Lot no. 536
Konrad Klapheck Der Kuss Öl auf Leinwand. 90 x 70 cm. Gerahmt. Rückseitig auf der Leinwand signiert und datiert 'Klapheck 66' sowie auf dem Keilrahmen betitelt '(The Kiss) Der Kuss (Le Baiser)'. Pierre 171 Provenienz Sidney Janis Gallery, New York (mit rückseitigem Aufkleber); Wolfgang Wittrock Kunsthandel, Düsseldorf (mit rückseitigem Aufkleber); Privatsammlung, Deutschland Ausstellungen Rotterdam 1974 (Museum Boymans van Beuningen, mit rückseitigem Aufkleber), Brüssel 1974/1975 (Palais des Beaux-Arts), Düsseldorf 1975 (Städtische Kunsthalle), Konrad Klapheck, Ausst.Kat.Nr.54 mit Abb. New York 1969 (Sidney Janis Gallery), Konrad Klapheck, 35 Paintings, Ausst.Kat.Nr.23 mit Farbabb. Mailand 1968 (Galleria Schwarz), Konrad Klapheck, Ausst.Kat.Nr.9 Konrad Klapheck eruiert in seinen unverwechselbaren Gemälden die scheinbar triviale Welt der Alltagsgegenstände: Schreibmaschinen, Nähmaschinen und Telefonapparate gehören in seinem Themenrepertoire mit zu den wichtigsten Motiven. Auf der Leinwand entwickeln sie auf Grund der überhöhten, monumentalisierten Darstellung und der großen malerischen Präzision eine faszinierende Aura. Von Beginn an nimmt Klaphecks Malerei eine Sonderstellung ein in der internationalen Nachkriegskunst indem er sich eine Bildsprache aneignet, die sich im Spannungsfeld von Hyperrealismus, Surrealismus und Pop-Art bewegt und dabei stets autonom bleibt. Klaphecks großes Glück ist es, während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie in seinem Lehrer Bruno Goller einen Förderer zu finden, der seine sachliche Objektmalerei trotz des damals allgemein vorherrschenden Informels unterstützt. Der nationale wie internationale Erfolg lässt nicht lange auf sich warten: Klapheck stellt bei renommierten Galeristen aus wie Rudolf Zwirner in Essen, Arturo Schwarz in Mailand und Ileana Sonnabend in Paris. Im Jahr 1969 zeigt schließlich Sidney Janis, einer der großen Förderer der Amerikanischen Expressionisten und der Pop-Art-Künstler, in seiner New Yorker Galerie Klaphecks erste Einzelausstellung in den USA. Die Ausstellung ist ein großer Erfolg: Das Kölner Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig kauft zwei Bilder, die Grundlage ihrer späteren Klapheck-Sammlung, und mehrere Bilder gelangen in den Besitz des amerikanischen Geschäftsmanns und Sammlers Meshulam Riklis (vgl. Kay Heymer und Beat Wismer (Hg.), Klapheck, Bilder und Texte, Ausst.Kat. Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2013, S. 168). In dieser Ausstellung wird auch die vorliegende Arbeit „Der Kuss“ gezeigt und ziert sogar die Coverrückseite des begleitenden Katalogs. In einem Interview mit Hans-Ulrich Obrist erwähnte Konrad Klapheck einmal einen Satz über die Malerei von Jean-Auguste-Dominique Ingres, der nach Klaphecks Ansicht auch den Charakter seiner eigenen Gemälde im Kern erfasst: „Es gibt kaum einen Maler, der in seine eigenen Bilder so viel Leidenschaft bringt, aber es ist Feuer unter einer Schicht von Eis.“ (vgl. Interview, Obrist - Klapheck - Feldmann (2002), in: Kay Heymer und Beat Wismer (Hg.), Klapheck, Bilder und Texte, Ausst.Kat. Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2013, S.127). Hinter der vermeintlichen Sachlichkeit seiner Objektmalerei offenbart Klapheck in jedem Gemälde Persönliches und zuweilen Intimes, das besagte Feuer unter dem Eis. Die Bilder werden Teil seiner Biographie. Eine wichtige Ergänzung zu jedem Werk ist der jeweilige Titel, der dem dargestellten Gegenstand - oftmals mit einem humorvollen Augenzwinkern - eine Geschichte und menschliche Eigenschaften zuweist. Ein prägnantes Beispiel ist eines der frühesten und bekanntesten Nähmaschinenbilder, „Die gekränkte Braut“ (1957, im Besitz des Künstlers), das Klapheck nach einer temporären Trennung von seiner damaligen Freundin und späteren Frau Lilo malte. An Hand der schwarzen Maschine mit dem abgesenkten Fadengeber wird die Verletztheit der Freundin greifbar. So wie es Klapheck gelingt, seine Objekte Schmerz visualisieren zu lassen, dienen sie ihm auch als Ausdruck eines sehr viel positiveren Lebensthemas: Der Liebe. In dem Gemälde „Der Kuss“ scheint ein überdimensionaler Telefonapparat in einem leeren, vom Hellen ins Dunkle changierenden Bildraum zu schweben. Das Objekt ist somit losgelöst von räumlichen und zeitlichen Assoziationen und steht völlig für sich selbst. In vielen seinen Bildern ist das Telefon für Klapheck ein Medium, um „[…] die Stimme des Gewissens und die Befehle unbekannter Mächte […]“ in seine Bilder zu übertragen (Konrad Klapheck, Die Maschine und ich, 1963, in: Wieland Schmied (Hg.), Konrad Klapheck, Ausst.Kat. Kestner-Gesellschaft, Hannover 1966, S.19). Auch in „Der Kuss“ dient der Apparat als Kommunikationsmittel, hier wird er allerdings zum Ausdruck eines zärtlichen körperlichen Dialogs, in dem die einzelnen Bestandteile des Apparats jeweils geschlechtsspezifische Rollen übernehmen: Der Telefonkasten und die Telefongabel wirken weiblich, während der Telefonhörer und das Kabel den männlichen Part zu übernehmen scheinen. Der Kontakt des Hörers auf der Telefongabel visualisiert schließlich den titelgebenden Kuss, während sich das Kabel, eine innige Umarmung andeutend, zärtlich schlängelnd über den Hörer legt und als erotisches Verbindungselement zwischen Telefonkasten und Hörer dient. Konrad Klapheck Der Kuss Oil on canvas. 