Lot no. 49
Karl Hofer (Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin) „Mädchen in der Dachkammer“. 1935 Öl auf Leinwand. 84,5 × 74 cm ( 33 ¼ × 29 ⅛ in.). Oben rechts monogrammiert und datiert (eingeritzt): CH35. Auf dem Keilrahmen Etiketten der Ausstellungen Köln 1961 und Berlin 1978 und des Lübecker Museums (s.u.). Wohlert 1114.– Rückseitig eine übermalte Komposition. [3298] Provenienz: Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V., Köln (erworben 1954, Inv.-Nr. 32/54; von 1955-1994 als Dauerleihgabe im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Behnhaus, Inv.-Nr. 1955/86) / Privatsammlung, Norddeutschland (seit 1995) Ausstellung: Karl Hofer. Halle (Saale), Galerie Henning, 1949, Kat.-Nr. 1, mit Abbildung („In der Mansarde“) / Gedächtnis-Ausstellung für Karl Hofer. Berlin, Hochschule für bildende Künste, und Karlsruhe, Badischer Kunstverein in Verbindung mit der Staatlichen Kunsthalle, 1956/57, Kat.-Nr. 77 („Mädchen in der Mansarde“) / ars viva, köln '61. Köln, Kulturkreis im BDI, 1961, S. 23, Kat.-Nr. 40 / Karl Hofer, 1878–1955. Berlin, Staatliche Kunsthalle, und Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1978, S. 173, Kat.-Nr. 99, und Abb. S. 125 Literatur und Abbildung: Gerhard Marcks: Carl Hofer, 1878–1955. In: Jahresring 55/56, S. 331-332, hier Abb. S. 332 / Dokumentation über die zehnjährige Tätigkeit des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V., Köln 1961, S. 41, Farbabb. S. 39 / Lübeck. Das Behnhaus. Bearb. v. Gustav Lindtke. Lübeck, 2. Aufl. 1967 (= Lübecker Museumshefte, Bd. 3), S. 56, Kat.-Nr. 54 / Museum Behnhaus. Das Haus und seine Räume. Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk. Lübeck, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, 3. Aufl. 1976 (= Lübecker Museumskataloge, Bd. 3), S. 68, Kat.-Nr. 82 / Ursula Feist: Karl Hofer. Berlin, Henschel­verlag, 1977 (= Welt der Kunst), S. 15 / Hans F. Schweers: Gemälde in deutschen Museen. Katalog der in der Bundesrepublik Deutschland ausgestellten Werke. München, New York, London, Paris, Saur ­Verlag, 1981, Bd. 1, S. 415 / Kirsten Muhle: Karl Hofer (1878-1955). Untersuchungen zur Werkstruktur. Lohmar/Köln, Josef Eul Verlag, 2000, S. 127 ff. u. S. 308, Abb. 14 Der 1878 in Karlsruhe geborene Maler und Grafiker Karl Hofer, der bei Hans Thoma und Leopold von Kalckreuth in Karlsruhe und Stuttgart seine Ausbildung erhielt, signierte seine Gemälde bereits seit 1910 mit „CH“ für Carl Hofer. Aufsätze und Artikel publizierte er dagegen zumeist als „Karl Hofer“. Der nationale Durchbruch gelang ihm nach seiner Übersiedlung nach Berlin, als er durch die Galerie Cassirer vertreten wurde und auch die Möglichkeit nutzte, bei Alfred Flechtheim auszustellen. 1923 wurde Hofer zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt. Zehn Jahre später, als die Nationalsozialisten die Regierung übernommen hatten, wurde er dort systematisch wieder herausgedrängt. Auch das Lehramt entzog man ihm, und bei der Schmähausstellung „Entartete Kunst“ waren seine Werke prominent vertreten. In etwa diese Zeit fällt auch die Entstehung dieses Gemäldes einer jungen, unbekleideten Frau mit kinnlangen, dunklen Haaren. Sie sitzt aufrecht an einem schlichten Tisch und hat den Kopf auf die rechte Hand gestützt. Lebendigkeit und Farbe gewinnt das Gemälde durch den bunten Blumenstrauß in der blauen Vase. Im Hintergrund erkennt man die Dachschräge mit dem Mansardenfenster, durch das man ein paar Häuser und die Spitze eines Kirchturms