Lot no. 657
Jonas Burgert Kleinmann II Öl auf Leinwand. 140 x 120 cm. Rückseitig auf der Leinwand signiert, datiert und betitelt '-Kleinmann II - 2011 Jonas Burgert'. vgl. Schreiber/Wipplinger 16 Provenienz Privatsammlung, Sachsen Das Gemälde "Kleinmann" ist ursprünglich 2005 von Jonas Burgert gemalt worden. Nachdem dieses einen irreparablen Schaden erlitten hatte, hat der Künstler es 2010/2011 neu gemalt und das Werk rückseitig betitelt "Kleinmann II". Ein entsprechendes Schreiben des Künstlers liegt bei. „Mein Hauptinteresse gilt dem Phänomen Mensch, der Problematik seiner Selbstbestimmung. Der Mensch weiß nicht, was ein Mensch ist. Wir haben keinen Maßstab, wir müssen unsere Koordinaten ununterbrochen neu bestimmen. In dieser Selbstreflexion sind wir permanent auf der Suche. Wir sind eben nicht nur instinktive Wesen. Die daraus resultierende Unsicherheit führt zu dem Bedürfnis, sich einzubetten. Wir verkleiden uns, ordnen uns einer Kultur, einer Zeremonie, einem Ritus, einer Mode, einer Religion unter. Ich weiß nicht, wie viele zigtausend Götter die Menschen erfunden haben, um sich darin zu finden. Anders als Tiere hadern Menschen mit ihrer Existenz, ihrer Definition. Diesem Phänomen gilt mein Interesse. Wenn man einen Affen sieht, sieht er aus wie ein Affe, oder ein Hund sieht aus wie ein Hund. Doch ein Mensch sieht nicht aus wie ein Mensch, er ist verkleidet und trägt die Insignien seiner jeweiligen Kultur. Dieses Phänomen interessiert mich in der gesamten Menschheitsgeschichte, weshalb ich auch sehr archaische Figuren benutze. Das Bemalen der Haut als Bestandteil einer Stammeskultur vor fünftausend Jahren unterlag doch vielleicht dem gleichen Bedürfnis: dem Bedürfnis nach geistiger Repräsentanz - nach einem Selbstbild. Dem Wunsch, sich in einen größeren Zusammenhang einzubetten. Ich hoffe, mit meinen Figuren ein Symbol für den Menschen zu malen. Mein Interesse gilt nicht dem realen Individuum, sondern dessen geistigen Grenzbereichen, wobei das archaische, das innere und auch das illusionistische Prinzip gilt. Stellvertretend für ein Individuum können zehn figürliche Zustände formuliert werden.“ (Jonas Burgert im Gespräch mit Heinz Dietz, in: Jonas Burgert, Schutt und Futter, Ausst.Kat. Kestnergesellschaft Hannover, Köln 2013, S.22) Jonas Burgert Kleinmann II Oil on canvas. 140 x 120 cm. Signed, dated and titled '-Kleinmann II - 2011 Jonas Burgert' verso on canvas. Cf. Schreiber/Wipplinger 41 Provenance Private collection, Saxony Jonas Burgert originally painted the painting Kleinmann in 2005. Following irreparable damage, the artist repainted it in 2010/2011 and titled it Kleinmann II verso. A letter from the artist to this effect is attached. „My main interest lies in the phenomenon of the human being and the problem of his self-determination. Man does not know what man is. We do not have a criterion; we have to continuously redetermine our coordinates. In this reflection of the self we are permanently searching. We are not simply instinctive beings. We disguise ourselves; take on a subordinate role to a culture, a ceremony, a rite, a trend, a religion. I don't know how many thousands of Gods man has invented in order to find himself in God. Contrary to animals, man quarrels with his fate, his definition. It is this phenomenon I am interested in. When you see a monkey, he looks like a monkey, or a dog looks like a dog. But a man does not just look like a man; he is disguised and bears the insignia of his respective culture. This phenomenon is interests me with regards to the entire history of humanity, which is why I use very archaic figures. The painting of skin as an element of a tribal culture five thousand years ago may well have been governed by the same desire: the desire for spiritual representation - of self-perception. The desire to be part of a greater context. With my figures, I hope to paint a symbol for man. My interest does not relate to the actual individual but rather to his spiritual twilight zone, whereby the archaic, the inner, and the illusionary principle also apply. Ten figurative states representing an individual can be formulated. (Jonas Burgert im Gespräch mit Heinz Dietz, in: Jonas Burgert, Schutt und Futter, exhib.cat. Kestnergesellschaft Hannover, Cologne 2013, p.22)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art Contemporain I
50667 Köln - Germany
06/04/2016
Offered by Kunsthaus Lempertz
+49-(0)221-925729-0