Lot no. 239
Käthe Kollwitz (Königsberg 1867 – 1945 Moritzburg)
„Märzfriedhof“. 1913
Kohle und blauer Farbstift auf Ingres-Bütten. 31 × 25 cm (63,1 × 47,5 cm) ( 12 ¼ × 9 ⅞ in. (24 ⅞ × 18 ¾ in.)). Unten rechts mit Bleistift signiert: Käthe Kollwitz.
Nagel/Timm 713.–
Rückseitig: Skizze des gleichen Motivs. Kohle. Studie zur gleichnamigen Lithografie von 1913 (von dem Knesebeck 127) bzw. Detailstudien zur zweiten und dritten Fassung (von dem Knesebeck 128 bzw. 129). [3414]
Provenienz: Salman Schocken, Jerusalem (bis 1967) / Galerie Pels-Leusden, Berlin (1967) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (bis 1998) / Privatsammlung, Süddeutschland
Ausstellung: Käthe Kollwitz zum 100. Geburtstag. Graphik, Handzeichnungen, Plastik. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1967, Kat.-Nr. 114
Literatur und Abbildung: Auktion 152: Dr. Ernst Hauswedell, Hamburg, 5. Juni 1967, Kat.-Nr. 776 / Auktion 63: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 5. Juni 1998, Kat.-Nr. 57
Wer sich mit deutscher Geschichte beschäftigt, denkt nicht sofort an ein Land der Revolutionen. Und doch hat es sie gegeben. Immerhin fand in der DDR der – allerdings erfolglose – Volksaufstand am
17. Juni 1953 statt, den ich als sechzehnjähriger Schüler in Bitterfeld intensiv miterlebte. Nachdem die revolutionären Ereignisse im November 1989 inzwischen häufig zu einer friedlichen Wiedervereinigung beider deutschen Staaten herabgestuft werden, steht als Quelle der Demokratie die Revolution von 1848 in bleibender Erinnerung.
Ob einer der zahlreichen Berlin-Besucher den „Platz des
18. März“ hinter dem Brandenburger Tor mit den revolutionären historischen Ereignissen von 1848 in Verbindung bringt, bleibt zweifelhaft. Während meiner Amtszeit als Präsident der Akademie der Künste habe ich am Pariser Platz jedes Jahr aufs Neue am 18. März anlässlich der Verleihung des Großen Berliner Kunstpreises im Auftrag des Landes Berlin versucht, diese revolutionäre Bewegung in Erinnerung zu rufen.
Die Zeichnung „Märzfriedhof“ von Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1913 dokumentiert zunächst, wie auch in einem Text der Künstlerin von 1933 zu lesen ist, den „Tag, den die ganze rote Arbeiterschaft einmütig feierte ... Die Arbeiter zogen in langsamem Zug vom Morgen bis zum Abend in langen Reihen an den Gräbern vorbei“ (zitiert nach: Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen. Otto Nagel (Hg.), Berlin, 1972, S. 328). Der Marsch verdeutlichte die ganze Breite des Aufbruchs, an dem sich im März 1848 alle Schichten der Bevölkerung beteiligten.
Die Energie und Entschlossenheit der Demonstranten faszinieren heute noch. Seit langer Zeit kämpft eine Bürgerinitiative, der ich auch angehöre, dafür, dass der 18. März zum Nationalen Gedenktag erhoben wird. Der Kampf geht weiter.
Klaus Staeck, Heidelberg
Käthe Kollwitz (Kaliningrad 1867 – 1945 Moritzburg)
„Märzfriedhof“. 1913
Charcoal and blue coloured pencil on Ingres laid paper. 31 × 25 cm (63,1 × 47,5 cm) ( 12 ¼ × 9 ⅞ in. (24 ⅞ × 18 ¾ in.)). Signed in pencil lower right: Käthe Kollwitz.
Nail/Timm 713.–
On the reverse: sketch of the same motif. Charcoal. Study for the 1913 lithograph of the same name (von dem Knesebeck 127) as well as detailed studies for the second and third version (von dem Knesebeck 128 and 129). [3414]
Provenienz: Salman Schocken, Jerusalem (until 1967) / Galerie Pels-Leusden, Berlin (1967) / Private Collection, North Rhine-Westphalia (until 1998) / Private Collection, Southern Germany
Ausstellung: Käthe Kollwitz zum 100. Geburtstag. Graphik, Handzeichnungen, Plastik. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1967, cat. no. 114
Literatur und Abbildung: Auction 152: Dr. Ernst Hauswedell, Hamburg, 5 June 1967, cat. no. 776 / auction 63: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 5 June 1998, cat. no. 57
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Drawings, watercolours and pastels
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