Lot no. 141
Johan Christian Clausen Dahl (Bergen 1788 – 1857 Dresden) „Die Oder nahe Swinemünde im Mondlicht“ („The Oder near Swinemünde in Moonlight“). 1839 Öl auf Papier, auf Holz aufgezogen. 7,3 × 12 cm ( 2 ⅞ × 4 ¾ in.). Unten links signiert (ligiert) und datiert: JDahl 1839. Bang Bd. II, Nr. 900, und Bd. III, Abb. Tf. 383.– [3137] Provenienz: Frau Kammerherr von Coopmanns, Dresden–Brüssel / Kunsthandel Neumeister & Gräf, München / Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt (am 8.6.1953 bei Neumeister & Gräf erworben; Inv.-Nr. 1004) / Privatsammlung, Norddeutschland / Sammlung Prof. Dr. Jens Christian Jensen, Hamburg Literatur und Abbildung: Uwe Tellkamp: Ein Dresdner Abend mit Clausen Dahl. In: Grisebach. Das Journal. Heft 6, Berlin 2016, S. 46-49, m. Farbabbildung S. 49 Dahl kam im Herbst 1839 auf der Rückreise aus seinem Heimatland Norwegen nach Dresden durch Stettin und auch durch Swinemünde. Damals entstanden wenigstens zwei kolorierte Bleistiftskizzen, die er unmittelbar vom Deck des Schiffes aus zeichnete. Sie sind wohl bei der Einfahrt von der Ostsee in die Swine – nicht in die Oder, wie Dahl angibt – entstanden. Die beiden Skizzen sind auf den 8. Oktober 1839 datiert und auch signiert: Eine von ihnen zeigt bereits die nahe am Wasser stehende Mühle, die auf alten Stadtplänen von Swinemünde nachzuweisen ist, sowie die summarisch wiedergegebene Stadtsilhouette. Aber die Skizzen waren erst der Anfang der vielfältigen Verarbeitung dieses Motivs durch den Dresdner Künstler: Nur zwei Monate später fertigte Dahl, wohl schon im Atelier in Dresden, am 18. und 24. Dezember 1839 zwei Ölstudien „als Erinnerung an meine Reise auf Deck unweit Schwinemünde“. Die Materialträger der Ölstudien waren sowohl Karton wie auch Papier. Bei der ersten Studie handelt es sich um das hier angebotene Werk (Los 141). Dahl hat die kleinformatige, skizzenhaft angelegte Ölstudie in Deutschland eingeführt. Es fällt jedoch auf, dass diese Ölstudien oftmals Komposite sind. Das bedeutet, dass Dahl hier einzelne Details der Bleistiftskizzen vereinigt und zusätzlich mit rein fiktionalen Elementen bereichert. Es handelt sich also in diesem Fall nicht um Freilichtskizzen. So beruht der Kirchturm von Swinemünde links auf einer Erfindung Dahls, da er in Wirklichkeit erst viel später und in anderer Form entstanden ist. Dieses Verfahren des Pasticcio ist zeittypisch und wurde etwa auch von Caspar David Friedrich – Dahls Freund und seit 1820 auch sein Wohnungsnachbar in Dresden – häufig angewandt. Die Landschaft ist jetzt kein wie auch immer vorgegebenes Arrangement mehr, in das eine Person eintritt, sondern sie nimmt im Gegenteil erst dadurch Gestalt an, dass eine Person sie imaginiert. Alle diese Studien scheinen ihrerseits Vorbild gewesen zu sein für das 54,5 mal 82 Zentimeter messende Gemälde „Swinemünde bei Mondschein“, das Dahl 1840 schuf und das heute im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald aufbewahrt wird. Das romantische Nachtstück, in den von den Skizzen bereits bekannten dunklen Farbtönen in Gelb, Rot und Braun gehalten, gehört dort zu den wichtigsten Werken der Sammlung (Abb.). Mit seinen Mondscheinbildern von Swinemünde greift Dahl ein Verfahren auf, das in den fiktionalen Landschaften der holländischen Malerei bereits einen Höhepunkt erfahren hatte, etwa in den Mondscheinlandschaften des Niederländers Aert van der Neer (1603/4–1677), die auch sonst Pate für diese Nachtstücke Dahls gestanden haben. Die Wertschätzung der altniederländischen Malerei um 1830, die sich etwa auch bei Georg Friedrich Hegel äußert, erfährt daher bei Dahl einen eindrucksvollen Beleg. Entsprechend wurden solche Nachtstücke von Dahl häufiger als nur einmal gemalt, insbesondere im Spätwerk tauchen sie wiederholt auf. So wurde die Stadt Dresden bei Nacht von Dahl immer wieder in zahlreichen Varianten und unterschiedlichen Größen gemalt. Kilian Heck Johan Christian Clausen Dahl (Bergen 1788 – 1857 Dresden) „Die Oder nahe Swinemünde im Mondlicht“ („The Oder near Swinemünde in Moonlight“). 1839 Oil on paper, laid down on panel. 7,3 × 12 cm ( 2 ⅞ × 4 ¾ in.). Signed (joined) and dated lower left: JDahl 1839. Bang vol. II, no. 900, and vol. III, ill. pl. 383.– [3137] Provenienz: Frau Kammerherr von Coopmanns, Dresden–Brussels / Kunsthandel Neumeister & Gräf, Munich / Collection Georg Schäfer, Schweinfurt (acquired from Neumeister & Gräf on June 8, 1953; inv. no. 1004) / Private collection, Northern Germany Literatur und Abbildung: Uwe Tellkamp: Ein Dresdener Abend mit Clausen Dahl. Grisebach. Das Journal. Issue 6, Berlin 2016, pp. 46-49, colour illustration p. 49
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Art du 19e siècle
10719 Berlin - Germany
11/30/2016
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