. 175 / Katalog Nr. 24: Johan Christian Dahl 1788–1857. Zehn Ölskizzen. Hamburg, Le Claire Kunst, 2009, Kat.-Nr. 2, mit Farbabbildung
Die Rückenfigur ist das Symbol der Kunst der Dresdner Romantik – und die innere Einkehr und Andacht ist ihre bevorzugte Geisteshaltung gegenüber dem Wunder Natur. In dieser kleinen Studie von Johan Christian Dahl, dem engsten Malerfreund und Hausgenossen von Caspar David Friedrich, wird dieses Motiv aber um eine überraschende Geste ergänzt. Um einen Arm, der erhoben ist, um dem Betrachter zu zeigen: Schau! Es ist in diesem Fall die Schönheit Italiens, die den Herrn im schwarzen Zylinder zu dieser mitreißenden Geste veranlaßt – und darin steckt eben in der Tat eine sehr schöne kunsthistorische Pointe. Es geht also nicht mehr nur um das Abgleichen der äußeren mit den inneren Bildern, nicht um die völlige Ergriffenheit der „Männer in Betrachtung des Mondes“ – sondern um eine Natur, die den Menschen, der sie betrachtet, aus der Reserve lockt.
Die Studie ist eigentlich nur eine Vorarbeit – und zwar für das bedeutende Gemälde Dahls aus dem Museo di Capodimonte in Neapel, „Villa Quisisana von einer Terrasse aus gesehen mit fünf Mitgliedern des Hofstaates“, das Dahl 1820/21 im Auftrag des dänischen Kronprinzen Christian Frederik als Geschenk für König Ferdinand IV. von Neapel malte (siehe die Zusatzabbildung). Aber es ist eben zugleich wegen dieses kunsttheoretischen Hintergrundes auch ein symbolisches Bild aus eigener Kraft – und das sah der Künstler natürlich auch selbst. Die ausgestreckte Hand des Herrn im schwarzen Anzug mit weißem Schal, Stock und Zylinder weist auf die Villa Quisisana auf dem gegenüber-liegenden Hügel.
Das ausgeführte Gemälde ist auf den 20. Oktober 1820 datiert, tatsächlich wurde es aber erst Ende Januar 1821 vollendet, denn in Dahls Tagebuch befindet sich zwischen dem 15. und 26. Januar 1821 folgender Eintrag: „In diesen Tagen beendete ich die Ansicht von Quisisana für den Prinzen“. Genau in dieser Zeit ist also auch unsere Studie entstanden. Vermutlich wurde zunächst die Landschaft fertiggemalt, in die zuletzt die Figuren im Vordergrund integriert wurden. Auch zu den übrigen vier Figuren existieren Öl-Studien, die Dahl erst zwischen dem 20. und 28. November 1820 angefertigt hatte.
In dem „Fortegnelse over mine Arbeider“ betitelten Notizbuch, in dem Dahl seine zwischen 1817 und 1823 entstandenen Arbeiten auflistete, schrieb er zu dem Gemälde: „In Neapel, ausgeführt für Prinz Christian I großes Kabinettstück mit einer Darstellung des Palastes Quisisana mit dem Prinzen und dem Rest der Gesellschaft als Staffage“. Dahl erwähnt ausdrücklich, daß auch der Prinz auf dem Bild dargestellt ist, womit nur der Mann im Profil oder der zeigende Mann in Frage kommen, und, wie auch Marie Lødrup Bang in ihrem Werkverzeichnis vorschlägt, es ist wahrscheinlich, daß Christian Frederik von Dänemark in der auf den Palast zeigenden Figur dargestellt ist.
Dahls künstlerisches Schaffen war schon früh vom dänischen Königshaus gefördert worden. Als der Prinz im Frühjahr 1819 zur obligatorischen Grand Tour nach Italien aufbrach, stattete er Dahl einen Besuch in Dresden ab. Im Mai 1820 erhielt Dahl dann die Einladung zu ihm nach Italien zu kommen. Der Kronprinz hatte die am Golf von Neapel gelegene Villa Quisisana bezogen, die ihm König Ferdinand IV. von Neapel für seinen Aufenthalt zur Verfügung gestellt hatte. Dahl machte sich am 13. Juni 1820 auf den Weg und kam am 11. August in Neapel an. In dieser Zeit lernte er auch den dort ansässigen Maler Franz Ludwig Catel kennen, mit dem er gemeinsam Ölstudien nach der Natur malte. Am 3. Februar 1821 verließ Dahl Neapel, er blieb noch bis Juni in Rom und kam am 27. Juli 1821 wieder in Dresden an. Von da an kehrte er Italien den Rücken zu. FI
Johan Christian Clausen Dahl (1788 Bergen – 1857 Dresden)
Study of a figure from behind (portrait of Crown Prince Christian Frederik of Denmark in Naples?). 1821
Oil on paper on cardboard. 20 x 16 cm ( 7 ⅞ x 6 ¼ in.). Signed and dated lower right: Dahl d. 20. Jan. 1821. On the reverse inscribed in pen and brown ink by the artist&apos s son Siegwald Dahl.
Bang 292.–
[3442]
Provenienz: Estate of the artist / Siegwald Dahl, Dresden / D. Hildisch, Oslo (circa 1900, thereafter in family collection) / Le Claire Kunst, Hamburg (until 2009) / private collection, northern Germany
Ausstellung: Minneutstilling. J. C. Dahl 1788–1857. Copenhagen, Blomqvist Kunsthandel, 1926, cat. no. 5 / J. C. Dahl&apos s Verk. Oslo, Kunstnernes Hus, 1937, cat. no. 175 / catalogue no. 24: Johan Christian Dahl 1788–1857. Zehn Ölskizzen. Hamburg, Le Claire Kunst, 2009, cat. no. 2, colour illustration
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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