Lot no. 342
KPM Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin ()
Paar Kratervasen mit Mikromosaikmalerei. Um 1825
Modell von Karl Friedrich Riese (1759–1834) / KPM-Modellbuch-Nummer 1005 / Porzellan, farbige Aufglasurmalerei; Goldstaffage; originale vergoldete Bronzemontierung. Je 31 cm; Ø 23 cm ( 12 ¼ in.; Ø 9 in.). Zeptermarke in Unterglasurblau; rotbraune Adlermarke (Malereimarke).
[3142]
Provenienz: 1988 Kunsthandlung Ulrich Gronert, Berlin / Bis 1997 Sammlung Schönfisch, Berlin / Privatsammlung, Berlin
Ausstellung: Verband der Berliner Kunst- und Antiquitätenhändler (Hrsg.): Orangerie '88. Internationaler Kunsthandel im Schloß Charlottenburg, Berlin und München 1988, S. 180 (mit Abb.)
Literatur und Abbildung: Auktionskatalog: Style for a Nation. Porcelain from the Prussian Royal Manufactory in Berlin 1800–1850, Sotheby’s, London, 9. Juli 1997, Los 16 (mit Abb.)
Zur Sammlung Schönfisch: Weltkunst, Jg. 67, Heft 17 (1. September 1997), S. 1737
Das Vasenpaar mit feinster Mikromosaik- und Pietre-dure-Malerei hat die Form der sogenannten „Reden‘schen oder Mediceischen Vase“. Erstmals wurde diese Vasenform 1799 durch den „ersten Modelleur und Vorsteher des Massekorps“ Karl Friedrich Riese (1759–1834) auf Veranlassung des Grafen Friedrich Wilhelm von Reden (1752–1815), des Vorsitzenden der Porzellanmanufaktur-Kommission, ausgeführt. Im Modellbuch der KPM ist sie unter der Nummer 1005 verzeichnet. Bis in die 1840er Jahre hinein wurde das Reden’sche Vasenmodell gefertigt. Als Vorbild diente Riese, so ist es in der Literatur zur KPM überliefert, ein antiker Kelchkrater aus der Sammlung des damaligen schwedischen Gesandten Baron von Engeström. Die Vase ist in zwei Stücken – Vasenkörper und Fuß – gearbeitet und wird durch eine vergoldete Bronzemontierung verbunden.
Der sich nach oben leicht ausweitende, zylindrische Vasenkörper mit weit ausladendem Lippenrand und seitlich angesetzten, bogenförmigen Henkeln ist auf den beiden Schauseiten mit hochwertiger Mikromosaik- und seitlich oberhalb der Henkel mit Pietre-dure-Malerei dekoriert. Eine der Vasen ist mit dem wohl bekanntesten Mosaik der römischen Antike bemalt, das im 18. Jahrhundert durch zeitgenössische Stiche weite Verbreitung fand und auch in die Porzellanmalerei übernommen wurde: mit der Darstellung von vier weißen Tauben, die auf einer gefußten, mit Wasser gefüllten Henkelschale sitzen. 1737 wurde dieses Bodenmosaik durch den späteren Kardinal Giuseppe Alessandro Furetti (1684–1763) bei Ausgrabungen in der Hadriansvilla entdeckt und erstmals publiziert. Das Originalmosaik befindet sich heute in den Kapitolinischen Museen in Rom.
Betrachtet man die übrigen Motive der Mikromosaik-Malerei der beiden Vasen, so scheint den Darstellungen ein Bildprogramm unter dem Leitmotiv der Treue (fides in amicitia) zugrunde zu liegen. So sind eine Schwanenmutter mit ihrem Jungen zu sehen – der Schwan symbolisch für Reinheit, Sinnlichkeit, Grazie und hier auch Mutterliebe –, zudem ein Hund als Sinnbild der Treue neben einem Säulenstumpf, an dem ein Anker als Zeichen der Hoffnung und Beständigkeit lehnt.
Diese subtilen symbolischen Andeutungen wurden von den Zeitgenossen ohne Zweifel in dieser Lesart verstanden und lassen uns zu dem Schluss kommen, dass das repräsentative Vasenpaar mit seiner feinen und aufwendigen Dekoration wohl die Bestellung eines wohlhabenden Mannes für seine Frau war. Vermutlich gab er die Vasen als sehr persönliches, ja fast intimes Geschenk nach den langen Jahren der Entbehrung in Folge der Napoleonischen Kriege bei der KPM in Auftrag. ThK
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