Lot no. 125
Julius von Leypold (Dresden 1806 – 1874 Niederlößnitz) Nebel über einem russischen Friedhof. Um 1830 Öl auf Pappe. 26,2 × 42,1 cm ( 10 ⅜ × 16 ⅝ in.). Mit Bestätigungen von Prof. Dr. Werner Sumowski, Stuttgart, vom 27. Juli 1997 und von Prof. Dr. Hans Joachim Neidhardt, Dresden, vom 31. März 2017.– [3291] Ausstellung: Caspar David Friedrich und Umkreis. Hamburg, Galerie Hans, 2006, Kat.-Nr. 32, mit Abbildung Die „Dresdner Romantik“, das war aus der Sicht der Nachgeborenen lange nur Caspar David Friedrich. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, daß unser im Nebel versinkender Friedhof lange Zeit als ein Werk von der Hand des Meisters galt. Doch über die letzten Jahrzehnte hat sich durch intensive Forschungsarbeit und große Ausstellungen unser Wissen über die erste Dresdner Romantikergeneration erheblich erweitert: Wir gewinnen einen immer besseren Überblick über die Bedeutung und künstlerischen Eigenständigkeit von Carl Gustav Carus, Ernst Ferdinand Oehme und eben Carl Julius von Leypold. Als ihm Werner Sumowski unsere Landschaft vor zehn Jahren zuschrieb, war das noch eine kunsthistorische Pionierleistung. Sumowski selbst hatte Leypold 1971 in einem Aufsatz überhaupt erst als eigenständige Künstlerfigur aus dem Schatten Friedrichs treten lassen. Unser Bild des „Russischen Friedhofs im Nebel“ ist künstlerisch am verwandtesten mit Leypolds „Kirchhofseingang“ aus dem Jahre 1832 (siehe die Vergleichsabbildung), wo ebenfalls auf einen detaillierten Vordergrund ein Nebelraum folgt, in dem die Perspektive aussetzt. Wie Leypold das künstlerisch löst, macht unser Gemälde nach Einschätzung von Hans-Joachim Neidhardt zu einem „Hauptwerk des Künstlers“. Er betont: „Diese Schilderung des aufsteigenden Nebels ist von einer Sensibilität der Beobachtung, die außerordentlich ist und rückt Leypold nachdrücklich in die erste Reihe der Dresdner Romantiker.“ Man könne, so Neidhardt, an diesem Gemälde genau erkennen, welche Faszination die Nebellandschaften Friedrichs auf Leypoldt ausgeübt habe. Im Gegensatz zum allgemeinen Publikum, das genau diesen Aspekt des Friedrichschen Schaffens ablehnte, weil von ihnen eine zu große Schwermütigkeit ausgehe. Diese Melancholie kennzeichnet natürlich auch dieses Gemälde Leypolds, allein schon thematisch durch die Friedhofsszenerie, aus der die Nebel aufsteigen wie leise Wolken. Aber wie der Künstler dies kompositorisch und malerisch löst, demonstriert seine Meisterschaft – auf engstem Raum entsteht ein wehmütiges romantisches Stimmungsbild, das von vergangenen Zeiten und auch von einer vergangenen Zukunft zu erzählen scheint. Ein Gemälde von größtmöglicher Zeitlosigkeit – obwohl es ja mit den Grabsteinen scheinbar das ultimative Motiv der Endlichkeit zeigt. Es gibt, worauf Sumowski und Neidhardt hinweisen, natürlich auch den „anderen“ Leypold, den genauen Architekturmaler. In unserem Bild aber gehen beide nicht davon aus, daß es sich um einen konkreten russischen Friedhof handelt, sondern, gemäß des romantischen Symbolismus, um eine Ideallandschaft, komponiert aus verschiedenen Versatzstücken, um ein Nachdenken über Tod und Auferstehung in Gang zu setzen: „Die Sonne, die gerade im Nebel über den Gräbern zu erscheinen beginnt, soll dem Betrachter Gewissheit künftigen ewigen Lebens vermitteln“, so Werner Sumowski. Das Bild verbindet Leypolds stupendes künstlerisches Vermögen in der realistischen Schilderung, das er von seinem zweiten Dresdner Lehrer, Johan Christian Clausen Dahl, gelernt hatte mit der subtilen Tiefe Friedrichs zu einem neuen Ganzen. Die Bäume, die kahl in den Himmel ragen, scheinen ebenso aus dem Boden zu wachsen wie die Grabkreuze, eines davon ist abgebrochen, als sei es ein morscher Baum, Gotteswerk und Menschenwerk scheinen von einem Holze, nach hinten in die unendlichen Weiten des Bildraums verdichten sich die Grabkreuze wie zu einem undurchdringlichen Wald. Florian Illies Wir danken Prof. Dr. Hans Joachim Neidhardt, Dresden, für freundliche Hinweise. Julius von Leypold (Dresden 1806 – 1874 Niederlößnitz) Clouds over a Russian graveyard. Circa 1830 Oil on cardboard. 26,2 × 42,1 cm ( 10 ⅜ × 16 ⅝ in.). With confirmations by Prof. Dr. Werner Sumowski, Stuttgart, dated 27 July 1997 and by Prof. Dr. Hans Joachim Neidhardt, Dresden, dated 31 March 2017.– [3291] Ausstellung: Caspar David Friedrich und Umkreis. Hamburg, Galerie Hans, 2006, cat. no. 32, with illustration We would like to thank Prof. Dr. Hans Joachim Neidhardt, Dresden, for kindly providing additional information.
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Drawings, watercolours and pastels
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Art du XIXe
10719 Berlin - Germany
05/31/2017
Offered by Grisebach
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