Lot no. 43
Karl Hofer (1878 Karlsruhe – 1955 Berlin)
„Sitzender Akt mit blauem Kissen“. 1927
Öl auf Leinwand. 95 × 82,7 cm ( 37 ⅜ × 32 ½ in.). Unten links monogrammiert: CH. Auf dem Keil-rahmen ein Etikett der Aktion „Entartete Kunst“, Nr. 15987.
Wohlert 751.–
Craquelé. [3460]
Provenienz: Galerie Alfred Flechtheim, Berlin / Ismar Littmann, Breslau (Inv.-Nr. 124) / beschlagnahmt durch die Gestapo (1935) und „als Zeitdokument zur Aufbewahrung unter Sekretion“ an die Nationalgalerie, Berlin, überstellt (1936) / 1937 beschlagnahmt durch die Reichskulturkammer / Entartete Kunst. Nr. 15987 / Kommissionär Karl Buchholz, Berlin (1941) / Hans H. Ranft, Oslo / Ranft, Erben / restituiert an Littmann, Erben / Privatsammlung, Berlin
Ausstellung: Carl Hofer und Ernesto de Fiori. Berlin, Galerie Alfred Flechtheim, 1927, Kat.-Nr. 18 (Sitzender weiblicher Akt) / Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, S. 12, Kat.-Nr. 97 / Kollektivausstellung Karl Hofer. Berlin, 55. Ausstellung der Berliner Secession in Gemeinschaft mit der Galerie Flechtheim, 1928, S. 16, Kat.-Nr. 80 / Karl Hofer. Zürich, Kunsthaus Z1929, S. 11, Kat.-Nr. 47 / Entartete Kunst. München, Hofgartenarkaden,u.a.O., 1937-39 / New York, Leo Baeck Institute, 2002
Literatur und Abbildung: Der Cicerone, 20. Jg., 1928, Nr. 13, S. 447 (abgebildet an der Wand des Arbeitszimmers Ismar Littmann) / Karl-Hofer-Ausstellung, in: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 256, 10.2.1929, S. [1] / Auktion 188. Berlin, Max Perl, 1935, Nr. 2477, S. 145 mit Abb. (Sitzender weiblicher Akt auf blauem Kissen) / Gegen den Kunstbolschewismus! In: Der Alemann, Freiburg i.Br., Nr. 192, 12.7.1935 (Hinweis auf die Gestapo-Beschlagnahme in Berlin) / Liste der Ausgestellten, in: Dt. Allg. Ztg. (Reichsausgabe), Nr. 340/341, 25.7.1937, Beibl. 2, S. [1] / Käthe Baumeister: A German Explains Art in the Third Reich. In: The Art Digest, Jg. 13, 15. Okt. 1938, S. 8 , Abb. / Maschinenschriftl. Inventar der Aktion „Entartete Kunst“, erstellt vom Reichsminist. f. Volksaufklärung u. Propaganda, 1941/42, unter Berlin, Nationalgalerie, lfd. Nr. 184 / Paul Ortwin Rave: Kunstdiktatur im Dritten Reich. Gebr. Mann Verlag, Hamburg 1949, S. 80 (Neuauflage hrsg. von Uwe M. Schneede, Argon-Verlag, Berlin 1987, S. 147, 158) / Franz Roh: „Entartete“ Kunst. Fackelträer Verlag, Hannover 1962, S. 130 / Annegret Janda: Die Gemälde und Bildwerke der Expressionisten im ehem. Kronprinzenpalais, in: Das Schicksal einer Sammlung. Staatl. Museen zu Berlin, 1986, S. 37, 44 / Mario- Andreas v. Lüttichau: Rekonstruktion der Ausstellung „EK“, in: Nationalsozialismus und „Entartete Kunst“. Bayerische Staatsgemälde-Sammlungen, München 1987, S. 129-131 / Andreas Hüneke: Die faschistische Aktion „EK“ in Halle. Halle 1987, Abb. S. 80 (Raumfoto aus der Ausst. „Entartet Kunst“ in München 1937) / Ausst.-Kat. „Degenerate Art“. Los Angeles, County Museum of Art, 1991, S. 257 / Annegret Janda: Kunst in Deutschland 1905-1937. Staatl. Museen zu Berlin, 1992, S. 120, Nr. 177, Abb. S. 121 / M. Henry: Geraubte Schönheit. In: Cicero. Magazin für politische Kultur, Hamburg, 2005, Nr. 10, S. 100 ff. m. Abb
In Deutschland nannte man sie die Goldenen Zwanziger, in Frankreich les Années folles, in England und den USA die Roaring Twenties. Bis sie mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 ihr jähes Ende fanden, standen die zwanziger Jahrezumindest in den großen Metropolen für viele für eine Epoche der Befreiung, des Amüsements und der künstlerischen Experimente. Männer legten Schminke auf, selbstbewußte junge Frauen, wie Karl Hofer hier eine portraitiert hat, schnitten sich die langen Haare zum Bubikopf. Auch für Hofer bedeuteten diese Jahre eine gute Zeit. Zum ersten Mal in seiner Laufbahn stellten sich dauerhaft Erfolge ein. Er wurde von renommierten Galerien vertreten und hatte Ausstellungen nicht nur in Berlin und München, sondern auch im Ausland, etwa im Carnegie Institute in Pittsburgh. Damals entwickelte Hofer seinen reifen Stil, wie er sich an dem Gemälde „Sitzender Akt mit blauem Kissen“ hervorragend zeigt. Die Flächigkeit der Darstellung, der trockene Farbauftrag, mit dem der Maler dessen pastose Materialität betont, das erdig abgetönte Kolorit, aus dem stets einzelne farbige Akzente hervorstechen – all das findet sich im „Sitzenden Akt“ in perfekter Harmonie vereint. UC
Karl Hofer (1878 Karlsruhe – 1955 Berlin)
„Sitzender Akt mit blauen Kissen“. 1927
Oil on canvas. 95 × 82,7 cm ( 37 ⅜ × 32 ½ in.). Monogrammed lower left: CH. On the stretcher a label of the "Entarteten Kunst“ exhibition, no. 15987.
