Lot no. 744
Joseph Beuys (Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf)
„SCHLITTEN“. 1969
Holzschlitten, Filz, Gurte, Stablampe, Fett. Ca. 90 x 30 x 33 cm ( 35 ⅜ x 11 ¾ x 13 in.). Mit Ölfarbe gestempelt (Braunkreuz).
Schellmann 12.–
Eines von 50 numerierten Exemplaren. Galerie René Block, Edition 18, Berlin 1969 (mit dem Metall-Schild). Lampe stellenweise mit Korrosionsspuren. [3557]
Provenienz: Galerie René Block, Berlin / Privatsammlung, Berlin (1969 erworben)
Auszug aus: Fragen an Joseph Beuys. Jörg Schellmann, Bernd Klüser. Teil I Dezember 1970
Schellmann, Klüser: Ich glaube, daß bei dem großen Objekt mit dem VW-Bus und dem Rudel von Schlitten, die aus dem Bus kamen, die Schlitten gerade von diesem Rudelcharakter lebten, also davon, daß sie in der Menge auftraten. Warum haben Sie den Schlitten noch mal isoliert als einzelnes Multiple gemacht?
Beuys: Ja, erstens ist das Objekt nicht isoliert, sondern die Edition bildet ein viel größeres Rudel als bei dem VW-Bus. Warum soll das Rudel ewig zusammenbleiben? Das Rudel kann sich ja auch verlaufen. Also, es läuft auseinander. Das finde ich auch genauso richtig, als daß es zusammenbleibt. In dem großen Environmentstück gehört es ja zum Bus und muß beim Bus bleiben, aber die Editionsschlitten hatten ja gar nicht den Bus, dieses Element, das das Zusammenbleiben notwendig macht. Durch den Bus mit den Schlitten wird ein Gelände und eine Landschaft provoziert, in der das Rudel lebt. Bei der Edition hingegen gibt es keinen Bezugspunkt zum Raum, sondern die sind einfach in sich gemacht, aber sie existieren auch jetzt noch als Rudel.
S, K: Ihr „Urschlitten“ lebte davon, daß er aus Materialien bestand, die schon verbraucht waren, die das Gefundene mehr betonen, das, was schon irgendeine Funktion erfüllt hatte. Warum benutzen Sie bei dem Schlitten, der als Auflageobjekt erschien, vorgefertigte, fabrikneue Teile? Liegt das am Wesen der Multiplikation?
B: Ja, ja, man kann einfach sagen, der Urschlitten – es gibt ja viele Urschlitten –, der, den Schmela hatte, war ein Einzelstück und ist auch viel älter. Aber er ist nicht nur gefunden, er ist auch von mir benutzt worden. Mit diesem Schlitten habe ich wirklich sehr viel gemacht. Ich habe zum Beispiel an diesem Schlitten einen Drachen befestigt und bin damit tagelang sozusagen über die Rheinwiesen geschlittert – also der Schlitten war auf dem Boden, und der Drachen hat den Schlitten gezogen, über Pfützen hinweg und so weiter. Dadurch ist er überhaupt erst entstanden, daß ich mit ihm Experimente gemacht habe, vor allem mit den Kindern. Danach habe ich mir den Schlitten verwahrt und habe ihn fixiert mit dem Fett. Es gibt da eben nur den einen. Bei der Edition sind es mehrere ... Deswegen meine ich, man soll den willkürlichen Charakter der Editionen betonen, nicht den geplanten. Es kann mal ein vorgefertigtes Fabrikat sein, was man verändert, und es kann auch mal ganz anders sein.
(In: Joseph Beuys. Die Multiples. Werkverzeichnis der Auflagenobjekte und Druckgraphik 1965-1986. Jörg Schellmann (Hrsg.), München/New York, Ed. Schellmann, 1992, Seite 16)
Joseph Beuys (Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf)
„SCHLITTEN“. 1969
Wooden sled, felt, straps, flashlight, grease. Approx. 90 x 30 x 33 cm ( 35 ⅜ x 11 ¾ x 13 in.). Stamped with oil paint (Braunkreuz).
Schellmann 12.–
One of 50 numbered copies. Galerie René Block, Edition 18, Berlin 1969 (with the metal tag). Lamp in places with marks of corrosion. [3557]
Provenienz: Galerie René Block, Berlin / Private collection, Berlin (acquired in 1969)
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Sculpture and bronzes
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