90 x 70 cm. Framed. The canvas verso signed and dated 'Klapheck 66' and the stretcher frame titled '(The Kiss) Der Kuss (Le Baiser)'. Pierre 171 Provenance Sidney Janis Gallery, New York (with label verso); Wolfgang Wittrock Kunsthandel, Düsseldorf (with label verso); private collection, Germany Exhibitions Rotterdam 1974 (Museum Boymans van Beuningen, with label verso), Brüssel 1974/1975 (Palais des Beaux-Arts), Düsseldorf 1975 (Städtische Kunsthalle), Konrad Klapheck, exhib.cat.no.54 with illus. New York 1969 (Sidney Janis Gallery), Konrad Klapheck, 35 Paintings, exhib.cat.no.23 with illus. Mailand 1968 (Galleria Schwarz), Konrad Klapheck, exhib.cat.no.9 Konrad Klapheck explored the seemingly trivial world of everyday objects in his distinctive paintings: typewriters, sewing machines and telephones were among the most important motifs in his thematic repertoire. The elevated, monumentalized depictions, together with his painterly precision, created a fascinating aura on the canvas. From the beginning, Klapheck's painting took on a special position in post-war art in which his pictorial language hovered between Hyperrealism, Surrealism and Pop Art, but remained autonomous at the same time. He was very fortunate to find a supporter of his realistic object painting in his teacher Bruno Goller at the Düsseldorf Kunstakademie, in spite of the predominancy of Informal art of the time. National and international success quickly followed, with exhibitions with prestigious gallerists such as Rudolf Zwirner in Essen, Arturo Schwarz in Milan and Ileana Sonnabend in Paris and culminating in his first solo exhibition in the USA in New York at Sidney Janis, one of the leading patrons of American Expressionist and Pop Art artists. The exhibition was a great success: the Cologne collectors Peter and Irene Ludwig purchased two pictures, the foundation of their later Klapheck Collection, and many works came into the possession of the American businessman and collector Meshulam Riklis (cf. Kay Heymer and Beat Wismer, Klapheck (ed.), Bilder und Texte, exhib.cat. Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2013, p.168). In an interview with Hans-Ulrich Obrist, Konrad Klapheck referenced a quote about the paintings of Jean-Auguste-Dominique Ingres which Klapheck believed also explained the character of his work: 'There is hardly any other artist who brings so much passion to his own pictures, but which is fire under a layer of ice' (cf. Interview, Obrist - Klapheck - Feldmann (2002), in: Kay Hemer and Beat Wismer (ed.), Klapheck, Bilder und Texte, exhib.cat. Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2013, p.127). Behind the seemingly objectivity of his object paintings Klapheck reveals always something personal and occasionally intimate, the so-called fire under the ice. The paintings become biographical. An important addition to each work is the title, which, often with a humorous wink, lent the depicted object a story and human characteristics. A good example of this is one of the earliest and well-known sewing machine pictures 'Die gekränkte Braut' (1957, the estate of the artist), which Klapheck painted after a temporary separation from his girlfriend and future wife Lilo. The pain of the girlfriend can be felt in the black machine with the lowered thread feeder. Whilst Klapheck's objects enable him to visualize pain, they also serve as the expression of one of lifes more positive themes: love. In the painting 'Der Kuss' the larger than life telephone seems to hover in an empty space between light and dark. As a result, the object is released from spatial and temporal associations and stands completely on its own. In many of his pictures the telephone is a medium to convey '(...) the voice of conscience and the commands of unknown powers (...)' (Konrad Klapheck, Die Maschine und ich, 1963, in: Wieland Schmied (ed.), Konrad Klapheck, exhib.cat. Kestner Gesellschaft, Hannover 1966, p.19). The machine also serves as a means of communication in 'Der Kuss', here however portraying a softly physical dialogue in which each part of the machine assumes a gender-specific role: the telephone box and the cradle seem feminine whilst the receiver and the cable suggest masculinity. The contact of the receiver with the cradle visualizes the kiss, whilst the cable implies a heartfelt embrace, softly coiled around the receiver and relaying the erotic connection between the telephone box and the receiver.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art Contemporain I
50667 Köln - Germany
11/29/2014
Offered by Kunsthaus Lempertz
+49-(0)221-925729-0