Lot no. 59
KANOLDT, ALEXANDER
1881 Karlsruhe - 1939 Berlin
Amaryllis II. 1932. Öl auf Leinwand. 60,5 x 77cm. Signiert unten rechts: Kanoldt. Signiert und datiert auf dem Keilrahmen verso oben: Kanoldt 1932. Rahmen.
Wir danken Herrn Dr. Michael Koch, München, für die freundliche wissenschaftliche Unterstützung und Bestätigung der Authentizität dieser Arbeit.
Provenienz:
Privatsammlung Rheinland-Pfalz (direkt vom Künstler erworben)
Ausstellungen:
Deutsches Museum, München 1932, Kat.-Nr. 1850
Stillleben nehmen im Werk Alexander Kanoldts eine herausragende Position ein. Durch sein Festhalten an der Dinghaftigkeit der äußeren Bildwelt entwickelt er hier in den 1920er Jahren eine stilisierte Ausdrucksweise, die ihn nicht nur zum Vorbild für die Maler der "Neuen Sachlichkeit" macht, sondern auch zu einem der wichtigsten Vertreter dieser Stilrichtung. Ohne erzählerische oder dekorative Details gibt er mit nüchternem Blick in "realistischer" Darstellungsweise alltägliche Gegenstände wie beispielsweise Topfpflanzen, Krüge, Kästchen und Bücher, meist auf einem Tisch arrangiert, wieder.
Wie bei "Amaryllis II" trügt jedoch der erste Blick auf die uns so bekannten Dinge. Denn trotz ihrer plastischen Präsenz verleiht Kanoldt ihnen etwas Unwirkliches. Dies erreicht er durch eine gedämpfte Farbgebung von erdigen Brauntönen und matten Grünnuancen, zu denen er nur das Rot der Amaryllisblüte in Kontrast setzt, sowie durch den glatten Farbauftrag. Zudem erwirkt er mittels der Diagonalen, die sich aufgrund der Anordnung von Tisch, Regalbrettern, Büchern und Fenster- bzw. Türrahmen ergeben, eine eigenwillige, über die Bildgrenzen hinausführende Dynamik. Diese Spannung forciert er nicht zuletzt durch die diffusen Raumverhältnisse. Dergestalt ist die von der Szenerie ausgehende Ruhe nicht das, was sie zu sein scheint: ein "stilles Leben".
Etwas Beklemmendes und Unheimliches, geht von dem Bild aus. Hierin mögen Kanoldts Empfindungen angesichts der unruhigen Zeiten der 1920er und 1930er Jahren zum Ausdruck kommen. So konzentriert er sich in seinen Stillleben auf ein ganz privates und sehr eingegrenztes Thema und umkreist "malend die kleine Welt eines Zimmerausschnitts, repräsentiert durch wenige Requisiten. [...] Ja es hat den Anschein, als wolle der Maler seinen Werken jene Ruhe künstlerisch und künstlich erzwingen, die außen wegen der augenblicklichen politischen und sozialen Konstellation unmöglich zu finden war." (Bartsch, Ingo: Die trügerische Stille des Seins - zu den Stilleben Alexander Kanoldts, in: Ausst.-Kat. Alexander Kanoldt, Gemälde - Zeichnungen - Lithographien, Museum für Neue Kunst, Freiburg i.Br. u.a. 1987, S. 41).
KANOLDT, ALEXANDER
1881 Karlsruhe - 1939 Berlin
Amaryllis II. 1932. Oil on canvas. 60,5 x 77 cm. Signed lower right: Kanoldt. Signed and dated verso on the stretcher at the top: Kanoldt 1932. Framed.
We would like to thank Dr. Michael Koch, Munich, for his kind scientific support and the confirmation of authenticity of this work.
Provenance:
Private collection Rhineland-Palatinate (acquired directly from the artist)
Exhibition:
Deutsches Museum, Munich 1932, cat.no. 1850
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale