Lot no. 235
Käthe Kollwitz (Königsberg 1867 – 1945 Moritzburg)
„Tod wird als Freund erkannt“. Um 1934
Kohle auf Papier. 48,3 × 40,7 cm ( 19 × 16 in.). Rückseitig mit der handschriftlichen Bestätigung von Hans Kollwitz, dem Sohn der Künstlerin: Aus dem Nachlaß Käthe Kollwitz Hans Kollwitz Eigentum von Ottilie Kollwitz Hans Kollwitz 40/37 18.
Nagel/Timm 1256.–
Gegenseitiger Entwurf zu der gleichnamigen Lithografie um 1937. Blatt 6 der Folge: Tod (von dem Knesebeck 271). [3409]
Provenienz: Nachlass Käthe Kollwitz / Ottilie Kollwitz, Berlin / Privatsammlung, Deutschland
Ausstellung: Käthe Kollwitz. Der Mensch – kreatürlich, existentiell, sozial. Peking, National Art Museum of China, 2015 (ohne Katalog)
Literatur und Abbildung: Auktion 91: Galerie Gerda Bassenge, Berlin, Sonderkatalog: Käthe Kollwitz, 31. Mai 2008, Kat.-Nr. 8150
Seit Bernd Schultz mir dieses Bild aus seiner in fünfzig Jahren zusammengetragenen Sammlung zeigte, begleitet es mich. Mit kräftigen Kohlestrichen schildert Käthe Kollwitz um 1934 jenen Moment: „Tod wird als Freund erkannt“. Der Kranke mit verzweifelt angstvollem Blick aus tiefen Augenhöhlen im ausgemergelten Gesicht erfasst mit der letzten Kraft seiner suchenden Hand das Haupt mit langem Haar – und erkennt den Tod, in der Darstellung des Erlösers, als Freund.
Diese Zeichnung in Händen werde ich mir des Ursprungs meiner Entscheidung, Arzt zu werden, bewusst: die Pflege eines 89-Jährigen während zweier Ferienmonate. Später machten uns die Lektüre von Hauptmanns „Die Weber“ in der Abiturklasse in Rom und die Schilderungen von Armut, Krankheit und Tod in „Ein Weberaufstand“ von Käthe Kollwitz fast zu Revolutionären.
2009 wurde Käthe Kollwitz mir wieder besonders nah, als ich mit der Alexander und Renata Camaro Stiftung das herrliche Backsteinhaus mit Ateliers und Aktsaal in der Potsdamer Straße erwerben konnte. Dies war das Zeichen- und Malhaus, das 1893 vom Verein der Künstlerinnen zu Berlin errichtet wurde, denn Frauen war damals der Zugang zu den Akademien verwehrt. Käthe Kollwitz unterrichtete dort von 1897 bis 1903. Ihre bekannteste Schülerin war Paula Modersohn-Becker.
Not, Leid und Tod hat Käthe Kollwitz mit ihrem Mann, dem engagierten Arzt, erfahren. Dank ihrer Empathie und Liebe zum gequälten Menschen berührt ihre Darstellung, ohne verschlossen zu machen. Ihre Blätter mobilisieren Kräfte. Den Studenten, den Krankenpfleger, den Arzt lehrt und stärkt ihr Blick. Ob der Kranke gläubig ist oder nicht, er wünscht, in friedlicher Krankheitserschöpfung ohne Qual oder Schmerz loslassen zu dürfen. Seinen Weg mitwissend, mittragend, beruhigend, erleichternd zum doch fast immer friedvollen Ende zu bringen, ist unser wichtigstes Versprechen als Arzt.
Wir können nicht ermessen, wie furchtbar der Weg der Vielen ins Exil war, gar der Tod dort oder auf dem Weg dorthin. Käthe Kollwitz und ihr Mann fassten im Juli 1936 den Entschluss, sich „dem KZ, wenn es unvermeidlich scheint, durch Selbsttod uns zu entziehen“.
Der Zeichnung wünsche ich, dass sie in wissenden Händen zum kraftvollen Fundament des so notwendigen ExilMuseums beiträgt.
Thomas von Brück, Berlin
Käthe Kollwitz (Kaliningrad 1867 – 1945 Moritzburg)
„Tod wird als Freund erkannt“. Circa 1934
Charcoal on paper. 48,3 × 40,7 cm ( 19 × 16 in.). Handwritten confirmation by Hans Kollwitz, the son of the artist on the reverse: Aus dem Nachlaß Käthe Kollwitz Hans Kollwitz Eigentum von Ottilie Kollwitz Hans Kollwitz 40/37 18.
Nail/Timm 1256.–
Reciprocal design for the lithograph of the same name circa 1937. Sheet 6 of the set: Tod (von dem Knesebeck 271). [3409]
Provenienz: Estate of Käthe Kollwitz / Ottilie Kollwitz, Berlin / Private Collection, Germany
Ausstellung: Käthe Kollwitz. Der Mensch – kreatürlich, existentiell, sozial. Beijing, National Art Museum of China, 2015 (without catalogue)
Literatur und Abbildung: Auction 91: Galerie Gerda Bassenge, Berlin, Sonderkatalog: Käthe Kollwitz, 31 May 2008, cat. no. 8150
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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