Lot no. 43
Karl Hartung (Hamburg 1908 – 1967 Berlin)
„Kore“. 1953
Bronze mit grünlicher Patina, auf Steinsockel montiert. Höhe (ohne Sockel): 204 cm ( 80 ⅜ in.). An der rechten Seite unten der Signaturstempel: HARTUNG. Rechts daneben der Gießerstempel und das Monogramm des Gießers Wilhelm Füssel: W.GEISLER BERLIN WF.
Werkverzeichnis: Krause 499.–
Guss zu Lebzeiten des Künstlers. Eines von insgesamt 7 Exemplaren. Witterungsspuren. [3323]
Provenienz: Privatsammlung, Süddeutschland
Kaum eine andere Plastik versinnbildlicht Karl Hartungs Verständnis vom Verhältnis von Mensch und Natur so überzeugend wie die von ihm 1953 geschaffene „Kore“. Was sehen wir? Eine schmale, straff gespannte vertikale Form, die, einer Pflanze gleich, dem von oben kommenden Licht entgegenzuwachsen scheint. Ihr symmetrischer, spiegelbildlicher Aufbau – die Vorderseite ist in der Mitte von einer feinen vertikalen Naht durchzogen – erinnert an einen jungen Keim, der gerade eine erste Teilung vollzogen hat. Noch sind alle Möglichkeiten offen. Wie mag die Entwicklung weitergehen? Entsteht ein Baum, oder – die sanfte Wölbung in der Mitte und die trapezförmige Verbreiterung oben lassen es vermuten –beginnt sich gar ein Mensch zu bilden?
Der Titel gibt einen Hinweis. Kore wird ursprünglich eine weibliche Gewandfigur in der antiken griechischen Bildhauerei genannt. Jeder kennt sie, die großen, frei nebeneinanderstehenden Statuen, die das Dach der Vorhalle des Erechtheions auf der Akropolis in Athen tragen. Aber Hartungs „Kore“ ist anders. Im Gegensatz zum antiken Vorbild fehlen ihr Kopf und Gewand. Karl Hartung sucht die von allen Zufälligkeiten entkleidete, reine Form, er will ein elementares Lebensprinzip sichtbar machen. Alles ist verbunden. Baum wird Säule wird Mensch wird Architektur. Die aufrecht stehende „Kore“ strahlt Würde aus, eine Würde, die sich erst im großen Zusammenhang der Natur erfüllt. Und Geist und Kultur? Auch sie sind Teil dieses umfassenden Naturbegriffs – dies ist der Grund, warum Hartung die „Kore“ wählte, als er Anfang der 1950er-Jahre den Auftrag für eine Skulptur für den Campus der Freien Universität in Berlin erhielt. Das dort aufgestellte Exemplar, welches jüngst restauriert wurde, steht in Dahlem wieder am angestammten Ort zwischen Garystraße und Van’t-Hoff-Straße. MKR
Ein Exemplar der „Kore" wurde 1956 auf der Biennale in Venedig ausgestellt.
Karl Hartung (Hamburg 1908 – 1967 Berlin)
„Kore“. 1953
Bronze with greenish patina, mounted on stone base. Height (without base): 204 cm ( 80 ⅜ in.). On the right side at the bottom the signature stamp: HARTUNG. Beside this to the right the foundry mark and the monogram of the foundry Wilhelm Füssel: W.GEISLER BERLIN WF.
Catalogue raisonné: Krause 499.–
Cast during the artist's lifetime. One from a total of 7 copies. Traces of weathering. [3323]
Provenienz: Private collection, Southern Germany
A copy of the "Kore" was exhibited at the Venice Biennale in 1956.
Pictures credits: Contact organization
Sculpture and bronzes
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