Lot no. 447
John Linnell - womöglich in Zusammenarbeit mit Christoph Fürlohg und George Haupt (1729 London – 1796 London)
Bibliothekstisch – Library Table. Um 1765/70
Verschiedene Edelhölzer auf Mahagoni; feuervergoldete Bronzen, Schreibplatte aus Nadelholz mit goldgeprägtem schwarzen Leder überzogen; zwei Schlüssel. 81 × 172 × 74,5 cm ( 31 ⅞ × 67 ¾ × 29 ⅜ in.).
[3202]
Provenienz: 1980er Jahre Kunsthandlung Frank Partridge, London / Privatsammlung, Schweiz
Französisch oder englisch? Auf den ersten Blick französisch anmutend, wird dem Betrachter beim l.ngeren Hinschauen deutlich, da. der prächtige Bibliotheksschreibtisch offensichtlich ein englisches Möbel ist.
Das Vorbild für diesen Typus lieferte der Pariser Ebenist René Dubois (1737-1799), dessen Bureaux Plats im Entwurf dem unseren gleichen. Besonders französisch muten der Fries aus oktogonaler Einlegearbeit und die Bronze-Festons an den Beinen an, die dem Möbel etwas Antikisches verleihen. Doch die Konstruktion komplett aus Mahagoni, die filigranen Bronzen und besonders das Schild in der Mitte der Zarge mit der aus Ebenholz, Satinholz und Elfenbein eingelegten Vase im Adam-Stil machen den englischen Bezug offensichtlich.
Unser sog. Library Table, der in einer prächtigen Bibliothek eines englischen Landhauses nicht fehlen durfte, entstand vermutlich in der Firma des angesehenen Tischlers John Linnell in London. Die Firma des Vaters William und seines Sohnes John Linnell avancierte rasch zu einem gefragten Lieferanten für qualitätsvolles Mobiliar der h.heren englischen Kreise. Da französische Möbel auch in London sehr begehrt waren, ging Linnell eine kluge Kooperation mit den Tischlern Christopher Fürlohg (später der Hoflieferant des Prince of Wales) und George Haupt (später der Hoflieferant für den König von Schweden) ein. Beide schwedischer Herkunft, waren sie 1766/67 aus Paris nach London gekommen und waren bestausgebildete Meister ihres Fachs, vertraut mit der so begehrten französischen Möbelkunst.
Aufgrund stilistischer Eigenheiten können wir diesen Schreibtisch auf die Zeit von 1765–70 datieren, als Linnells Firma mit Haupt und Fürlohg große Projekte für den Bankier Robert Child (1738–1782) ausführte. Ab 1760 war der epochenprägende Robert Adam (1728–1792) Architekt des Child-Anwesens Osterley Park bei London, der auch für die Innengestaltung verantwortlich war. Erhaltene Möbel aus Osterley Park belegen die Autorschaft Linnells und erlauben stilistisch die Annahme, daß auch unser Schreibtisch in diesem Zusammenhang zu sehen ist. PG
Vergleichsliteratur: Helena Hayward und Pat Kirkham: William and John Linnell. Eighteenth Century London Furniture Makers, London 1980
John Linnell - possibly in collaboration with Christoph Fürlohg and George Haupt (1729 London – 1796 London)
Library table. Circa 1765/70
Various precious woods on mahogany; gilt bronze, writing surface of pinewood clad with gold embossed black leather; two keys. 81 × 172 × 74,5 cm ( 31 ⅞ × 67 ¾ × 29 ⅜ in.).
[3202]
Provenienz: 1980s art dealership Frank Partridge, London / private collection, Switzerland
Related literature: Helena Hayward and Pat Kirkham: William and John Linnell. Eighteenth Century London Furniture Makers, London 1980
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