Lot no. 159
Josef Rebell (Wien 1787 – 1828 Dresden)
ANSICHT DER STADT VIETRI MIT DEM BLICK AUF RIETI UND DEN MEERBUSEN VON SALERNO. Nach 1819
Öl auf Leinwand. Doubliert. 78 x 104 cm ( 30 ¾ x 41 in.).
Kleine Retuschen. [3287]
Provenienz: Galerie Schneider, München (1956) / Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Literatur und Abbildung: Kunstversteigerung. Wien, Dorotheum, 27.5. 1947, Kat.-Nr. 131, Abb. Tf. 12 (dort als eigenhändiges Werk von Josef Rebell, 79 x 106 cm) / Hertha Lischke: Josef Rebell (1787–1828). Leben und Werk. Innsbruck, Universität, Diss., 1956, S. 130 (unser Bild als eine der drei eigenhändigen Varianten), Abb. 23 / Gemälde aus der Sammlung Dr. Georg Schäfer. Düsseldorf, Christie’s, 31.1.2000, Kat.-Nr. 34, mit Farbabbildung (dort ohne Kenntnis der Provenienz noch „Josef Rebell zugeschrieben“)
Die Amalfi-Küste südlich von Neapel wurde von den Romantikern als Bildmotiv entdeckt. Ewig blauer Himmel, eine ungemein üppige Natur, hohe Felsen, die steil zum Meer abfallen und malerische Küstenstädtchen, die sich in die zerklüfteten Felsen hinein schmiegen prägen bis heute das Bild der „costiera amalfitana“ am Golf von Salerno. Der Wiener Maler Joseph Rebell, der von 1813-1815 in Neapel und dann bis 1824 in Rom war, hat an dieser Entdeckung Anteil. Die malerische Qualität des Gemäldes, das sich bis heute in seinem österreichischen Originalrahmen aus der Zeit um 1820 befindet, ist außerordentlich hoch. Es bezieht seinen Reiz aus der subtilen Beleuchtung, die von der leicht verschatteten Vordergrundpartie mit ihren vielen Grüntönen über den mit hellen Lichtern rythmisierten Mittelgrund bis zum sich verblauenden Hintergrund reicht, in dem der Gebirgszug im ruhig warmen Strahlen der Sonne liegt. Ganz in der klassischen Tradition Claude Lorrains hat Rebell das Gemälde aufgebaut und aus dem Hintergrund heraus beleuchtet. Der Vordergrund mit seinem detailreichen Pflanzenstudien leitet durch figürliche Staffage italienischer Landbevölkerung in den Mittelgrund über, in dem der Blick jäh in das Tal hinab fällt und von der kleinteiligen Bebauung Vietris aufgefangen wird. Eine ältere Frau hält Andacht vor einem Bildstock und ein Hirte treibt seine Herde in die Stadt hinab – eine geradezu antike Szene, welche die berühmten Verse Vergils aus der X. Ekloge aufsteigen lässt: „Geht, der Abendstern blinkt, ihr seid satt, geht heim, meine Ziegen!“ – „ite domum saturae, venit Hesperus, ite capellae.“ Es ist die klassische Landschaft Vergils, die Rebell hier in romantischen Geist gestaltet und damit eine antik-christliche Kulturlandschaft entworfen hat. Hinter der Stadt am Fuße des Monte San Liberatore eröffnet sich ein grandioses Panorama auf die Bergkette und den Golf von Salerno. Rebell war fraglos klassizistisch geschult, doch bereichert er seine ideal wirkende Landschaft mit topographischen Details und einer genau studierten Vegetation, was einen neuen, an der Wirklichkeit geschulten Blick auf die Natur erahnen lässt, wie er sich in eben jenen Jahren bei der jüngeren Generation der deutschen Landschaftsmaler durchsetzte. Verschiedene Landschaften mit Motiven von der Amalfi-Küste sind von Rebell bekannt, unter ihnen die vorliegende Ansicht des Städtchens Vietri sul Mare, die er offenbar viermal angefertigt hat. Im Wiener Belvedere befindet sich das 1819 entstandene Schlüsselwerk, eine kleinere Replik in der Berliner Nationalgalerie, eine weitere Replik aus dem Innsbrucker Ferdinandeum verbrannte 1931 im Münchner Glaspalast. Bei unserem Bild handelt es sich offenkundig um das vierte Exemplar, das 1947 im Dorotheum in Wien versteigert wurde (Auktion vom 27.5.1947, Los Nr. 131). Hertha Lischke, die das Werk im Original gesehen hat, hat es in ihrem Werkverzeichnis von 1956 (Joseph Rebell. Leben und Werk. Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (masch. Man.) als eine der drei eigenhändigen Varianten Rebells beschrieben, die der Künstler von seinem Gemälde im Belvedere gemalt hat.
Michael Thimann, Göttingen
Wir danken Dr. Karin Rhein, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, für freundliche Hinweise zur Provenienz.
In der originalen Rahmung um 1820.
Josef Rebell (Vienna 1787 – 1828 Dresden)
ANSICHT DER STADT VIETRI MIT DEM BLICK AUF RIETI UND DEN MEERBUSEN VON SALERNO. After 1819
Oil on canvas. Relined. 78 x 104 cm ( 30 ¾ x 41 in.).
Minor retouchings. [3287]
Provenienz: Galerie Schneider, Munich (1956) / the Georg Schäfer collection, Schweinfurt / private collection, North Rhine-Westphalia
Literatur und Abbildung: Kunstversteigerung. Wien, Dorotheum, 27.5. 1947, cat. no. 131, ill. pl. 12 (there as a work solely by Josef Rebell, 79 x 106 cm) / Hertha Lischke: Josef Rebell (1787–1828). Leben und Werk. Innsbruck, University dissertation, 1956, p. 130 (our picture as one of the three variations executed by the artist), ill. 23 / Gemälde aus der Sammlung Dr. Georg Schäfer. Düsseldorf, Christie’s, 31.1.2000, cat. no. 34, with colour illustration (there, without knowledge of the provenance, still labelled as attributed to Josef Rebell)
We would like to thank Dr. Karin Rhein, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, for kindly providing information regarding provenance.
In the original frame of 1820
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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