Wohlert 751.–
Craquelure. [3460]
Provenienz: Galerie Alfred Flechtheim, Berlin / Ismar Littmann, Wrocław (inv. no. 124) / confiscated by the Gestapo (1935) and transferred to the Nationalgalerie Berlin as "Zeitdokument zur Aufbewahrung unter Sekretion" ["contemporary document for separate storage"] (1936) / 1937 confiscated through the Reichskulturkammer / Entarte Kunst no. 15987 / Commissioner Karl Buchholz, Berlin (1941) / Hans H. Ranft, Oslo / Ranft, heirs / restituted to the heirs of Littmann / private collection, Berlin
Ausstellung: Carl Hofer und Ernesto de Fiori. Berlin, Galerie Alfred Flechtheim, 1927, cat. no. 18 (Sitzender weiblicher Akt) / Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, p. 12, cat. no. 97 / Kollektivausstellung Karl Hofer. Berlin, 55. Ausstellung der Berliner Secession in Gemeinschaft mit der Galerie Flechtheim, 1928, p. 16, cat. no. 80 / Karl Hofer. Zürich, Kunsthaus Z1929, p. 11, cat. no. 47 / Entartete Kunst. Munich, Hofgartenarkaden, and other venues, 1937-39 / New York, Leo Baeck Institute, 2002
Literatur und Abbildung: Der Cicerone, vol. 20, 1928, no. 13, p. 447 (illustrated hanging in the study of Ismar Littmann) / Karl-Hofer-Ausstellung, in: Neue Zürcher Zeitung, no. 256, 10.2.1929, p. [1] / Auktion 188. Berlin, Max Perl, 1935, no. 2477, p. 145 with ill. (Sitzender weiblicher Akt auf blauem Kissen) / Gegen den Kunstbolschewismus! In: Der Alemann, Freiburg i.Br., no. 192, 12.7.1935 (reference to the Gestapo confiscation in Berlin) / Liste der Ausgestellten, in: Dt. Allg. Ztg. (Reich edition), no. 340/341, 25.7.1937, insert 2, p. [1] / Käthe Baumeister: A German Explains Art in the Third Reich. In: The Art Digest, vol. 13, 15 October 1938, p. 8 , ill. / Typed inventory of the “Entartete Kunst“ action, prepared by the Reich Propaganda Ministry, 1941/42, under Berlin, Nationalgalerie, no. 184 / Paul Ortwin Rave: Kunstdiktatur im Dritten Reich. Gebr. Mann Verlag, Hamburg 1949, p. 80 (new edition published by Uwe M. Schneede, Argon-Verlag, Berlin 1987, p. 147, 158) / Franz Roh: „Entartete“ Kunst. Fackelträer Verlag, Hannover 1962, p. 130 / Annegret Janda: Die Gemälde und Bildwerke der Expressionisten im ehem. Kronprinzenpalais, in: Das Schicksal einer Sammlung. Staatl. Museen zu Berlin, 1986, p. 37, 44 / Mario- Andreas v. Lüttichau: Rekonstruktion der Ausstellung „EK“, in: Nationalsozialismus und „Entartete Kunst“. Bayerische Staatsgemälde-Sammlungen, Munich 1987, p. 129-131 / Andreas Hüneke: Die faschistische Aktion „EK“ in Halle. Halle 1987, ill. p. 80 (interior view of the exhibition „Entartet Kunst“ in Munich 1937) / exh. cat. “Degenerate Art“. Los Angeles, County Museum of Art, 1991, p. 257 / Annegret Janda: Kunst in Deutschland 1905-1937. Staatl. Museen zu Berlin, 1992, p. 120, no. 177, ill. p. 121 / M. Henry: Geraubte Schönheit. In: Cicero. Magazin für politische Kultur, Hamburg, 2005, no. 10, p. 100 ff. with illustration
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