Lot no. 31
Karl Schmidt-Rottluff (Rottluff 1884 – 1976 Berlin)
„Gasse in Cavigliano“. 1928
Aquarell und Tuschpinsel auf leicht genarbtem Fabriano-Velin. 78,2 × 56,5 cm ( 30 ¾ × 22 ¼ in.). Unten rechts signiert: SRottluff.
Das Aquarell ist registriert im Archiv der Karl und Emy Schmidt- Rottluff Stiftung, Berlin.–
[3465]
Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland
Nach der Auflösung der Künstlergruppe Brücke im Jahr 1913 entwickelte Karl Schmidt-Rottluff einen sehr persönlichen Stil: Manche seiner Gemälde aus den Zwanziger- und Drei-ßigerjahren wirken fast klassisch in der Art, wie sie Harmonie und Ausgewogenheit ausstrahlen.
Vielleicht lag es am Motiv, vielleicht auch an der notgedrungen wässrigen Farbe, die er hier verwendete, aber von großer Ruhe und Gelassenheit ist auf dem Aquarell dieser „Gasse in Cavigliano“ noch nicht viel zu entdecken. Der kleine Ort in den Bergen über dem Luganer See erinnert ein wenig an Prag – an die Stadt aus Paul Wegeners Stummfilm „Der Golem“ aus dem Jahr 1914: Rechte Winkel gibt es dort nicht, alles – die Mauern, die Fenster und Dächer der eng beieinanderstehenden Häuser im Dorf – ist schief und krumm. Der Boden scheint zu schwanken, und weil er keinen Halt bietet, kennt der Blick nur eine Richtung: nach oben, wo Gauben, Traufen und Firste keck in den Himmel greifen, den Schmidt-Rottluff in einem auffallend tiefen Blau malte.
Die besondere Eigenschaft der Aquarellfarbe machte sich der Maler auch bei den Fassaden zunutze. Man kann solche Sinneseindrücke natürlich auch in der Realität haben, gerade im Tessin. Aber wie der Künstler hier auf jedem Quadratzentimeter Dynamik in die Flächen bringt, ist meisterhaft – und Zeuge dessen zu werden ein großes Vergnügen. 1927 war Schmidt-Rottluff zum ersten Mal in die italienische Schweiz gereist. Die Umgebung muss ihn stark angeregt haben, denn schon damals waren dort wundervolle Bilder entstanden. Cavigliano mag auf unserem Aquarell den Anschein erwecken, als läge es träge und menschenleer in der Abendsonne. Doch der Künstlerort Ascona, die Lebensreformer-Kolonie am Monte Verità, das ganze turbulente Sommerfrischler-Leben der Zwanziger lag praktisch nur wenige Minuten entfernt. Wie unser aufregendes Aquarell zeigt, hat dieses Vibrieren der Avantgarde, das hier für einige kurze, wertvolle Jahre zu vernehmen war, mit Karl Schmidt-Rottluff auch ein vermeintlich unscheinbares Dorf in den Bergen erreicht. UC
Cavigliano liegt im Tessin, wo Schmidt-Rottluff zwischen 1927 und 1929 regelmäßig das Frühjahr verbrachte.
Karl Schmidt-Rottluff (Rottluff 1884 – 1976 Berlin)
„Gasse in Cavigliano“. 1928
Watercolour and brush and India ink on slightly textured Fabriano wove paper. 78,2 × 56,5 cm ( 30 ¾ × 22 ¼ in.). Signed lower right: SRottluff.
The watercolour is recorded in the archive of the Karl and Emy Schmidt- Rottluff Stiftung, Berlin.–
[3465]
Provenienz: Private Collection, Northern Germany
Cavigliano is in the Canton Ticino, Switzerland where Schmidt-Rottluff regularly spent the Spring times between 1927 and 1929
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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