Lot no. 1
Lesser Ury (Birnbaum/Posen 1861 – 1931 Berlin)
„Unter den Linden, Berlin“. Um 1925
Pastell auf Pappe. 35,5 × 50,5 cm ( 14 × 19 ⅞ in.). Unten links signiert: L. Ury.
Mit einem Gutachten von Dr. Sibylle Groß, Berlin, vom 28. März 2019. Das Pastell wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Gemälde, Pastelle, Gouachen und Aquarelle von Lesser Ury von Dr. Sibylle Groß, Berlin.–
[3027]
Provenienz: Walter und Lotte Heck, Berlin/Helmarshausen (bis 1967) / Axel C. Springer, Berlin (1967 von Lotte Heck erworben, bis 1985) / Privatsammlung, Berlin
Lesser Ury, an den Akademien von Düsseldorf und Brüssel ausgebildet, war ein malender Stadtwanderer, der bis heute vor allem für seine impressionistischen Ansichten des nächtlichen Berlin bekannt ist. Unser Pastell „Unter den Linden“ hingegen zeigt den Boulevard am hellen Tag im gleißenden Sonnenlicht: Die zum Brandenburger Tor führende Allee, die der Schriftsteller Franz Hessel 1929 „Mitte und Herz der Hauptstadt“ nannte, hatte den Künstler zu zahlreichen Werken inspiriert (Franz Hessel: Spazieren in Berlin, Neuauflage, Berlin 2013, S. 130).
Auf unserem Bild zeugen Automobile, Omnibusse und eine bunt beklebte Litfaßsäule von der pulsierenden Modernität im Zentrum Berlins. Atmosphärisch aufgeladen, bleibt das Pastell in den Details skizzenhaft. Ury überzeugt dabei nicht nur durch die meisterlich changierenden Farbnuancen, mit denen er das Flirren eines sommerfrischen Mittags in der Reichshauptstadt eingefangen hat, sondern vor allem durch die Intensität, die er der Wirkung des Lichts verleiht.
Ury lenkt den Blick des Betrachters in die Tiefe des langen Boulevards. Während auf dem Gehweg Passanten angedeutet sind, fällt in der vielgeschossigen Häuserreihe eine markante Kuppel auf. Ob es sich hierbei um das Kuppeldach des Hotels Bristol handelt, muss offen bleiben, denn Ury ging es nicht um die exakte Wiedergabe der Stadtlandschaft: „Jahrzehnte lang haben sich die öffentlichen Galerien Deutschlands nicht um Lesser Ury gekümmert, der – die Tatsachen beweisen es – der erste gewesen ist, der hier den französischen Impressionismus selbständig und so meisterlich verarbeitet hat, daß das Ausland es anerkennen mußte“, konstatierte der Kunstpublizist Adolph Donath 1926, nachdem der Direktor Ludwig Justi ein weiteres Werk des Malers für die Nationalgalerie erworben hatte (Adolph Donath: Aus der Museumswelt. Berlin. In: Der Kunstwanderer, Jg. 8, 1/2. Februarheft, Berlin 1926, S. 247). So ist es die strahlende, irrlichternde Farbigkeit im Sinne Monets und Renoirs, der dieses außergewöhnlich qualitätvolle Pastell seinen besonderen Reiz verdankt. GK
Lesser Ury (Birnbaum/Poznań 1861 – 1931 Berlin)
„Unter den Linden, Berlin“. Circa 1925
Pastel on cardboard. 35,5 × 50,5 cm ( 14 × 19 ⅞ in.). Signed lower left: L. Ury.
Accompanied by a certificate by Dr. Sibylle Groß, Berlin, dated 28 March 2019. The pastel will be included in the catalogue raisonné of paintings, pastels, gouaches and watercolours by Lesser Ury by Dr. Sibylle Groß, Berlin.–
[3027]
Provenienz: Walter and Lotte Heck, Berlin/Helmarshausen (until 1967) / Axel C. Springer, Berlin (1967 acquired by Lotte Heck, until 1985) / Private Collection, Berlin
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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