Lot no. 195
Lucas Cranach der Ältere 1472 Kronach - 1553 Weimar, Werkstatt JUDITH MIT DEM KOPF DES HOLOFERNES UND DEN ZWEI BEGLEITERINNEN Öl auf Holz. Parkettiert. 53 x 37,5 cm Rechts oben das Schlangensigné Cranachs in Dunkelgrau mit gelben Höhungen. Cranach-Werkstatt der Zeit um 1530 Das seltene dreifigurige Motiv zeigt starke Verwandtschaft zu dem Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren: Die drei sächsischen Prinzessinnen Sibylla, Emilia und Sidonia, um 1535, 62 x 89 cm, im Kunsthistorischen Museum Wien, Inv. Nr. 877. Das Gemälde zeigt in ikonografisch seltener Weise die Heldin des Alten Testamentes Judith, mit Schwert und dem Haupt des Holofernes, in Begleitung zweier junger Frauen. Sie selbst ist in dunkelrötlichem Samtkleid mit breiter Goldbrokatbordüre dargestellt, das Schwert geschultert, in der Rechten das Haupt des babylonischen Heerführers Holofernes, das die links stehende Begleiterin mit einem Sack entgegennimmt. Judith trägt, wie die beiden Begleiterinnen, reichen Goldschmuck in der Art, wie wir ihn auch aus anderen höfischen Bildnissen sächsischer Prinzessinnen kennen, ihr Haar ist in einen golddurchwirkten Schleier eingebunden. Die links stehende Begleiterin trägt eine barettartige Kopfbedeckung. Winzige Farbabsprünge entlang des Vertikalsprungs der Mittelachse. Gutachten: Es liegt ein technischer Untersuchungsbericht von Prof. Dr. Ingo Sandner, Köln, vom 25. 3. 1998, mit fotokopierter Wiedergabe der Unter-Zeichnungen vor. Auszug aus dem Gutachten: Ziel der Untersuchung war die Erfassung der Unter-Zeichnung. Unter der Malerei liegt eine auch kleinere Details ausführende Unter-Zeichnung. Sie ist relativ frei ausgeführt, orientiert sich aber offensichtlich an teilweise noch schwach erkennbaren Linien. Ob es sich dabei um den großen Erstentwurf nach einer Vorlage handelt oder eine Vorzeichnung pausend durchgedrückt wurde, muß offen bleiben. Beide Varianten waren üblich. Das Makro des Kopfes der rechten Figur sowie der untere Gewandsaum zeigen aber Reste schwächerer Linien, teilweise wieder verwischt, die eher an einen Entwurf mit Zeichenkohle erinnern. Die Striche sind weicher und wohl nicht mit Tusche gezogen. Zumindest lassen sich keine sorgsam gepausten Linien erkennen. Nach bisherigem Kenntnisstand war es in der Werkstatt Cranachs üblicher, nach einer Vorlage die Komposition variierend grob aufzuzeichnen und im Nachgang mit dem Pinsel oder der Feder zu präzisieren, als zu pausen. Pausen verwendete man hauptsächlich zur Übertragung von Portraits. Die Art und der Duktus der Unter-Zeichnung entsprechen den Arbeitsgewohnheiten der Cranach-Werkstatt. Die Hauptformen sind linear umrissen. Die Binnenzeichnung ist sparsam, markiert aber alle wesentlichen Details. Schraffuren sind nicht verwendet. Es gibt auch keine Anhaltspunkte für eine modellierte Behandlung von Licht und Schatten in der Unter-Zeichnung. Die rationelle Arbeitsweise, die den Entwurf auf dem Malgrund nur als helfendes Gerüst für die Malerei betrachtet, ist typisch für Cranach und seine Mitarbeiter. Der Duktus weicht aber von den Cranach selbst zuzuordnenden Unter-Zeichungen ab. Es handelt sich ganz offensichtlich um eine Leistung eines Mitarbeiters unter Aufsicht und nach Vorgabe des Meisters. Literatur: Vgl. Anja Schneckenburger-Broschek, Altdeutsche Malerei, Die Tafelbilder im Hessischen Landesmuseum Kassel, 1997, S. 70 - 76. Christoph Emmendörffer, Die selbständigen Cranach-Schüler, in: Unsichtbare Meisterzeichnungen auf dem Malgrund. Cranach und seine Zeitgenossen, Eisenach 1998, S. 203 - 228. (770454) Lucas Cranach the Elder, 1472 Kronach - 1553 Weimar, workshop JUDITH WITH THE HEAD OF HOLOFERNES AND TWO ATTENDANTS Oil on wood. Parquet. 53 x 37.5 cm. Cranach's device (snake with the wings of a bat) in upper right corner, dark grey with yellow highlights. Technical report by Prof. Dr. Ingo Sandner, Cologne, 25. 3. 1998.
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Drawings, watercolours and pastels
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03/23/2010
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