Lot no. 11
Lesser Ury (1861 Birnbaum/Posen – 1931 Berlin) „Berliner Straßenszene im Spätherbst“. Um 1920/25 Öl auf Leinwand. 47 × 39 cm ( 18 ½ × 15 ⅜ in.). Unten links signiert: L. Ury. Das Gemälde wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Gemälde, Pastelle, Gouachen und Aquarelle von Lesser Ury von Dr. Sibylle Groß, Berlin (in Vorbereitung).– [3127] Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland Lesser Urys Berliner Großstadt- und Kaffeehausszenen begründen bis heute seinen Ruf als Maler. Trotz Ablehnung bei der Berliner Kunstakademie im Jahr 1885 verfolgte er hartnäckig und zielstrebig seine Ausbildung zum Kunstmaler mit Stationen in Düsseldorf, Paris, Brüssel und München. Lovis Corinth ermöglichte ihm schließlich 1914 die Mitgliedschaft in der Berliner Secession, und als diese ihn 1921 zum Ehrenmitglied ernannte und ein Jahr später eine große Werkschau des Malers ausrichtete, war er allgemein als „künstlerischer Verherrlicher der Reichshauptstadt“ (Oberbürgermeister Dr. Gustav Böß) bekannt und geehrt. Ury war zeit seines Lebens fasziniert von dem geschäftigen Treiben auf den Boulevards und Straßen Berlins, das er von seinem Dachgeschoßatelier am Nollen-dorfplatz, dem damaligen Herzstück des Vergnügungsviertels der Metropole, ab 1920 täglich beobachten konnte. Sein Thema waren die flanierenden Menschen, die Automobile, Pferdekutschen, Omnibusse und Hochbahnen, die die aufstrebende Millionenstadt in ihrer steten Betriebsamkeit charakterisierten. Unverkennbar ist in allen Bildern Urys – auch den nicht weniger markanten Stilleben und Landschaften – der Einfluß des französischen Impressionismus. Licht und Lichteffekten kommt in seinem Werk eine zentrale Rolle zu. So bricht die Sonne durch das Blätterdach der Berliner Parks und Alleen, Regenschauer ermöglichen spektakuläre Spiegelungen auf dem nassen Straßenpflaster, oder aber das Kunstlicht der Geschäfte, Restaurants und Gaslaternen entlang der Boulevards verwandelt das nächtliche Berlin in eine unwirkliche, verträumte Welt. Unser Gemälde fängt die Stimmung eines verhangenen Herbsttages im Berlin der zwanziger Jahre auf treffende Weise ein, macht Nieselregen und feuchte ­Kälte fast sinnlich erfahrbar. Die Pferdekutscher haben ihre Mantelkragen hochgeschlagen, die Passanten tragen pelzbesetzte Kleidung, eine Dame in Grau ruft soeben eine Droschke herbei. Typisch für Urys Straßenbilder sind die tiefenräumliche Staffelung der Baumreihen beiderseits der Boulevards, der trennende helle Himmelsstreifen dazwischen sowie die Lichtreflexion auf dem nassen Straßenbelag, welche Details zugunsten einer gesamtbildnerischen Impression vernachlässigt. 1923 schuf Ury auf Grundlage dieses Ölbildes die Radierung „Straßenbild kleine Bellevuestraße“ (Rosenbach 54), die naturgemäß den zeichnerischen Aspekt – etwa in dem Astgewirr der Bäume und dem differenzierter aus-gearbeiteten Straßenpflaster – deutlich stärker betont. AF Lesser Ury (1861 Birnbaum/Poznań – 1931 Berlin) „Berliner Straßenszene im Spätherbst“. Circa 1920/25 Oil on canvas. 47 × 39 cm ( 18 ½ × 15 ⅜ in.). Signed lower left: L. Ury. The painting will be included in the catalogue raisonné of the paintings, pastels, gouaches and watercolours of Lesser Ury by Dr. Sibylle Groß, Berlin (in preparation).– [3127] Provenienz: Private collection, northern Germany
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
11/26/2015
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0