erkennt – vielleicht ein Verweis auf eine der Reisen Hofers ins Tessin. Das Bildnis des „Mädchens in der Dachkammer“ begeistert durch seine klare, ausgewogene Komposition und fesselt den Betrachter durch den bestechend scharfen Blick der jungen Frau, von dem man nicht genau sagen kann, ob er einen fixiert oder in die Ferne schweift. Trotz ihrer verletzlichen Nacktheit vermittelt die Frau große Stärke und Selbstbewusstsein. So entsteht eine Atmosphäre der Gegensätze und Ambivalenzen: Hofer kontrastiert mit dem Blumenstrauß und dem Blick durch das geöffnete Fenster auf die Häuser malerisch die Begriffe „Natur“ und „Architektur“. Unser Gemälde ist die fortgeschrittenste Fassung eines Sujets, das der Maler wiederholt variierte, wie in den ungefähr zur selben Zeit entstandenen Arbeiten „Mädchen in der Dachkammer„ (um 1935, Wohlert 1113) und „Warmer Abend“ (1935, Wohlert 1115). Auch den Blick aus dem Dachfenster wählte Hofer in seinen Bildern häufiger - er kannte die Situation aus Karlsruhe, wo seine Mutter viele Jahre in einer Mansardenwohnung gelebt hatte. GK Karl Hofer (Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin) „Mädchen in der Dachkammer“. 1935 Oil on canvas. 84,5 × 74 cm ( 33 ¼ × 29 ⅛ in.). Monogrammed and dated upper right (incised): CH35. On the stretcher labels of the exhibitions Cologne 1961 and Berlin 1978 and of the Lübecker Museum (see below). Wohlert 1114.– On the reverse an overpainted composition. [3298] Provenienz: Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V., Cologne (acquired 1954, inv. no. 32/54; from 1955-1994 as long-term loan in the Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Behnhaus, inv. no. 1955/86) / private collection, northern Germany (since 1995) Ausstellung: Karl Hofer. Halle (Saale), Galerie Henning, 1949, cat. no. 1, with ill. („In der Mansarde“) / Gedächtnis-Ausstellung für Karl Hofer. Berlin, Hochschule für bildende Künste, and Karlsruhe, Badischer Kunstverein in Verbindung mit der Staatlichen Kunsthalle, 1956/57, cat. no. 77 („Mädchen in der Mansarde“) / ars viva, köln '61. Cologne, Kulturkreis im BDI, 1961, p. 23, cat. no. 40 / Karl Hofer, 1878–1955. Berlin, Staatliche Kunsthalle, and Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1978, p. 173, cat. no. 99, and ill. p. 125 Literatur und Abbildung: Gerhard Marcks: Carl Hofer, 1878–1955. In: Jahresring 55/56, p. 331-332, here ill. p. 332 / Dokumentation über die zehnjährige Tätigkeit des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V., Cologne 1961, p. 41, colour ill. p. 39 / Lübeck. Das Behnhaus. ed. Gustav Lindtke. Lübeck, 2nd ed. 1967 (= Lübecker Museumshefte, vol. 3), p. 56, cat. no. 54 / Museum Behnhaus. Das Haus und seine Räume. Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk. Lübeck, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, 3rd ed. 1976 (= Lübecker Museumskataloge, vol. 3), p. 68, cat. no. 82 / Ursula Feist: Karl Hofer. Berlin, Henschel­verlag, 1977 (= Welt der Kunst), p. 15 / Hans F. Schweers: Gemälde in deutschen Museen. Katalog der in der Bundesrepublik Deutschland ausgestellten Werke. Munich, New York, London, Paris, Saur ­Verlag, 1981, vol. 1, p. 415 / Kirsten Muhle: Karl Hofer (1878-1955). Untersuchungen zur Werkstruktur. Lohmar/Cologne, Josef Eul Verlag, 2000, p. 127 ff. and p. 308, ill. 14
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Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
12/01/2016
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